30.05.2008, 23:15
31.05.2008, 08:45
Hallo Drehrassel,
Metrisch nicht so ganz einfach, an manchen Stellen. Zwar kann man einsilbige Worte beinahe beliebig betonen, aber es ist ein Unterschied ob ein Autor, der die richtige Betonung kennt einen Text vorträgt, oder ob sich ein Leser die richtige Betonung erst erarbeiten muß.
Wie soll ich sagen? An anderer Stelle wurde mir mal gesagt, daß bedeutungstragende Silben stärker betont werden. Zwar gibt es auch hier Ausnahmen, und Auslegungen, wie bei jeder regel, aber vielleicht im Grundsatz doch beachtenswert. So würde ich in Zeile 2 beispielsweise ganz unwillkürlich das "will" betonen, was mich sofort aus dem Rythmus reißt.
im mittelteil ist mir die Syntax etwas zu komple geraten, man hat Mühe deinem Gedanken zu folgen.
Inhaltlich habe ich kaum etwas zu beanstanden. Ein originelles Thema einfühlsam umgesetzt.
Nur in Zeile 11 bin ich an den Drähtchen hängengeblieben. Es mag verschiedene Konstruktionsprinzipien für ein Uhrwerk geben, aber Drähte habe ich noch nicht gesehen. Da fände ich dann z. B. Rädchen treffender.
LG ZaunköniG
Metrisch nicht so ganz einfach, an manchen Stellen. Zwar kann man einsilbige Worte beinahe beliebig betonen, aber es ist ein Unterschied ob ein Autor, der die richtige Betonung kennt einen Text vorträgt, oder ob sich ein Leser die richtige Betonung erst erarbeiten muß.
Wie soll ich sagen? An anderer Stelle wurde mir mal gesagt, daß bedeutungstragende Silben stärker betont werden. Zwar gibt es auch hier Ausnahmen, und Auslegungen, wie bei jeder regel, aber vielleicht im Grundsatz doch beachtenswert. So würde ich in Zeile 2 beispielsweise ganz unwillkürlich das "will" betonen, was mich sofort aus dem Rythmus reißt.
im mittelteil ist mir die Syntax etwas zu komple geraten, man hat Mühe deinem Gedanken zu folgen.
Inhaltlich habe ich kaum etwas zu beanstanden. Ein originelles Thema einfühlsam umgesetzt.
Nur in Zeile 11 bin ich an den Drähtchen hängengeblieben. Es mag verschiedene Konstruktionsprinzipien für ein Uhrwerk geben, aber Drähte habe ich noch nicht gesehen. Da fände ich dann z. B. Rädchen treffender.
LG ZaunköniG
31.05.2008, 14:31
hallo zaunköniG, -
vielen lieben dank für deine so prompt erfolgte antwort zu meinem "alten wecker".
auch wenn meine bemühungen in diese richtung offensichtlich kaum als "kühn" oder "innovativ" zu bezeichnen sind, habe ich doch im falle dieses gedichts ein paar experimente gewagt, was seine grammatik und die - fehlende! - (bis auf den schlusspunkt am ende des letzten verses) interpunktion anbelangt. sowohl diese lockerungen der satzstruktur (welche anakoluthisch anmutet), als auch der gebrauch verschiedenster rhythmischer typen, setzte ich ganz bewusst ein, um das sujet - den wecker - aus der struktur des textes selbst und auch akustisch wahrnehmbar/hör- und sehbar (in den losen über- und untereinander liegenden zeilen) werden zu lassen. -
meiner meinung nach gibt es genügend anhaltspunkte im gedicht, welche den leser darauf hinweisen, dass es sich um ganz alt-hergebrachte endecasillabi (oft durch ihre männlichen kadenzen um eine silbe verkürzt, was ja in der deutschspachigen lyrik ebenso wenig verwunderlich sein dürfte, da hier seit der zeit der normativen regelpoetiken der romanische elfsilber sowieso als ein fünfhebiger jambus übernommen wird...) handelt. - die von dir angesprochene zeile: "das NICHT wenn ich es NICHT will funktioniert" zum beispiel konzipierte ich deshalb so und nicht anders, weil ich gerade durch den gebrauch der vielen einsilbigen wörter (was in den meisten fällen alternierender maße einem rhyhtmischen faux pas gleichkommt!) das montone und kraftlose "rattern", "klappern" eines metronoms oder: eines uhrzeigers eben! nachzubilden im sinne hatte. - an ganz anderer stelle übrigens beschleunige ich den rhyhtmus wieder, indem ich auf ein fünfsilbiges kompositum zurückgreife:"nachttischschrankgedeck".
mit all dem soll ein im digitalen zeitalter anachronistisch gewordener gebrauchsgegenstand evoziert werden, der - durch die bemühung des stilmittels der personifikation - eine tragik-komische situation des sich selbst überflüssig gemachten modernen geistes vorführt, der einzig und allein sich in sich selbst zu transzendieren und einen "deus ex machina" zu warten versteht...
deinen vorschlag "rädchen" statt "drähte" finde ich aus den von dir angegebenen gründen gut und überlege mir, ihn zu übernehmen.
liebe grüße,
drehrassel
vielen lieben dank für deine so prompt erfolgte antwort zu meinem "alten wecker".
auch wenn meine bemühungen in diese richtung offensichtlich kaum als "kühn" oder "innovativ" zu bezeichnen sind, habe ich doch im falle dieses gedichts ein paar experimente gewagt, was seine grammatik und die - fehlende! - (bis auf den schlusspunkt am ende des letzten verses) interpunktion anbelangt. sowohl diese lockerungen der satzstruktur (welche anakoluthisch anmutet), als auch der gebrauch verschiedenster rhythmischer typen, setzte ich ganz bewusst ein, um das sujet - den wecker - aus der struktur des textes selbst und auch akustisch wahrnehmbar/hör- und sehbar (in den losen über- und untereinander liegenden zeilen) werden zu lassen. -
meiner meinung nach gibt es genügend anhaltspunkte im gedicht, welche den leser darauf hinweisen, dass es sich um ganz alt-hergebrachte endecasillabi (oft durch ihre männlichen kadenzen um eine silbe verkürzt, was ja in der deutschspachigen lyrik ebenso wenig verwunderlich sein dürfte, da hier seit der zeit der normativen regelpoetiken der romanische elfsilber sowieso als ein fünfhebiger jambus übernommen wird...) handelt. - die von dir angesprochene zeile: "das NICHT wenn ich es NICHT will funktioniert" zum beispiel konzipierte ich deshalb so und nicht anders, weil ich gerade durch den gebrauch der vielen einsilbigen wörter (was in den meisten fällen alternierender maße einem rhyhtmischen faux pas gleichkommt!) das montone und kraftlose "rattern", "klappern" eines metronoms oder: eines uhrzeigers eben! nachzubilden im sinne hatte. - an ganz anderer stelle übrigens beschleunige ich den rhyhtmus wieder, indem ich auf ein fünfsilbiges kompositum zurückgreife:"nachttischschrankgedeck".
mit all dem soll ein im digitalen zeitalter anachronistisch gewordener gebrauchsgegenstand evoziert werden, der - durch die bemühung des stilmittels der personifikation - eine tragik-komische situation des sich selbst überflüssig gemachten modernen geistes vorführt, der einzig und allein sich in sich selbst zu transzendieren und einen "deus ex machina" zu warten versteht...
deinen vorschlag "rädchen" statt "drähte" finde ich aus den von dir angegebenen gründen gut und überlege mir, ihn zu übernehmen.
liebe grüße,
drehrassel