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Normale Version: E. A. Robinson: Credo
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E. A. Robinson

Credo


I cannot find my way: there is no star
In all the shrouded heavens anywhere;
And there is not a whisper in the air
Of any living voice but one so far

That I can hear it only as a bar
Of lost, imperial music, played when fair
And angel fingers wove, and unaware,
Dead leaves to garlands where no roses are.

No, there is not a glimmer, nor a call,
For one that welcomes, welcomes when he fears,
The black and awful chaos of the night;

For through it all – above, beyond it all
I know the far-sent message of the years,
I feel the coming glory of the Light.




Ich glaube
Ü: sneaky

Ich finde keinen Weg: kein Stern durchbricht
das graue Tuch am Himmel. Selbst die Luft
trägt keine Töne, ist wie eine Gruft
für Stimmen, doch wie ferner Klang von Licht

erahne ich ein Thema, ein Gedicht,
ein Sphärenton, als ob ein Engel ruft
der Herbstlaub zu Girlanden flicht voll Duft,
ganz ungewollt, denn Rosen gab es nicht.

Nichts existiert, kein Ruf, kein Glanz,
für den, der es trotz Furcht begrüßt,
das ungeformte Chaos aus der Nacht;

doch alles unterwirft sich einem Tanz
der seit Äonen durch die Jahre fließt:
Dem Licht, das alles in uns sehend macht.
Credo
Ü: ZaunköniG

Ich finde keinen Weg; dort ist kein Stern
in den verhüllten Himmeln. Da ist nicht
ein Wispern in der Luft, das zu mir spricht
lebendig, aber: eine Stimme fern, -

Ich kann sie nur als dünnen Faden hören,
herrschaftlicher Musik, so klar und licht,
doch traumverloren nur ein Engel flicht
Herbstlaub zum Kranz, als ob es Rosen wären.

Nein. Da ist kein Strahl, kein Ruf für mich,
der grüßt; nur Chaos, das ich hier gewahre
aus fürchterlicher Schwärze und aus Nichts,

die's zu durchstehen gilt. Doch kenne ich
die lang bewahrte Botschaft dieser Jahre
und fühl’: Es kommt die Herrlichkeit des Lichts.
CREDO

Kein Licht im Tunnel: Kein Komet
der durch den Nebel findet.
Das Leben hat schon beigedreht
und jeder Schall verschwindet,

bis auf ein leises Urgeflöt,
von Engeln angezündet,
als ob in's rosenlose Beet
wer heimlich Schnörkel windet.

Nein, kein Signal, kein Schein,
für den, der diese Nacht begrüßt,
und Angst bekommt allein.

Nur Wissen, das ins Dunkel fließt,
dass irgendwer das Licht entfacht,
dass irgendwann das Licht erwacht.
Hallo Peter,

inhaltlich bist du ja wiedermal ziemlich frei darangegangen. Eher eine Aneignung als eine Übersetzung, aber gefällt mir sehr gut!
Besonders die Struktur finde ich gelungen, mit den abwechselnd 4 und 3 Hebungen, die sich am Beginn der Terzette umkehrt. Nette Idee, guter Effekt, obwohl ich das "Ebenmass" im Sonett sonst gerne verteidige.

LG ZaunköniG
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