Sonett-Forum

Normale Version: Illyrisch, Gälisch, Armenisch
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Vor kurzem habe ich über ebay ein Buch erstanden:

Zitat:
Leben der Prinzessin Guendaline Borghese
geborenen Talbot Shrewsbury

mit einem Sonettenkranz in fünfzehn Sprachen
Wien 1848


Nun, da ich das Buch zuhause habe stelle ich festr, daß dort keineswegs ein Sonettenkranz in 15 Sprachen übersetzt wurde (auch nicht in 14), daß es auch kein Sonettenkranz in strenger Form ist.
Genaugenommen ist es gar kein Kranz; Es wurde nur 1 italienisches Sonett in 14 weitere Sprachen übersetzt, wobei nicht aus jeder Übersetzung ein Sonett geworden ist. Besonders deutlich wird dies gerade an der deutschen Version, die immerhin um zwei Zeilen zu lang geraten ist...

Meine Enttäuschung hält sich aber in Grenzen, da manche Übertragungen wirklich spannend sind. So gibt es z. B. eine Version Illyrienne
Laut Wikipedia gibt es nur wenige kurze Inschriften die als Zeugnisse dieser Sprache erhalten geblieben sind:

Zitat:
Die illyrische Sprache wurde in der Antike vom Volk der Illyrer gesprochen und war ein eigenständiger Zweig der indogermanischen Sprachen. Das Verbreitungsgebiet deckte sich größtenteils mit der historischen Region Illyrien, die Messapier in Apulien sprachen ebenfalls einen illyrischen Dialekt. Entfernt verwandt mit dem Illyrischen ist das Venetische, dessen Zuordnung innerhalb der indogermanischen Sprachen allerdings unsicher ist.

Das Illyrische ist nur spärlich überliefert. Man kennt lediglich wenige Einzelwörter, sowie einige Orts- und Personennamen, die vornehmlich auf Grab- oder Gebäudeinschriften überliefert sind. Die Einzelwörter kennt man aus griechischen und römischen Quellen, so z.B. sabaia (bierartiges Getränk) oder sybina (Jagdspieß).

Bis heute ist es umstritten, in welcher Weise die albanische Sprache mit dem Illyrischen zusammenhängt.


Da fragt man sich natürlich wie jemand im 19 Jahrhundert ein Sonett in dieser Sprache verfassen kann. Ist es also eigentlich ein venetisches oder albanisches Sonett? Letzteres eher nicht, da der band eine eigenständige albanische Version enthält. Oder gibt es dort auch stark verschiedene Dialekte?

Fragen über Fragen.
ich hege zwar wenig Hoffnung das Rätsel hier lösen zu können, aber die Texte möchte ich euch doch nicht vorenthalten.

Zunächst das italienische Original von Francesco Fiorini:

Zitat:
Sonnet

Presso al Tamigi un Fior di Paradiso
Le Fè piantò con somma cura un giorno;
Bello ei crebbe in quel suol più che un narciso:
Tanto era in suo candor di grazie adorno!

Quindi la Carità fiammante in viso
Del Tebro il trapiantò nel bel soggiorno,
E qui destava in tutti amore e riso
Per la fragranza che spandea d'intorno.

Ma il grato olezzo anche su in cielo ascese,
Onde averlo fra loro ebber desio
L'Alme ch' ivi si stanno al gaudio intese.

Allora a un divin cenno Angiol partio,
Che svelto il Fior con tre germogli, il rese
All' amor de' beati in grembo a Dio.




Und die Version Illyrienne

Zitat:
Version Illyrienne

S velikom pomnjom jednom cviet iz raja
Posadì viera pri Tamizu vodi,
Gdieno mu vrieme tako krasno godi,
Da rastné sgodno postà liep bez kraja.

Odatle ognjena ljubav, koja spaja
Sàrca, da zemljom boljom još mu ugodi,
Presadì k župnu Tevru ga, gdie plodì
Vonj dívan svuda, radost svud gdie staja.

Al miris mio čiem i k nebu stiže,
Tiem oni, koji stoluji vàrh vedra,
Zaželiše ga, da im bude bliže:

Pak mignù višnji i andjeo razstàv jedra,
Sa tri pupoljka cvietak ubrà i diže
Na milovanje svetiem bogu u njedra.

Zudem enthält das Buch auch eine gälische Version:


Zitat:
Version Irlandaise

Air bhruach na Taimsi do chuir an Coreideamh tráth
An lile aoibhinn, dob' ailne craobh is bláth:
Budh mhin a cneis, budh séanmhár, saimh a fas,
Is shil flaitheas uirthi drucht gach uile ghrás.

Chonaire an Grádh an planda dóigheamhuil, caoin,
Is d' athchuir i 'sa Róimh go modhamhuil, min:
Do scar a boladh air fhad gach uile shlighe,
'Sd' éirigh grádh is gardachas ann gach uile chroidhe.

D'éirigh an boladh fós go flaitheas suas
Is shantuigh na firéin a bheith comhruinn ann;
Do chlaon an t-ardrigh air a n-guth a chluas.

Is thuirlinn Aingeal caomh o Righ na rann,
Is do thóg sé an lile co n-a fréamhaibh
'S a tri blatha deasa air a géagaibh.

D. Martino Loftus

Zitat von timediver.de:

Zitat:
Napoleon benennt die von Österreich eroberten Gebiete Dalmatien, Fiume, Görz, Istrien, Krain, Triest und Teile Kroatiens und Kärntens als "Illyrische Provinzen " der Kaiserreiches Frankreich.

1816
Der Wiener Kongress gibt einem Teil der ehemals napoleonischen Gebiete den Namen "Königreich Illyrien", das sich allerdings als kurzlebig erweisen sollte.


Zitate aus Wikipedia:

Zitat:
Illyrische Provinzen
→ Hauptartikel: Illyrische Provinzen

Während der Napoleonischen Kriege wurde dieser Name gemäß der klassizistischen Zeitmode auch für administrative Zwecke verwendet. Die im Frieden von Schönbrunn 1809 abgetrennten Teile Österreichs wurden von Frankreich als „Illyrische Provinzen“ (mit Hauptstadt Laibach) organisiert. Es bestand aus den Départements Carinthie (Osttirol und der Westteil Kärntens – Unterkärnten blieb bei Österreich), Carniole (Krain), Istrie (das Küstenland), Croatie Civile („Zivilkroatien“) und Croatie Militaire („Militärkroatien“, das heißt die Militärgrenze), Dalmatie (Dalmatien), Raguse (Ragusa, das heißt Dubrovnik).

Königreich Illyrien
Nach der Rückgabe dieser Provinzen an Österreich 1814 organisierte man dieses Gebiet als Königreich Illyrien mit etwas anderen Grenzen: Unterkärnten wurde dazugenommen, dafür das westliche Kroatien und das Kronland Dalmatien ausgeschieden. 1849 wurde dieses Königreich aufgelöst.



Zitat:
Die Illyrische Bewegung (serbokroatisch: ilirski pokret, slowenisch: ilirsko gibanje), war eine Nationalbewegung, deren Ideologie als Illyrismus (serbokroatisch: ilirizam, slowenisch: ilirizem) bezeichnet wird. In Kroatien wird auch die Bezeichnung Hrvatski narodni preporod (Kroatische Nationale Wiedergeburt) verwendet. Sie wurde in den 1830er Jahren von einer Gruppe junger kroatischer Intellektueller initiiert, die die kulturelle, ethnische und politische Einheit aller „Südslawen“ propagierte.


Zitat:
Zunächst wurde eine gemeinsame „illyrische“ Literatursprache aller Völker, die zwischen Kärnten im Norden, Albanien im Süden und Bulgarien im Osten lebten, angestrebt. Sprachwissenschaftliche Studien als Grundlage dessen führten damals für die Serben der Sprachreformer Vuk Stefanović Karadžić in Wien und für die Kroaten Ljudevit Gaj durch. Ljudevit Gaj (1809-1872) war der Hauptvertreter des Illyrismus. Er gab mit Erlaubnis des Wiener Hofes ab 1835 die Novine Horvatzke („Kroatische Zeitung“) heraus, die zum Sprachrohr seiner Ideen wurde. Er fügte ihr eine literarische Beilage namens Danica ilirska („Illyrischer Morgenstern“) hinzu. Zunächst wurde die Zeitung im kajkavischen Dialekt publiziert, doch schon ein Jahr nach der Gründung 1836 erfolgte die Umstellung auf die weiter verbreitete štokavische Sprachform, zugleich mit der Umbenennung in Ilirske Narodne Novine („Illyrische Nationalzeitung“).



Angesichts des Druckdatums vom 1848 ist dieses "Illyrisch" wohl doch eher ein serbo-kroatischer Dialekt.

Und eine armenische Version:

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