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Normale Version: Gerd Grimm: Im tiefen Süden
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[Bild: 181.jpg]

Im tiefen Süden



Im Süden tief. Als lebten sie am großen Fluss
Urzeiten schon, die Tagelöhner in Baracken.
Ihr Lebenslos: auf den Plantagen sich zu placken.
Ein Hemd nur, Schuhe nie, doch Not im Überfluss

und stets bedroht: Im Frühjahr Wasser, Sturm und Blitz.
Oft kam die Flut und ließ die Hütte mächtig schwanken,
Im Sommer Myriaden Mücken. Auf den Planken
nur dieser Schaukelstuhl als kostbarster Besitz.

Dort saß die Mutter oft, wenn sich der Wind erhob,
durchs Uferschilf wie eine sanfte Flöte strich,
da fiel die Angst von ihr, schien ihr die Welt nicht quälend.

Zuweilen sprach sie vor sich hin ein Gotteslob,
und manchmal träumte ihr, dass ihre Hütte sich
erhob und schwamm - als Arche über allem Elend.
Hallo Dirk,

Dein Sonett hat mich tief berührt...

LG
Detlef
Hallo Detlef,

schönen Dank für Deine Antwort. Wenn Gerd Grimm nicht das Bild gemalt hätte, wär dieses Sonett nicht entstanden. Ich hatte mich in das Bild geradezu hineingearbeitet, weil ich davon fasziniert war. Das sprachliche Umsetzungsergebnis mag ordentlich sein, 100% ig zufrieden bin ich aber damit noch nicht. Das ist vielleicht auch dem Sonettieren als solchem geschuldet, das wohl immer eine Annäherung bleibt. So z.B. sehe ich im Augenblick keinen anderen Weg, als - um die gute Schillerscher Defintion aufzugreifen - Sonette schreiben nicht anders möglich sein kann als aus einer sentimentalischen Haltung heraus. Ein "naives" Sonett in Schillers Sinne wäre wohl das Ideal, aber das gibt es so gut wie nicht, am ehesten vielleicht noch in Hofmannsthals "Die Beiden". Der große Rest scheint mir in einem unendlichen Annäherungsprozess auf das ideale Sonett hin steckengeblieben zu sein...

LG

Dirk
Hallo Dirk,

ja das Bild ist faszinierend. Wenn ich über meine "Klagen" nachdenke... Ich bin einfach zu anspruchsvoll. Diese Frau hat Probleme. Vielleicht ist sie dem wirklichen Leben viel näher als ich es bin. Wo kann man dieses Bild in einer besseren Auflösung herunterladen?

Um ein fachliches analysieren des Sonetts fühle ich mich nich kompetent genug. Da möchte ich mich erst noch ein wenig mehr auf das Lesen und Nachdenken als auf das schreiben konzentrieren. Warum ist von Hofmannsthals "Die Beiden" als besonders gelungenes Sonett zu sehen? Wahrscheinlich habe ich noch nicht die Betrachtungsweise die nötig ist um das so zu erkennen.

LG von einem lernenden
detlef
Hallo Dirk,

du schreibst häufig im Alexandriner, ist dir da mehr an den breiteren Rahmen oder am Klang gelegen oder beidem? Nicht dass mich der stört und oft genug ermöglicht der eben die volle Aussage, aber ich finde ihn für mich schwierig, da drängen sich oft Füllsel ein. DEin Gedicht hier ließe sich mit Sicherheit auch in einigen Stellen kürzen. ohne dass der Sinn (mMn selbstverständlich) leiden würde. Lebenslos und Los sind da für mich ein gutes Beispiel.

Im übrigen finde ich die Bilder phantastisch. So sollte man malen können.

Gruß

Sneaky
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