Catherine Chandler
A Widow's Weeds
In Julia's garden, nothing's overgrown;
each plant and flower keeps its proper place;
no goldenrod, no florid overblown
rugosas spoil the cultivated grace.
In Julia's garden, hummingbirds and bees
find ample sustenance all summer long;
her suet feeders swing from maple trees
whose visitors repay her gift in song.
It wasn't always so. I can remember
when dandelions ruled. My mirthful neighbor
could not care less, from April through September,
about the sun, the rain, the fruits of labor.
In Julia's garden, everything is plum;
her hedge against whatever else may come.
Zitat:After He Left Her - new title & revision #1
In Julia’s garden, nothing’s overgrown;
the phlox and freesias keep their proper place;
no goldenrod, no florid overblown
rugosas spoil the cultivated grace.
In Julia’s garden, hummingbirds and bees
find ample sustenance all summer long;
her suet feeders swing from maple trees
whose visitors repay her gift in song.
It wasn’t always so. I can remember
when dandelions ruled. My mirthful neighbor
could not have cared less, April through September,
about the weather or the fruits of labor.
In Julia’s garden, everything is plum,
her hedge against whatever else may come.
Grüne Witwe
In Julias Garten wuchert gar nicht wild:
Der Phlox, die Freesien steh’n wohlbehütet;
Kein Rainfarn wächst hier, keine welke Blüte
Verdirbt hier je das kultivierte Bild.
Im Garten Kolibris und Bienen leben,
die Nahrung für den Sommer lang gefunden.
Talg wir im Winter ins Gebüsch gebunden,
was Gäste gern mit Liedern wiedergeben.
So war’s nicht immer: Löwenzahn regierte.
Den Nachbarn nichts so wenig interessierte,
egal ob es nun Lenz, ob Erntezeit,
wie’s Wetter oder auch sein Fruchtertrag.
In Julias Garten alles gut gedeiht,
als Schirm vor allem, was da kommen mag.
Hallo zaunkönig,
wenns nicht auf den falschen Weg führen würde, hätte ich Jungfer im Grünen als Titel vorgeschlagen. Aber die Jungfer passt nicht.
Das zweite Quartett find ich unschön gelöst. Das sind mir zuviele Inversionen, wundert mich, dass du diesen Weg gewählt hast.
Im Garten leben Kolibris und Bienen
von denen jeder Sommers Futter fand,
für Fett, das sie an Ahornbäume band,
will jeder Gast mit einem Ständchjen dienen.
Einfach mal so schnell ins Blaue reingereimt.
Die Inversionen in den TErzinen gefallen mir auch nicht. Ich mag die als Stilmittel jedesmal weniger, je öfter ich eine selber benutze oder lese.
Tja, früher hat hier Löwenzahn regiert
...
wobei das "es war nicht immer so" nicht einfach mit einem "tja" abgetan werden sollte. Ich denke einfach, da kannst du auch anders hinkommen, wenn du nochmal drüber gehst.
Gruß
Sneaky
Hallo Sneaky,
Die Jungfer passt wirklich nicht. Schon meine grüne Witwe ist ziemlich heikel, aber da der folgende Text recht deutlich ist, denke ich, kann man sich das Wortspiel erlauben.
Ja es ist Geschmackssache, aber eigentlich sind es keine Inversionen (Umstellungen), im zwiten Quartett, sondern Auslassungen, da ich nur das Hilfsverb "haben" unterschlagen habe.
"von denen jeder Sommers Futter fand"
empfinde ich aber auch etwas ungelenk.
Bienen / dienen ist jedoch der schönere Reim.
mal schauen, was ich daraus mache.
Jedenfalls scheinst du es inhaltlich genauso zu lesen wie ich.
LG ZaunköniG
Hallo zaunkönig,
klar, das ist das andere Dilemma, wenn ich alles nach dem (normalen) Sprachgebrauch abhandle, komm ich zu Relativsätzen, die erklärerisch sind. Das spreizt sich dann genauso.
Ich hab meine Schwierigkeiten mit dem NAchbarn, wer genau ist denn das? Der tote Ehemann / Geliebte? Wenn ich davon ausgehe, dass jetzt alles schön gepflegt ist wo vorher das Unkraut war, dann war das Lyrich vorher mit was anderem beschäftigt. Meint das neighbor den MEnsch an der Seite des Lyrich?
Da ist zum Schluss noch ein Wortspiel hedge drin. Kann sowohl Hecke sein als auch Rückversicherung. Schade dass das nicht so in einem Wort geht. Schirm find ich da trotzdem besser als die "reine Hecke".
Gruß
Sneaky
Hallo Sneaky,
Ich denke, daß der Nachbar des Lyrich Julias Mann war.
Zitat:Da ist zum Schluss noch ein Wortspiel hedge drin. Kann sowohl Hecke sein als auch Rückversicherung. Schade dass das nicht so in einem Wort geht. Schirm find ich da trotzdem besser als die "reine Hecke".
Eine Hecke bietet Schutz vor Wind oder auch zu viel Sonne. So ist wohl auch die übertragene Bedeutung von "Versicherung" entstanden. Im Deutschen klingt es noch im "Hag" an oder in "Gehege" oder "behaglich". Das dürfte auch der selbe Wortstamm wie "Hecke" sein.
Ich fürchte auch, daß ich da nicht näher herankomme, als mit dem Schirm.
Grüne Witwe
In Julias Garten wuchert gar nicht wild:
Der Phlox, die Freesien steh’n wohlbehütet;
Kein Rainfarn wächst hier, keine welke Blüte
Verdirbt hier je das kultivierte Bild.
Im Garten Kolibris und Bienen leben,
die reichlich Nahrung für den Sommer finden.
Im Ahorn hängen ihre Fettgebinde,
für die die Gäste Lieder wiedergeben.
So war’s nicht immer: Löwenzahn regierte.
Egal ob es nun Lenz, ob Erntezeit:
Den Nachbarn nichts so wenig interessierte,
wie’s Wetter oder auch sein Fruchtertrag.
In Julias Garten alles gut gedeiht,
als Schirm vor allem, was da kommen mag.
Hallo zaunkönig,
logo, das Lyrich schaut über den Zaun zu Julias Garten hinüber. Da bin ich schwer auf dem Schlauch gestanden. neighbour sagt im Englischen ja nichts über den Genus aus und ich hab automatisch ein "der Nachbar" drausgemacht.
Sollte man dann aber nicht das mirthful neigbor mit "fröhliche Nachbarin" übersetzen? bzw in deiner neuen Übertragung "die Nachbarn" nehmen?.
Das "mirthful" würde ich auf die Frau beziehen, könnte man auch als lebenslustig oder temperamentvoll oder so in der Art machen. Ich finde das sollte rein, vorher Lebenslust und Unkraut.
Was meinst du?
Gruß
Sneaky
Hallo sneaky
Zitat:neighbour sagt im Englischen ja nichts über den Genus aus
Das stimmt natürlich, schließt aber auch nicht aus, daß ihr verstorbener Mann gemeint sein könnte.
Daß Julia sich nach so einem Trauerfall ins Private zurückzieht ist nicht ungewöhnlich, gleichgültig welchen Stellenwert der Garten vorher hatte. Es ist für die Geschichte auch nicht wirklich wichtig, wer früher für den Garten verantwortlich war.
Aber im Deutschen muß man sich halt auf ein Geschlecht festlegen.
Bei lebenden Autoren haben wir allerdings den Vorteil, daß man noch nachfragen kann. Mal sehen, was wir noch herausfinden.
LG ZaunköniG
Mit dem Garten vermählt
Julias Garten ist exakt getrimmt,
ob Astern, Apfelrosen alles treibt
genau nach Plan, nichts Welkes bleibt
damit der elegante Schnitt stets stimmt.
Die Kolibris und Bienen finden dort
im Sommer reiche Kost; der Ahorn hängt
mit Meisenknödeln voll und das verfängt:
die Vögel tirilieren fort und fort.
Wenn ich zurückdenk, seh ich weit und breit
nur Pusteblumen; dass sie fröhlich war,
als Regen, Sonne, Ernte ihr noch nicht
den Ablaufplan diktierten Jahr für Jahr.
Auch wenn ihr Garten jetzt von Schönheit spricht,
dient er ihr still als Schutz vor dunkler Zeit.
Hallo Sneaky,
Vom Wortlaut bist du wiedermal recht frei, aber den Geist des Gedichtes hast du gut eingefangen..
Ganz am Anfang irritiert mich das "trimmt"
Ich kenne, daß man Rasen oder auch eine Hecke trimmt, indem man sie in Form schneidet, was mich zunächst an französische Barockgärten denken läßt. Ich kenne auch die Kleingärtner mit ihren Formgehölzen, aber dort sind nicht die Gärten, wo Vögel und Bienen leben. Dieses "trimmt" finde ich, zumindest an dieser prominenten Stelle, nicht so passend.
LG ZaunköniG
Hallo Zaunkönig,
ich hab in dem Thread mal alle Posts gelesen, hier ist die Antwort der Autorin, auf die Frage, ob die Nachbarin aufgeblüht sei wie ihr Garten, nachdem ihr Mann gestorben ist:
Yes, you got it right. Actually, there are several ways of reading the poem. One, as you mentioned, is that Julia has blossomed after her husband died. The other is quite the opposite. She was a happy, carefree person while he was alive. Her "garden" was her LIFE, not her lawn. After he died, her world was turned upside down, reduced, diminished. So she now turns to gardening, but not just ANY gardening. It is an overly cultivated garden where not a weed is allowed, and heaven forbid, an overblown rose. This is chaos management, and Julia's doing a fine job of it. Why? The answer lies in line 14. A third reading is a reference to Voltaire's Candide, "Il faut cultiver notre jardin" and what is needed to be able to accept the vagaries of life.
CCO:
Ja, du hast recht. Aber tatsächlich sind da mehrere Lesarten in dem Gedicht. Eine ist die, dass sie aufgeblüht ist, nachdem ihr Mann tot war. Die andere zielt genau in die entgegengesetzte Richtung. Sie war glücklich und sorgenfrei, als er noch lebte. Ihr Leben war ihr "Garten" nicht der Rasen. Nachdem er tot war, wurde ihre Welt auf den Kopf gestellt, reduziert, verkleinert.
Also gärtnert sie jetzt, aber auf besondere Art. Ein übertrieben kultivierter Garten, in dem nicht ein Unkrauthalm, und um Himmels willen nicht eine abgeblühte Rose stehen darf. Das ist die Misere organisieren, und Julia macht das gut. Warum? Die Antwort gibt Zeile 14.
Die dritte Lesart bezieht sich auf Voltaires Candide "Il faut cultiver notre jardin" und was man braucht, um die Wechselspiele/Ungewissheiten des Lebens akzeptieren zu können.
Gruß
Sneaky