Sonett-Forum

Normale Version: E. A. Robinson: Vain Gratuities
Du siehst gerade eine vereinfachte Darstellung unserer Inhalte. Normale Ansicht mit richtiger Formatierung.
Edwin Arlington Robinson

Vain Gratuities


Never was there a man much uglier
In eyes of other woman, or more grim:
“The Lord has filled her chalice to the brim,
So let us pray she’s a philosopher,

”They said; and there was more they said of her –
Deeming it, after twenty years with him,
No wonder that she kept her figure slim
And always made you think of lavender.

But she, demure as ever, and as fair,
Almost, as they remembered her before
She found him, would have laughed had she been there;

And all they said would have been heard no more
Than foam that washes on an island shore
Where there are none to listen or to care.




Vergebliche Liebesmüh

Kein Mann war je so häßlich, keiner stimmt
die andren Frau’n so mißmutig. „So soll
sie ihren Becher nehmen, bittervoll.
Nun, beten wir, daß sie es philosophisch nimmt.“

So sagten sie, und meinten es sei längt
kein Wunder, ihm zur Seite zwanzig Jahr,
daß sie so mager und zerbrechlich war,
so daß du immer an Lavendel denkst.

Sie war so zögerlich wie immer, zart;
Sie hätte, denkt man an die Zeit davor,
hierher, zu ihm, zu kommen wohl gelacht;

Und jede hätt’ sich ihren Spruch verwahrt.
Wie Gischt und Schaum spült er am Strand empor,
dem niemand sein Gehör leiht oder Acht.
Hallo zaunkönig,

ein interessantes Stück, Anklänge an die Schöne und das Biest.

Im ersten Quartett les ichs so, dass keiner in den Augen der Frauen so hässlich und so grimmig, finster, unfreundlich war" du gehst da einen Schritt weiter und sagst (unausgesprochen) er hat die Frauen dadurch missmutig gestimmt. Ich weiß nicht, ob ich da nun überinterpretiere, aber mir scheints, dass dadurch nicht Mißmut sondern Schadenfreude/Bedauern bei den Frauen aufkam. Sie sagen ja dann: der Frau hat der Herr ein Päckchen aufgeladen".

"mager" im zweiten Quartett ist mehr als das slim. wenn mans mit zerbrechlich noch verstärkt wie du es tust wirds viel. ich würde zierlich nehmen. Zerbrechlich ist die Frau ja nicht. "dass sie stets schlank blieb, immer zierlich war so in der Ecke, wobei du da Platz zum Variieren hast, je nachdem ob das "zerbrechlich" bleiben soll oder nciht.

Im nachfolgenden setz ich mal - - um das zu kennzeichnen, was ich als Einschub sehe:

But she -,
demure as ever, and as fair,
Almost, as they remembered her before -
She found him, would have laughed had she been there;
Der Satz ist also ohne Einschub für mich , but she, she found him, would have....

Aber sie, still und so schön wie immer
beinahe so, wie sie sich an sie von früher erinnerten
fand ihn, würde gelacht haben, wenn sie dabeigewesen wäre (bei den Lästermäulern aus S1 lese ich da das "there").

und alles was sie (ebenfalls die Klatschmäuler aus S1) gesagt haben, wäre nicht mehr (nicht lauter, eindringlicher) gehört worden
als der Schaum der an eine Inselküste spült,
wo es keine (Leute) gibt, die zuhören oder sich darum bekümmern.

Gruß

Sneaky

P.S.
heißts im Original tatsächlich other woman? das müsste doch ein "e" sein, women).
Hallo Sneaky,

Zitat:Ich weiß nicht, ob ich da nun überinterpretiere, aber mir scheints, dass dadurch nicht Mißmut sondern Schadenfreude/Bedauern bei den Frauen aufkam. Sie sagen ja dann: der Frau hat der Herr ein Päckchen aufgeladen".

Mißmut sehe ich schon in dem Spannungsfeld zwischen Schadenfreude und Bedauern. Da sehe ich in deiner Deutung keine wesentliche Änderung. Ich wollte mit dem Mißmut nur zum Ausdruck bringen, daß dieses Paar in den Augen der Leute nicht zusammenpasst, ja, wie bei der Schönen und dem Biest.
Ein Päckchen? Den "chalice", habe ich auch als bitteren Kelch gesehen, das geht in die gleiche Richtung.

In den Quartetten kaqnn ich dir eher folgen, da bin ich tatsächlich etwas abgedriftet:

Vergebliche Liebesmüh

Kein Mann war je so häßlich, keiner stimmt
die andren Frau’n so mißmutig. „So soll
sie ihren Becher nehmen, bittervoll.
Nun, beten wir, daß sie es philosophisch nimmt.“

So sagten sie, und meinten es sei längt
kein Wunder, ihm zur Seite zwanzig Jahr,
daß sie so zierlich und zerbrechlich war,
so daß du immer an Lavendel denkst.

Doch sie, wie stets unnahbar, schön und zart,
sah ihn genau, wie sie ihn früher fand
und hätte über solchen Klatsch gelacht.

All dies Gerede ist von solcher Art,
wie Gischt, die spült am Felsenstrand empor,
der
niemand sein Gehör leiht oder Acht.


Was hältst du eigentlich von dem Titel?
Bezieht er sich auf gut gemeinte aber ungebetene Ratschläge der anderen Frauen, oder darauf daß sie sich in den Augen der anderen an einen verschenkt, der sie nicht wert ist?


LG ZaunköniG
Hallo zaunkönig,

die Überarbeitung ist gut geworden. Und den Titel seh ich mehr auf die gutgemeinten - aber nutzlosen - Mitleidsbekundungen bezogen. Da gefällt mir dein Titel übrigens sehr gut. Den kann man ja auch so und so lesen.

Gruß

Sneaky
Referenz-URLs