Sonett-Forum

Normale Version: Edvard Munch: Das Biest
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Edvard Munch
1863 - 1944


Das Biest
gesehen im Sprengel-Museum Hannover

Sie braucht nur abzuwarten, sitzt nur da
und schaut dich an. Du machst dir deinen Reim
auf ihren Blick und ihr Medusenhaar.
Sie hält dir nichts verborgen, nichts geheim,
und bleibt doch unbegreiflich, ja sogar
die Nacktheit zwingt ihr keine Blöße ab.

Dort sitzt sie. Niemand käme ihr nun nah,
stieß in dies Fluidum, das sie umgab.
Schon stürzt es tief in dich hinein und treibt
mit Mondesschwere in dir um und um.

Was glaubst du, was aus der Begegnung wird?
Kein Aufschrei, der dich retten könnte: stumm
saugt dir ihr Blick das Leben aus dem Leib,
das ihr auch ohne dich entgegenschwirrt.


[Bild: 780563060_7ccee13579_z.jpg?zz=1]
Die Strophenaufteilung ist - wenn man ein Sonett erwartet - etwas verwirrend.
Interessant finde ich die Verschachtelung des klassischen Reimschemas:

a-b-c-b
c-d-a-d
e-f-g
f-e-g

- wobei treibt auf Leib leider kein genauer Reim ist.

Jedenfalls ein Gedicht, das zum mehrmaligen Lesen auffordert.
Hallo Sonettista,

Bei den Reimen bin ich nicht gar so streng. Ich sehe sogar "da / Haar" als Reim, wobei das vielleicht regional unterschiedlich gelesen wird, je nachdem ob und wie stark das R gerollt wird.
Die Strophenaufteilung ist in der Tat ungewöhnlich. ich bin hier der inhaltlichen Gliederung gefolgt, während die Reimgliederung immer noch klassisch 4-4-3-3 ist.
Meine Hoffnung war, dass es mehr belebend als verwirrend wirkt, aber anscheinend hast du es ja nicht ganz verworfen.

LG ZaunköniG
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