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Normale Version: Anna Hempstead Branch: Sonnets for New York City 3
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Anna Hempstead Branch


Sonnets for New York City


3

Shame on thee, O Manhattan, whom I love!
And shame on me that I have slept away
So many years while thy feet went astray!
O Thou--that should'st be white as any dove,
Thou Scarlet Woman! Is there no voice to move--
No hand to smite us? Even for this I pray--
Some terrible scourging that we have let the day
Darken around us while we saw thee rove.
Last night I heard thee cry. Thy wandering feet
Went bleeding by me. On thy ruined breast
I saw thee nurse a feeding child of flame!
Desolate, gorgeous, frantic along the street!
Ah, how I blushed in the dark that through my rest
I felt the burning garments of thy shame.



3

Oh schäme dich, Manhattan, meine Liebe!
Ich schäme mich, daß ich so träge war,
als du voranschrittst, schon so manches Jahr.
Ach wärst du doch so taubenrein geblieben,

du Scharlach-Weib! Will keine Hand uns greifen?
uns keine Stimme rühr'n? Ich fleh' darum!
So manche Plage macht uns blind und stumm,
daß wir dich ungerührt sehn weiter streifen.

Du hast geweint heut Nacht; dein schwerer Gang...
Du blutest. - Und am magren Busen hast
du selbst gesäugt das Kind von wüstem Brand,
so stark und prächtig kamst du hier entlang
und ich erröte, weil durch meine Rast
ich spüren muss dein lohes Kleid der Schande.
Die Zeile 12 gefällt mir noch nicht

Zitat:Desolate, gorgeous, frantic along the street!

Alle 3 adjektive scheinen mir sehr ambivavent zu sein, während stark und prächtig nur einen Aspekt sehr ungenau beschreiben.

Vielleicht wäre eine andere Begriffspaarung günstiger:

Zitat:ekstatisch, glitzernd kamst du müd entlang

wobei, das "müd" das "glitzernd" als Maske entlarvt.

Nach meiner Auffassung jeht es jedenfalls um eine überdrehte, nicht befriedigende Suche nach Glück.

Gruß
ZaunköniG
Hallo Zaunkönig,

zunächst, das Pathos des Originals ist eher nicht mein Fall, für derartige Texte hab ich kaum ein Ohr. Aber du bist hier und dort ebbes weg von meiner Lesart, deshalb die eine oder andere Anmerkung

"als du voranschrittst, schon so manches Jahr"


Das stimmt mE so nicht. Es müsste heißen "als du so manches Jahr in die Irre / auf Abwege gingst"

"Scharlach-Weib"

Bezieht sich auf Hawthornes " A Scarlett Letter". Eine Ehebrecherin, die in der Geschichte als Zeichen ihrer Schande einen scharlachroten Buchstaben tragen musste. Klingt kurios in der direkten Übertragung.

Is there no voice to move--
No hand to smite us? Even for this I pray--
Some terrible scourging that we have let the day
Darken around us while we saw thee rove.

Ist da keine Stimme, die uns rührt?
Keine Hand die uns niederschmettert? Sogar darum bete ich
eine schreckliche Heimsuchung, dass wir den Tag
um uns herum haben sich verdunkeln lassen während du dich herumtriebst

"verzweifelt, großartig, wie von Sinnen" würde ich die drei Adjektive übertragen.

Meiner MEinung nach wird hier der Niedergang eines Stadtteils beschrieben. Weniger die Suche nach Glück, als der Taumel in den Abgrund?

So jedenfalls seh ichs.

Gruß

Sneaky
Hallo Sneaky,

Vielen Dank, für deinen ausführlichen Kommentar.

Ja, da ist noch einiges zu feilen und zurechtzurücken.

Beim Scharlach-Weib denke ich allerdings an die Hure Babylon. So steht es in meinem Dix und Der Vergleich mit der Modernen Großstadt ist so abwegig nicht.
Hast du einen direkten Verweis auf Hawthornes gefunden? Oder war das eine spontane Eingebung, weil du dich mit ihm befasst hast?

Zitat:Meiner MEinung nach wird hier der Niedergang eines Stadtteils beschrieben. Weniger die Suche nach Glück, als der Taumel in den Abgrund?

Ich sehe da vor allem einen moralischen Niedergang, während die Stadt wirtschaftlich noch immer floriert.

Wie gesagt, da ist noch manches zu tun, ... aber nicht mehr heute


Ich melde mich später mit einer überarbeiteten Fassung.


LG ZaunköniG
Dann nun nochmal eine weitere Näherung:

In Z 12 fehlt mir leider der Platz um alle Adjektive unterzubringen. und auch sonst ist das Original ziemlich dicht.



3

Oh schäme dich, Manhattan, meine Liebe!
Ich schäme mich, daß ich so träge war,
als du längst fehlgingst, schon so manches Jahr.
Ach wärst du doch so taubenrein geblieben,

du Scharlach-Weib! Rührt uns kein Wort? Kein Schlag?
straft keine Hand?
Ich fleh sogar darum!
Wir sehen dich: Du treibst dich nur herum;
und teilnahmslos verdunkelt sich der Tag.


Du hast geweint heut Nacht; dein schwerer Gang...
Du blutest. - Und am magren Busen hast
du selbst gesäugt das Kind von wüstem Brand,
Im fieberigen Wahn kamst du entlang
und ich erröte, weil durch meine Rast
ich spüren muss dein lohes Kleid der Schande.
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