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Normale Version: Das Mädchen mit der Okarina (Ein Rungholt-Lied)
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Das Mädchen mit der Okarina
(Ein Rungholt-Lied über die Flöte von der Hallig Südfall)

Nach langer Fahrt kam sie ins Friesenland
als Fremde, als die Waise aus Messina.
Was blieb, war Vaters irdne Okarina
und Trost, den sie in seinen Liedern fand.

Und wieder weht ein Klagelied
vom Dünenkamm weit in die Abendstille,
erzählt von Gott, Natur und Menschenwille
vom Kampf, den stets die See für sich entschied.

Die Nordsee atmet schwer in Dämmerglut.
Ringsum die Marsch zerfurcht von Torfstichwunden
verblutet stumm im Rauch aus Feuermunden.
Noch schwankt ein Salzschiff westwärts mit der Flut.

Von Rungholts Kirchwarft ruft die Glocke her:
Erinner’ dich! Der Rauch, das Feuer, Schwefel,
der Lavastrom, es war der Menschenfrevel!
Am Ende schuf ein Gleichgewicht das Meer.

Sie weiß, bald geht sie mit den Wassern fort.
Die Flöte aber, gut beschützt von Schlick und Soden,
wird Lebensretter – Rungholt Wattenboden.
Sie weint, das Salz der Tränen weiht den Ort.


© Friedrich

Hintergrund: Die Rungholt-Okarina von der Hallig Südfall (Im Nordsee-Museum von Husum)
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