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Normale Version: Robert Desnos: Das Epitaph
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http://www.florilege.free.fr/florilege/d...pitaph.htm

Als ich gestorben war, vergingen tausend Jahre.
Von damals kam ich her. Gejagt, doch nicht gefallen.
Ich war in Freiheit, als das Menschliche und Wahre
Im Kerker lag, das Volk ein Haufen von Vasallen.

Von damals kam ich her, in Freiheit blieb mein Leben.
Den Fluss, die weite Welt, den blauen Himmel oben
Sah ich im Gleichgewicht um meine Augen schweben
Und konnte jedes Jahr Honig und Vögel loben.

Ihr Lebenden, wie habt Ihr diesen Schatz verwaltet?
Wollt Ihr dorthin zurück, wo ich mich früher wehrte?
Habt Ihr vereint geschafft, dass Ihr das Feld erhaltet?
Habt Ihr der Stadt gedient, die damals mich ernährte?

Seid froh! Ihr nämlich lebt, ich aber bin begraben.
Mein Körper, wie mein Geist, wird sich verflüchtigt haben.
Hallo Peter,

Wessen Epitaph mag das sein? Ein französischer Nationalheld?

Deine Übertragung läuft im Wesentlichen rund, nur der Honig in Zeile 8 bricht aus dem Metrum aus, und es ist keine Stelle, wo ich Absicht unterstellen mag.


Hier, der Übersicht halber, noch das Original:

Robert Desnos
1900 - 1945

L’Épitaphe


J’ai vécu dans ces temps et depuis mille années
Je suis mort. Je vivais, non déchu mais traqué.
Toute noblesse humaine étant emprisonnée
J’étais libre parmi les esclaves masqués.

J’ai vécu dans ces temps et pourtant j’étais libre.
Je regardais le fleuve et la terre et le ciel.
Tourner autour de moi, garder leur équilibre
Et les saisons fournir leurs oiseaux et leur miel.

Vous qui vivez qu’avez-vous fait de ces fortunes ?
Regrettez-vous les temps où je me débattais ?
Avez-vous cultivé pour des moissons communes ?
Avez-vous enrichi la ville où j’habitais ?

Vivants, ne craignez rien de moi, car je suis mort.
Rien ne survit de mon esprit ni de mon corps.



Viele Grüße

ZaunköniG
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