Sonett-Forum

Normale Version: John Keats: From "Sleep and Poetry"
Du siehst gerade eine vereinfachte Darstellung unserer Inhalte. Normale Ansicht mit richtiger Formatierung.
John Keats

From „Sleep and Poetry“

Stop and consider! life is but a day;
A fragile dew-drop on its perilous way
From a tree’s summit; a poor Indian’s sleep
While his boat hastens to the monstrous steep
Of Montmorenci. Why so sad a moan?
Life is the rose’s hope while yet unblown;
The reading of an ever changing-tale;
The light uplifting of a maiden’s veil;
A pigeon tumbling in clear summer air;
A laughing school-boy, without grief or care,
Riding the springy branches of an elm.

Poems, 1817

John Keats

aus „Schlaf und Poesie“ (85-95)

Bedenk! Das Leben ist ein kurzer Steg,
Ein Tropfen Tau auf seinem steilen Weg
Vom hohen Baum; ist ein Indianer-Traum,
Von einem, schlafend, in seinem Einbaum
Vorm Wasserfall. Warum der Trauerklang?
Der Rosenknosp’ erscheint das Leben lang.
Nie endenwollende Geschichten-Feier,
Das leichte Heben zarter Mädchenschleier,
Die Taube trudelt hin im Sommerwind
Und ohne Angst ein lachendes Schulkind,
Das auf biegsamem Ulmenzweige schwingt.
Hallo Josef,

Ich sehe, dass du schon fleißig am Nacht-Thema arbeitest Smile
Ich werde in den nächsten Tagen zumindest mal eine Übersicht erstellen, was ich bisher zum Thema habe, aber erstmal zu deiner Nachdichtung.

Metrisch, wie inhaltlich bist du sehr frei mit dem Material umgegangen. An manchen Stellen funktioniert das ganz gut, an anderen weniger.



Zitat:Bedenk! Das Leben ist ein kurzer Steg,
Ein Tropfen Tau auf seinem steilen Weg

Hier funktioniert es ganz gut, dennoch stellt sich die Frage ob man nicht näher herankommt, z.B. wenn man Tag / mag reimt (mag als Konjunktiv) Eher ein billiger Reim aber wirklich neu ist Steg/Weg ja auch nicht.



Zitat:Vom hohen Baum; ist ein Indianer-Traum,
Von einem, schlafend, in seinem Einbaum

Der Einbaum ist zwar ein schönes Bild, als solches sogar präziser als das Original, aber als Reim auf Traum ist er auf der falschen Silbe betont. Zudem taucht der Baum ja schon in der Traumzeile auf.


Zitat:Vorm Wasserfall. Warum der Trauerklang?
Der Rosenknosp’ erscheint das Leben lang.
Nie endenwollende Geschichten-Feier,
Das leichte Heben zarter Mädchenschleier,

"Das leichte Heben zarter Mädchenschleier" ist gut getroffen, aber die Geschichtenfeier scheint mir ein gesuchter Reim zu sein. Es ist doch eher eine ewig wechselvolle Geschichte. Ja irgendwie auch feierlich, aber so wie Du es formulierst klingt es mir zu fröhlich in dem Kontext.

Zitat:Die Taube trudelt hin im Sommerwind
Und ohne Angst ein lachendes Schulkind,
Das auf biegsamem Ulmenzweige schwingt.

Auch hier wieder die verschobene Betonung bei Sommerwind / Schulkind.
Sommerwind ist eigentlich ein Daktylus, daher beide Endsilben unbetont, aber ein sauberer Reim beginnt ja eigentlich beim Vokal der ersten betonten Silbe.

Du hattest an anderer Stelle erwähnt, dass die Briten gerne auf Augenreime zurückgreifen. Hattest du hier versucht das aufzugreifen?


Gruß
ZaunköniG
Referenz-URLs