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Normale Version: Max Slevogt: Frauenraub
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Max Slevogt
1868 - 1932


[attachment=443]


Frauenraub

Komm, schleichen wir uns in den Palmengarten.
Dort tun wir so, als ob wir Wilde wären.
Nur Du und ich, Natur und ein Begehren,
ganz ursprünglich und unverfälscht von Arten
nur allzu umständlicher Etikette -
Die Lockung und die Jagd: Ich will sie spüren,
wie Wilde oder Tiere sich verführen.
Ich hab dir etwas mitgebracht: Ich wette,
die Federn machen sich in Deinem Haar
perfekt. Ich setz mir einen Turban auf -
sonst trage ich nur einen Lendenschurz.

Komm mit, das wird bestimmt ganz wunderbar.
Dann spieln wir etwas Fangen, doch nur kurz,
und glaub: Die Dinge nehmen ihren Lauf.



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Tarja Sohmer hat auf dieses Sonett reagiert,


Zitat:Du willst es doch auch
Wenn ich antworte:
„Ich will nicht mit dir kommen“,
glaubst du mir?
Lässt du von mir ab?
Wenn ich antworte:
„Ich bin die Jägerin und
du die Beute.“
Gibst du mir dann deinen Köcher?
Wenn ich dir sage:
„Behalte deine Federn und mache dich
für mich schön!“
Strengst du dich dann an,
um mir zu gefallen?
Spielst du dann mein Spiel mit,
das „Männerraub“ heißt?
In dem dein „Nein“
das Spiel immer doller werden lässt?



was natürlich nicht ohne Erwiederung bleiben darf:



Es sträubt sich noch das Wild und hinterfragt,
ob's kämpfe, fliehe oder sich verstecke.
Wer ist der Jäger; Wer bringt wen zur Strecke?
Man wird zu träge, wenn 's zu sehr behagt.

Du fragst mich unverblümt nach Rollentausch. -
Was ist des Mannes Rolle, was der Frau?
Die Federn? Gut- ich geb dir gern den Pfau.
Ich werde dich umtänzeln, wie im Rausch.

Ich habe es gewusst; du bist nicht ohne...
und eine Zier ist es wenn du dich zierst,
doch überrasche mich mal, was du wirst.

Sei Löwin, Lämmchen oder Amazone
und dann vergessen wir kurz die Kulissen,
denn was du sein willst, musst du selber wissen.


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