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Normale Version: Der Drachenkampf
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Der Drachenkampf des Hl. Georg
Nieders. (ca. 1520)


Josef Riga
Business as usual

Ich sehe ein bisschen gelangweilt aus,
So, als machte ich das jeden Tag.
Einen Drachen umreiten.
Tu ich auch.
Um genau zu sein, macht das Pferd eigentlich den Job.
Mein Part dabei ist nur gut auszusehen, grimmig drein zu
Blicken und immer einen frisch plissierten roten
Waffenrock zu tragen.
Prima Idee von der Marketing Abteilung, übrigens. Das mit dem „Georgskreuz“ in Rot/Weiß, genau abgestimmt auf den Rock und diesmal sogar nur als leichtes Flatterband. Ist ja viel leichter als die lästige, schwere Fahnenstange und wirkt genauso gut.
Ist eben entscheidend, dass man schon ’ne Marke ist, dass das Branding funktioniert hat. In England hat es sich ja bereits gut durchgesetzt. Da habe ich dem Kollegen Martin aber den Rang gehörig abgelaufen mit seiner Mantelnummer.
Hat den britischen Pfeffersäcken wohl nicht so gut gefallen, die Vorstellung einen guten Stoff einfach so kaputtzuschneiden, weil einer dieser Hungerleider vor Kälte mit den Zähnen klappert. Bei denen kommt mein SUV, mein Schimmel-Ungestüm-Vehikel einfach besser!
Jetzt nutzen sie das Georgskreuz in der City schon als Staatssymbol und als
Handelsflagge. Rule Britannia!
Das Einzige, was mich stört ist, dass ich niemals eine von den Jungfrauen zu Gesicht bekomme, die ich doch angeblich vor diesen Drachen rette.
Und frische Drachen zum Niederreiten zu bekommen wird auch immer schwieriger. Die kommen ja jetzt praktisch alle aus Zuchtbetrieben in China.
Die haben die Marktlücke sofort erkannt und werden jedes Jahr teurer und unverschämter in ihren Lieferbedingungen. Aber solange der Gaul es noch aushält, mache ich den Job noch.
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