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Normale Version: Immanuel ben Solomon: A messer Bosone da Gubbio
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Immanuel ben Solomon
alias
Immanuel von Rom
ca. 1261 – 1332


A messer Bosone da Gubbio

Io, che trassi le lagrime del fondo
de l'abisso del cor che 'n su le 'nvea,
piango: ché 'l foco del dolor m'ardea,
se non fosser le lagrime in che abbondo.

Ché la lor piova ammorta lo profondo
ardor, che del mio mal fuor ml traea;
per non morir, per tener altra vea,
al percoter sto forte e non affondo.

E ben può pianger cristiano e giudeo,
e ciaschedun sedere 'n tristo scanno:
pianto perpetüal m' è fatto reo.

Per ch' io m'accorgo che quel fu il mal'anno;
sconfortomi ben, ch' i' veggio che Deo
per invidia del ben fece quel danno.




An Meister Bosone da Gubbio


Mich, der die Tränen aus der tiefsten Schicht
des Herzens sog, - sie wurden mir gewährt -
mich hätten Schmerzensfeuer fast verzehrt,
wär dieses Übermaß an Tränen nicht.

Ich war von diesen Bränden sterbenskrank,
bis jene Sintflut meine Qualen dämpfte,
ich der den Tod ersehnt ums Leben kämpfte,
den Streichen standhielt und auch nicht ertrank.

Und Christen, Juden; weinen mögen beide,
wie einsam jeder in der Trauer war.
In meinen Tränen war auch ich gefangen.

Mir wurd bewußt; dies war das böse Jahr;
und blieb vor Gottes Angesicht befangen,
der uns nur nahm, was wir am andern neiden.




dieses Gedicht bezieht sich vermutlich auf den Tod von Dante Alighieri,
zumindest gibt es ein Sonett von Bosone da Gubbio an Immanuel von Rom zum Tod von Dante, in dem er Motive dieses Textes aufgreift. In meiner Quelle ist es nicht ausdrücklich als Antwort auf dieses Sonett ausgewiesen, aber der Verdacht drängt sich doch auf.
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