Sonett-Forum

Normale Version: Charles Baudelaire: A une passante
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Hallo Rainer,

Das ist ein schönes Stück, das Monika Fahrenbach-Wachendorff da abgeliefert hat.
Es ist allerdings Usus im Forum, dass man bei Zitaten die Quelle mit angibt, sonst denkt noch jemand, es wäre deine Übersetzung.

Gruß
ZaunköniG
Zaunkönig, das ist eine gelungene Übersetzung, ich würde nur im ersten Vers metrisch variieren wollen. Auch der Titel ist nicht gut gewählt; "vorüber" sein kann alles Mögliche, das ist hier sehr schwammig ausgedrückt. Hier würde ich dann doch am Original kleben bleiben und "An eine Vorübergehende" vorschlagen.

Zitat:Ein Lärm war um mich, der sich durch die Straße schob,

"Ein Lärm bedrang mich, der sich durch die Straßen schob". So wäre es metrisch und silbentechnisch besser. In deiner Version holpere ich bei "Lärm war", beides betont, genauso wie "mich, der". Das sind zu viele Hebungsprälle. Man könnte sie natürlich als Kunstgriff interpretieren, um die Bedrängung des LIs zu verdeutlichen, aber dann sähe es im restlichen Sonett genauso aus. Und das tut es ja nicht. Also würde ich dann doch lieber die ausgeglichene Variante nehmen.
Matthias
Das hier ist meine Übersetzung. Ausgenommen von den Kunstwörtern bin ich damit recht zufrieden.
Aber danke an die anderen Übertragungen für die Inspiration, das hat mir sehr weitergeholfen.

An eine Vorübergehende


Der grelle Straßenlärm schloss mich in ein Tönegrab.
An mir ging eine Schlanke, Aufgeschossene entlang,
erhabne Trauernde, die mit dem Glanz der Ringehand
den Rocksaum hob und ihm ein Schimmern gab;

behände, edel, mit dem Bein, das Mamor glich.
Ich trank aus ihrem Aug, verkrampft und sonderbar,
ein bleicher Himmel, welcher einen Sturm gebar,
die Sänfte, die verführt, die Lust, das Todeslicht.

Ein Blitz … dann war es Nacht! - Die Flucht der Schönen,
ihr Blick, der mir das Leben plötzlich wieder reicht,
wirst du mir nur im Ewigen erfüllen, was ich sehne?

Woanders und weit weg! zu spät! und nie vielleicht!
Du weißt nicht, wo ich bin, ich weiß nicht, wo du bist,
du, die es wusste, ich, der dich vermisst!
Hallo Matthias,

Rythmisch sehe ich meine erste Zeile nicht problematisch, sehe da auch keine Hebungsprälle. Regional verschiedener Sprachgebrauch?
dennoch gefällt mir "bedrang" besser, weil es den Lärm besser in Szene Setzt als Kontrast zur gravitätischen Schönen, die da vorübergeht. Danke für diesen Vorschlag.
Bei der Überschrift denke ich nicht, dass sie sofort alles verraten muss. Die würde ich gerne so lassen.

mit deiner Übersetzung werde ich mich mal in einer Mussestunde befassen. Im Moment bin ich etwas in Eile.
Keine Sorge, ich werde sie nicht zerreissen Wink

Gruß ZaunköniG
Nun, was an diesem Abend in meinem Kaffee war, weiß ich nicht mehr, aber ich denke, das metrische Problem war wohl eher auf Persönliches zurückzuführen. Wenn du den Vorschlag jedoch magst, dann ist das gut.
Mit deiner Überschrift bin ich einverstanden, aber man könnte durchaus am Text bleiben (auch wenn ich gestehen muss, dass ich das nicht immer tue).
Auf deinen Kommentar zu meiner Übertragung freue ich mich bereits.
Hallo Matthias,

nun zu Deiner Übertragung.

Dem Wortlaut nach hast du dir manche Freiheit erlaubt, die aber an der Grundaussage nichts wesentliches ändern. das kann man so machen. Zur Form sagst du, dass du die reine Form nichts magst, kritisierst mich aber vor allem metrisch? So ganz kann ich deinen Standort noch nicht bestimmen, da braucht es wohl noch mehr Diskusionen an verschiedenen Texten.
Mit den Kunstworten meinst du vermutlich die Komposita, die ich aber nicht so schlimm finde.
Das Tönegrab wirkt etwas gekünstelt, dazu an so prominenter Stelle... auch ist die Eingangszeile metrisch nicht sauber.
Wenn ich die ersten 3 Zeilen vergleiche lautet das beabsichtigte Schema vermutlich

xXxXxX/XxXxXxX

also ein Siebenheber mit Zäsur nach der dritten Hebung.
In Zeile 1 durch Hebungsprall in 2 und 3 durch Komma.

Nun, Lärm alleine wäre eine Starke Silbe. So zusammengesetzt würde ich Strassenlärm aber daktylisch betonen (Xxx) genau wie Tönegrab, also

xXxXxxXxXxXxx

Was zunächst mal elegisch klingt und damit durchaus passend, aber in den Folgezeilen nicht fortgesetzt wird.
Dass du später zwischen 6- und 7-Hebern wechselst stört nicht weiter, die Zeilen laufen dann größtenteils rund.
Schwierig wird es wieder in Zeile 13: Sie besteht nur aus einsilbigen Worten und kann fast beliebig betont werden.

Du weißt nicht, wo ich bin, ich weiß nicht, wo du bist,
Du weißt nicht, wo ich bin, ich weiß nicht, wo du bist,
Du weißt nicht, wo ich bin, ich weiß nicht, wo du bist,
ect...

Die Ringehand gefällt mir ausgesprochen gut, auch wenn sie wie das resultierende Schimmern wohl nicht im Original stehen. Sie beschreibt die Atmosphäre sehr gut.

In Zeile 5 habe ich mühe mit dem "behände". Etymologisch kommt es von Hand. Und auch wenn es gerne im übertragenen Sinne verwendet wird wirkt es seltsam, wenn man damit ausgerechnet Beine beschreibt.

in Zeile 12 wirkt mir "woanders und weit weg" zu schwach. Was hältst du von
"Zu weit entfernt und viel zu spät."?

In der Schlusszeile wird nicht klar was sie denn wusste. (nämlich geliebt werden zu können) stattdessen wirkt die Zeile als Widerspruch zur Vorigen: Weiß sie nun doch wo du bist?

Deine Übertragung hat zweifellos Potential. Es lohnt sich bestimmt, noch etwas daran zu feilen...


Gruß

ZaunköniG
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