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Stahlharter Bolzen - Druckversion

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Stahlharter Bolzen - Dirk Schindelbeck - 08.08.2008 14:03

Stahlharter Bolzen
(Lehrgedicht)


Als rohes Eisenerz, mit Taubgestein gebrochen,
zerkleinert und gesiebt, zum Hafen expediert,
nicht anders auch als Sand per Seefracht importiert,
gelagert, vorsortiert im Mischbett lange Wochen,

zum Sinter-Schwamm verdickt, als Möller dann zum Kochen
mit Koks und Zuschlagkalk dem Ofen eingeführt,
bis sich der Schwefel löst, der Phosphor Gichtgas wird,
und endlich schlackenfrei glutfließend abgestochen,

erkaltet als ein Brei, zu festen Masseln jetzt
erstarrt, ein Vorprodukt, so wieder eingesetzt
dem Kupolofen : neu verflüssigt und verschmolzen

zu schmiedbar hartem Stahl, gezogen kalt , gedreht,
gefräst, gekörnt, legiert, ist dies hier, was ihr seht,
ein unscheinbares Teil, doch ziemlich harter Bolzen.



Anmerkungen

- Taub-Gestein: beim Abbau des Eisenerzes anfallendes Gestein mit keinem oder sehr geringem Eisenerzanteil, das schon im Eisenerzbergwerk ausgeschieden wird.
- Mischbett: Anlage, auf der verschiedene Eisenerze je nach gewünschten Eigenschaften für den Hochofenbetrieb gemischt und vorbereitet werden.
- Sinter: Anlage, in denen die Feinerze und anderen eisenhaltigen Rohstoffe unter Zugabe von Koksgrus und Prozesswasser „gesintert“, also zu schwammartig-porösen Stücken vorbereitet werden, da der Hochofen solches Einsatzmaterial ausreichender Festigkeit verlangt.
- Möller: Bezeichnung des Hüttenmannes für das gesamte im Hochofen eingesetzte zu schmelzende Material.
- Zuschlagkalk: neben Koks und gesintertem Erz der wichtigste Zuschlag im Möller der Hochöfen. Der Kalk verhindert unerwünschte chemische Prozesse bei der Schmelze und sorgt für einen besseren Betrieb des Hochofens sowie eine leichtere Schlackenbildung.
- Gichtgas: Nebenprodukt bei der Stahlerzeugung.
- Masseln: quaderförmige Blöcke, zu denen das flüssige Eisenerz unmittelbar nach dem Hochofenabstich vergossen werden kann.
- Kupolofen: kleinerer Hochofen, speziell eingerichtet, um Vorprodukte wie Roheisenmasseln in einem zweiten Schmelzverfahren zu veredeln und Stähle unterschiedlicher Qualitäten und Eigenschaften zu erzeugen.
- Kalt ziehen: mechanisches Bearbeitungsverfahren zur Formung von Stählen nach dem Verlassen des Hochofens.