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Spielkram: Sonette nach aufgegebenem Endreim - Druckversion

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Spielkram: Sonette nach aufgegebenem Endreim - ZaunköniG - 29.01.2007 11:54

Sonette nach aufgegebenem Endreim

Aus Schreibwerkstätten oder Autorenkreisen kennt ihr vielleicht "Klappentexte" oder andere Sprachspiele,
bei denen auf Vorgaben eines Mitschreibers geantwortet wird.

Unter Sonettdichtern gab es seit der Romantik eine nette linguistische Logelei:
Die Sonette nach aufgegebenem Endreim. Dabei legt ein Teilnehmer die Endreime fest, und der/die anderen
Autoren müssen versuchen die Zeilen möglichst sinnvoll und formgerecht zu füllen.

Ware das auch ein Spielchen für unser Forum?
Ich stelle mal die erste Aufgabe;
Wer sie löst gibt die nächsten Reime vor:


werfen
Leute
erneute
Kerfen

Nerven
Meute
Beute
schärfen

soll
Brast
Holk

toll
fast
Volk


RE: Spielkram: Sonette nach aufgegebenem Endreim - Sneaky - 29.01.2007 11:59

Na denn Leinen los.

Ich werde sicher nicht das Handtuch werfen,
nur weil ein Haufen stockbornierter Leute,
nicht an die erste Fahrt glaubt, die erneute.
Schönwettersegler, Landratten und Kerfen,

sie haben nur für kleine Träume Nerven.
Soll Sie doch kläffen, diese ganze Meute,
das sei nur Quatsch, und ich des Wahnsinns Beute,
ich fahre los, trotz ihrem Krallenschärfen.

Das Schiff wird alles tragen, was es soll,
Papyrus hält, das macht mir keinen Brast,
die Ra ist hochseetauglich, keine Holk.

Das Seglerfieber brennt in mir wie toll
denk ich an „Leinen los“ und mir ist fast
als wär` am Bug ein Kopf vom Drachenvolk.



Und die neuen Reime:

Pforte
schreitet
weitet
Worte

Orte
streitet
reitet
Sorte

Schritt,
beginnt,
tritt.

spinnt
mit
sinnt


RE: Spielkram: Sonette nach aufgegebenem Endreim - ZaunköniG - 29.01.2007 12:08

Alte Heimat

Man sieht ihn jeden Abend an der Pforte;
Er steht dort stumm, nur in Gedanken schreitet
er durch den Rosengarten und es weitet
sich ihm die Zeit. Beredt, doch ohne Worte

durchspürt er jeden Stein, vertraute Orte,
jedoch die Gegenwart ihm widerstreitet.
Ein kleiner Junge auf dem Besen reitet
das sind die Kinderspiele alter Sorte.

Auch heut verweigert er sich einem Schritt,
da Wehmut in ihm aufsteigt. Schon beginnt
die Dämmerung. Was ihm entgegentritt

bleibt unnahbar, wie hinter Glas. "Der spinnt"
ruft ihm ein Kind nach, andre lachen mit,
denn zu hermetisch wirkt er, wenn er sinnt.



Und gleich die neue Aufgabe hinterher:

korupt
Herbst
gerbst
entpuppt

schuppt
erbst
färbst
wuppt

Schwan
wirke
Bahn

Kirke
Ahn
Birke

[Bild: 005ccce212bd8ccf03ee1aa7b9fe4e]


RE: Spielkram: Sonette nach aufgegebenem Endreim - Friedrich - 29.01.2007 12:41

Nimues Klage


Geliebter Merlin, heiße nicht korrupt
mein Trachten, lang schon führt der Herbst
dir deine Hände und mit Leichtsinn gerbst
du Wirken, das als Torheit sich entpuppt.

Du lehrtest mich die Schlangenkraft - sie schuppt
mir mein Korsett, befreit mich. Doch nun erbst
du mich in meiner vollen Kraft. Du färbst
ja selbst dein Schicksal, sieh, wie es dich wuppt!

Entfaltet der herangereifte Schwan
nicht seine Schwingen? Ungestüm, als wirke
die Macht entzügelnd, warf sie aus der Bahn

nur jene, die sie falsch gebrauchten. Kirke
verführte nicht - der Held ist selbst sein Ahn,
auch in Brocéliande bei der Birke.


© Friedrich 2006



hier die Reimwörter fürs nächste Sonett:

flugs
Köder
schnöder
Jux

Krux
öder
spröder
schluck’s

rüde
bohrt
hundemüde

verschmort
Etüde
rumort


RE: Spielkram: Sonette nach aufgegebenem Endreim - cameleon - 29.01.2007 12:47

Frühstücksreim

Wie, schnappen sollt ich flugs
Den hingeworfnen Köder?
Das klingt für mich noch schnöder
Als bloßer Alltagsjux.

Zum Teufel mit der Krux!
Ja, geht es denn noch öder?
Die Kehle wird zwar spröder - -
Na, gib schon her! Ich schlucks!

Und nennt ihr mich auch rüde -
Ich bin nun mal verbohrt.
Und dabei hundemüde...

Mir wurd das Hirn verschmort.
Und nicht nur als Etüde!
Mein Darm ists, der rumort...



hier sind meine Vorschläge:


Enzian
steigt
verneigt
Wahn

geigt
Bahn
Hahn
schweigt

Gasse
heizt
Terrasse

geizt
Grimasse
reizt


RE: Spielkram: Sonette nach aufgegebenem Endreim - Don Quixote - 29.01.2007 12:53

Ein Mann aus Innsbruck trachtet nach dem Enzian,
weshalb er mühsam ins Gebirge steigt.
Er weiß, im Norden irgendwo verneigt
man sich vor solcherlei alpinem Wahn.

Er keucht bergan, indes der Föhnsturm geigt.
So früh am Morgen gondelt keine Bahn.
So früh kräht nicht einmal der erste Hahn.
Das brave Durchschnittsvolk, es schläft und schweigt.

Erst Stunden später regt sichs in der Gasse
und auf den Plätzen, die die Sonne heizt.
Da sitzt der Mann verklärt auf der Terrasse

des Berghotels, das nicht mit Schnäpsen geizt.
Was hat er denn? Was soll nur die Grimasse?
Der Enzian ists, der den Gaumen reizt.



Ob man meinem Vorschlag das alpine Getränk noch anmerkt?
Bitte sehr:



Komet
Seide
beide
verdreht

fleht
Heide
Geschmeide
Beet

wieder
Tyrann
bieder

kann
Lieder
Bann


RE: Spielkram: Sonette nach aufgegebenem Endreim - Ulrich Reinhardt - 29.01.2007 13:01

Die Prophezeiung

Den Weg der Prophezeiung zeigt mir der Komet,
sein Leuchten färbt die Nacht in gelbe Seide.
Ihm folgend treffe ich die Majestäten beide,
der Schweifstern hat auch ihren Sinn verdreht.

Im Traum wurd ich von Engeln angefleht,
zu gehen durch Ägyptens Wüstenheide.
Als Gaben bringe ich dem Heiland kein Geschmeide,
nur was als Bestes wuchs auf seines Vaters Beet.

Die Engel sagten, Frieden kehrt bald wieder,
wo Liebe herrscht, gedeiht auf Dauer kein Tyrann,
beschämt wird er und fügt sich brav und bieder,

folgt dem, der neu geboren uns erlösen kann.
Und jetzt verstehe ich den Text der alten Lieder,
so zieht mich der Komet in seinen Bann.


Meine
Reimvorschläge sind:

-reichen
Hast
Last
gleichen

weichen
fasst
Rast
Leichen

droh'
wachen
roh

lachen
froh
Sachen

Mal sehen was daraus wird. Viel Spass.

LG Uli


RE: Spielkram: Sonette nach aufgegebenem Endreim - cameleon - 29.01.2007 13:16

Danke Uli, das ist genau mein Thema!
das sollte aber niemanden vom selber dichten abhalten...

Helferlein

Wie liebe ich die Schmerzensreichen,
die ständig jammern und voll Hast
die Menschen nerven. Ihre Last
beschwert den Erdball ohnegleichen.

Sie schleichen ran, dein Herz zu weichen -
und ehe du den Sinn erfasst,
kleben sie fest - und ohne Rast
gehn sie so über zwei, drei Leichen.

Ich schreck sie ab, indem ich droh:
"Hau ab! Sonst gibts ein bös Erwachen!
Ich bin nicht mutig, aber roh!"

Und wenn sie dann ganz höllisch lachen:
"Mein Helferlein, du machst mich froh!" -
ruf ich: "Was machste nur für Sachen...."


RE: Spielkram: Sonette nach aufgegebenem Endreim - Sneaky - 29.01.2007 13:17

Hehe, knapp zu spät angekommen. Den letzten Reim bitte ich zu verzeihen, vor allem die Nordländer
sind gemeint

Du willst dein Ziel so schnell es geht erreichen,
und setzt die Segel, alle die du hast.
Das Schiff ist gut getrimmt, mit dem Ballast
da lässt es sich mit einem Schwan vergleichen.

Man kann auf See nicht jedem Sturm ausweichen
darum hast du dein Testament verfasst,
zur rechten Zeit, heut endet deine Rast,
du musst aufs Meer, wenns sein muss über Leichen.

Ob dir auch ein Hanseflotte droh'
du kennst den Sund, und deine Seemannswachen
sind Friesenschädel, stinkend, herb und roh

doch werden sie selbst Beelzebub verlachen.
Bist allen Feind, nur deinem Herrgott froh
Bist Störttebeck, wie se im Nordland sachen.


RE: Spielkram: Sonette nach aufgegebenem Endreim - Don Quixote - 29.01.2007 13:53

Bevor es weitergeht, schnell noch eine dritte Fassung:

Fernsehabend

Man sieht ihn – schemenhaft – den Umschlag reichen.
Der andre nickt, entfernt sich ohne Hast.
Im Finstern schleichen zwei mit einer Last.
Es schüttet. Ein Gewitter ohnegleichen.

Dann graut der Tag. Die letzten Nebel weichen.
Des Chefinspektors scharfer Blick erfaßt
den Tatort, eine kleine Autorast.
Soweit, so gut. Wo aber sind die Leichen?

Laut Zeugen sagte der mit Bart: „Ich droh
nicht gern, doch morgen wirst du nicht erwachen.“
Ja – zugegeben, das klang ziemlich roh.

Mir aber reichts. Ich höre lieber lachen
und schalte um. Es dudelt falsch und froh.
Der „Stadel“ ists. Wer liebt nicht solche Sachen?


RE: Spielkram: Sonette nach aufgegebenem Endreim - cameleon - 29.01.2007 14:07

nun ein paar Neuvorschläge:

Parabel
-wand
-stand
Vokabel

Land
passabel
Gabel
Strand

Schrei
offen
einerlei

hoffen
Zauberei
-troffen

Grüßchen
cameleon