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Gib mir deine Augen / Add nekem a szemeidet // Ady - Druckversion

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Gib mir deine Augen / Add nekem a szemeidet // Ady - Alcedo - 30.06.2016 23:21

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Gib mir deine Augen / Add nekem a szemeidet // Ady


Gib mir, gib mir deine Augen,
um sie in mein alterndes Antlitz zu graben,
um mich selbst prachtvoller vor mir zu haben.

Gib mir, gib mir deine Augen,
die blauen, die immer erbauen,
die immer verschönern, die Immerblauen.

Gib mir, gib mir deine Augen,
die töten, versengen, verachten
und die mich als schön erachten.

Gib mir, gib mir deine Augen,
dann lieb ich was sich selbst gut kennt
und bin dein Augendirigent.



ADD NEKEM A SZEMEIDET / Ady Endre (1877-1919)

Add nekem a te szemeidet,
Hogy vénülő arcomba ássam,
Hogy én magam pompásnak lássam.

Add nekem a te szemeidet,
Kék látásod, mely mindig épít,
Mindig irgalmaz, mindig szépít.

Add nekem a te szemeidet,
Amelyek ölnek, égnek, vágynak,
Amelyek engem szépnek látnak.

Add nekem a te szemeidet,
Magam szeretem, ha szeretlek
S irigye vagyok a szemednek.

(1907)


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RE: Gib mir deine Augen / Add nekem a szemeidet // Ady - ZaunköniG - 01.07.2016 18:10

Hallo Alcedo,

Ich habe mir sagen lassen, dass sich Ady von den französischen Symbolisten und Dekadenten hat inspirieren lassen. Namentlich wurde Baudelaire erwähnt. Diese melancholisch-düstere Grundstimmung, gerade eines Baudelaire hat ja ganze Generationen von Dichtern inspiriert, aber die alternde Fresse ist mir hier zu derb-vulgär. Ist das der Klang des Originals?

In den ersten Strophen hast du "mir" kursiv gestellt. Ist das ein Hinweis zur korrekten Betonung? Die Betonung auf "gib" fände ich metrisch, wie inhaltlich passender. Und warum hast du die mir es in der letzten Strophe normal gesetzt?


RE: Gib mir deine Augen / Add nekem a szemeidet // Ady - Alcedo - 09.07.2016 15:24

(01.07.2016 18:10)ZaunköniG schrieb:  Hallo Alcedo,

Ich habe mir sagen lassen, dass sich Ady von den französischen Symbolisten und Dekadenten hat inspirieren lassen. Namentlich wurde Baudelaire erwähnt. Diese melancholisch-düstere Grundstimmung, gerade eines Baudelaire hat ja ganze Generationen von Dichtern inspiriert, aber die alternde Fresse ist mir hier zu derb-vulgär. Ist das der Klang des Originals?

In den ersten Strophen hast du "mir" kursiv gestellt. Ist das ein Hinweis zur korrekten Betonung? Die Betonung auf "gib" fände ich metrisch, wie inhaltlich passender. Und warum hast du die mir es in der letzten Strophe normal gesetzt?
hallo ZaunköniG

für mich liest er sich stilistisch eher wie Trakl, Binding oder Rilke in dessen frei rhythmisierenden Reimen (z.B. „Der Wahnsinn“). aber ich lese schon stark Adys eigene Stimme. habe etwa gleich viel von Ady und Baudelaire bisher gelesen und wäre selbst nie drauf gekommen dass es Ähnlichkeiten gibt, oder eine Beeinflussung. formal und stilistisch überhaupt nicht, nein. allenfalls inhaltlich, ja, in der Symbolik und bei der behandelten Thematik.

in lyrischer Obszönität steht Ady da den Pariser Dekadenten in nichts nach. seine erotischen Gedichte haben einen mindestens so großen Skandal in Ungarn entfacht wie der damalige „Fleurs du Mal“ in Paris. aber meines Wissens wurde Ady deswegen nie strafrechtlich verfolgt, im Gegensatz zu Baudelaire.

ja, das mit der alternden Fresse ist für mich der etwas aggressive und derbe Klang des Originals.
arc ist zwar Gesicht oder Angesicht/Antlitz/Miene (Fresse/Visage/Schnauze/Gosche wäre in der heutigen Zeit ungarisch: pofa), aber das Verb dazu ist heftig: ásni = graben/eingraben/umgraben.

Interlinear sieht die erste Strophe für mich so aus:
Add nekem a te szemeidet,
Gib mir die deinigen Augen
Hogy vénülő arcomba ássam,
damit (ich sie) altwerdendes Gesicht eingrabe/damit umgrabe/einpflanze
Hogy én magam pompásnak lássam.
damit ich mich/selbst mich prachtvoller/geschmückter/pompöser sähe.

ja, das kursive „mir“ soll die anfänglich jambische Betonung (wie ich sie im Original empfinde) nachbilden. zum Ende hin lässt mir der aggressive Klang etwas nach, deshalb, und auch weil dann Gewöhnung einsetzt, habe ich es in der letzten Strophe weggelassen.

im Netz lässt sich bei verschiedenen Sprechern keine eindeutige Betonung ausmachen, aber überwiegend ist sie nicht amphybrachisch/jambisch (so wie ich sie empfinde) sondern daktylisch. die beste Sprecherstimme die ich für mich fand war diese, von Ati Répa:
https://www.youtube.com/watch?v=2o7hjHAK5qg

sie scheint mir aber viel zu soft für diesen Text zu sein. vielleicht sollte ich den Text auch mal einsprechen um meine Interpretation zu verdeutlichen.

Gruß
Alcedo


RE: Gib mir deine Augen / Add nekem a szemeidet // Ady - ZaunköniG - 10.07.2016 01:02

Zitat:ja, das mit der alternden Fresse ist für mich der etwas aggressive und derbe Klang des Originals.
arc ist zwar Gesicht oder Angesicht/Antlitz/Miene (Fresse/Visage/Schnauze/Gosche wäre in der heutigen Zeit ungarisch: pofa), aber das Verb dazu ist heftig: ásni = graben/eingraben/umgraben.


nun sehe ich aber einen Unterschied ob ich mich, bzw. mein Gesicht mit derben Ausdrücken versehe, oder ob ein derbe Vorgang geschieht.

Eingraben oder einpflanzen ist zunächst eine sehr plastisch-expressive Beschreibung, nicht bloß derbe-vulgär. Ich würde es wohl beim graben/eingraben belassen und für die Fresse einen neutralen Begriff einsetzen.

Problematisch auch die Etymologie: Fresse/Schnauze/Gosche bezeichnen im engeren Sinn den Mund. In Sätzen wie "Ich kann seine Fresse nicht mehr sehen." kann man es auch auf das Gesicht als Ganzes beziehen. Wenn es aber speziell um die Augen geht, sind das nicht die Begriffe der Wahl.


RE: Gib mir deine Augen / Add nekem a szemeidet // Ady - Alcedo - 10.07.2016 14:52

(10.07.2016 01:02)ZaunköniG schrieb:  
Zitat:ja, das mit der alternden Fresse ist für mich der etwas aggressive und derbe Klang des Originals.
arc ist zwar Gesicht oder Angesicht/Antlitz/Miene (Fresse/Visage/Schnauze/Gosche wäre in der heutigen Zeit ungarisch: pofa), aber das Verb dazu ist heftig: ásni = graben/eingraben/umgraben.


nun sehe ich aber einen Unterschied ob ich mich, bzw. mein Gesicht mit derben Ausdrücken versehe, oder ob ein derbe Vorgang geschieht.

Eingraben oder einpflanzen ist zunächst eine sehr plastisch-expressive Beschreibung, nicht bloß derbe-vulgär. Ich würde es wohl beim graben/eingraben belassen und für die Fresse einen neutralen Begriff einsetzen.

Problematisch auch die Etymologie: Fresse/Schnauze/Gosche bezeichnen im engeren Sinn den Mund. In Sätzen wie "Ich kann seine Fresse nicht mehr sehen." kann man es auch auf das Gesicht als Ganzes beziehen. Wenn es aber speziell um die Augen geht, sind das nicht die Begriffe der Wahl.
okay, du hast mich überzeugt.
dann will ichs mal so versuchen:

Gib mir, gib mir deine Augen,
um sie in mein alterndes Antlitz zu graben,
um mich selbst prachtvoller vor mir zu haben.
xXxXxxXx
xxXxXxxXxxXx
xxX XxxXxxXx

klingt gar nicht so schlecht wie ich befürchtet hatte. es ergibt eine reizvolle A-Alliteration. vielleicht war ich vorher zu sehr auf „Gesicht“ fixiert gewesen. und diesen Gesicht-Versfuß habe ich nach „alterndem“ metrisch nicht einbauen können (bekam ich nicht hin). mit der Fresse war es dann leichtere Ausflucht gewesen.

ja, ich bleibe jetzt beim Antlitz. danke dir.

Gruß
Alcedo

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bisherige erste Strophe:

Gib mir, gib mir deine Augen,
um sie in meine alternde Fresse zu graben,
um mich selbst prachtvoller vor mir zu haben.