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Warum "Vergissmeinnicht"?
#1
Als Gott ließ einst die Blumen bunt bemalen,
war kurz vorm End die Farbpalette leer,
fürs letzte Blümlein blieb kein Färblein mehr.
Es lief zu Gott, wie’s Engel ihm empfahlen.

Es fleht: "Vergiss mein nicht!" in seinen Qualen.
Da lächelt Gott: „Dein Herz sei dir nicht schwer!
Wir nehmen von der Himmelsbläue Meer,
vom Sonnengelb die Farbe: Du sollst strahlen!"

Das Blümlein wird in Himmelsblau gekleidet,
des Kelches Herz erstrahlt in Sonnenglanz.
Auch wenn mit schlichtem Wuchs es sich bescheidet,

verblasst manch bunter Blumen Farbenkranz,
und selbst die Rose, die Narzisse neidet
dem Wald-Vergissmeinnicht den Feentanz.

(Aktuelle Überschrift: Wie das Vergissmeinnicht zu seinem Namen kam)
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#2
Wunderschön, so niedlich!
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#3
Ganz herzlichen Dank!
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#4
Eine nette kleine Fabel hast du da geschrieben,

zwei Punkte hätte ich allerdings:

So wenig wie Butter oder Salz würde ich auch Farbe nicht verniedlichen. An der Stelle vielleicht "Tüpflein" ?
In Zeile 13 überzeugt mich nicht, daß die Rose neidisch sein sollte.
Bei Narzisse ist der Weg zu Narzismus nicht weit, das geht für mich in Ordnung.
Vielleicht kannst dui statt der Rose ein Atribut für die Narzisse einfügen?

Liebe Grüße
ZaunköniG
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#5
Hallo ZaunköniG,

danke für den freundlichen Kommentar und für die interessanten Anregungen.
Wie z.B. bei Butter und Salz bildet man auch bei Farbe herkömmlicherweise kein Diminutiv, ich weiß. In Dialekten allerdings - und was ist näher an der lebendigen Sprache? - findet man Diminutive zu allen möglichen Substantiven (vgl. Schwäbisch; das bekannte rheinische Bütterken für Butterbrot u.v.a.). Darum möchte ich mir das Färblein gerade in dieser Verszeile gerne bewahren, nicht nur wegen des kurz vorher genannten Blümleins, sondern auch wegen des Anklangs an "Farbpalette" im Vorvers. "Tüpflein" wäre eine erwägenswerte Alternative, klänge aber in diesem Zusammenhang für mein Empfinden blasser.

Zur "neidischen Rose" in Vers 13: Bei Narzisse mag man eher an Neid denken, aber die Rose gilt auch als Königin der Blumen. Sind nicht Königinnen für ihren Neid geradezu berüchtigt? Aber ich werde über Deine Anregung nachdenken.

Liebe Grüße
Francesco
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#6
Du sagst ja selbst das Bütterken, nicht für wenig Butter steht, sondern für die Stulle,
auch "Lüftchen" oder Wässerchen z. B. sagt nichts über Menge oder Größe aus sondern ist abschwächend oder verharmlosend gemeint, nicht verkleinernd oder verringernd.
Insofern hinkt dein Vergleich, oder sind mit "Färblein" blasse Farben gemeint?
Ein Grenzfall wäre das Hölzchen, wo aber eigentlich zählbare Holzstückchen gemeint sind; ähnlich Stäublein
Für Flüssigkeiten oder weiche Massen fällt mir aber kein Beispiel ein.

Zitat:Sind nicht Königinnen für ihren Neid geradezu berüchtigt?
Hast du ein Beispiel?
In der Märchenwelt würde ich eher an "Stiefmütterchen" denken.

Zitat:auch wegen des Anklangs an "Farbpalette"
Auch wegen der Widerholung der Stammsilbe würde ich es eher vermeiden, auch wenn die durch den Dimininutiv-Umlaut etwas maskiert wird.

LG ZaunköniG
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#7
Bütterken ist der Wortbildung nach ursprünglich fraglos ein Diminutiv zu Butter, wenn auch als Abkürzung von "Butterbrötke" verwendet (vgl. Automobil > Auto etc.). Im übrigen kann man Diminutiva in vielen Sprachen auch als Hypokoristika verwenden. Dann beziehen sie sich weder auf Menge/Größe noch auf Verharmlosung/Abschwächung, sondern bedeuten einfach nur "lieb gemeint". Wie in meinem Text. Man könnte wohl noch lange über diesen Punkt diskutieren. Ich jedenfalls lasse mir mein Färblein an dieser Stelle nicht so ohne weiteres nehmen :-)
Es wäre interessant, wie andere Leser darüber denken.

Bei Königinnenneid hatte ich vor allem an Schneewittchen gedacht, auf das Stiefmütterchen war ich noch gar nicht gekommen. Letzteres könnte vielleicht noch mal mit einem eigenen Sonettchen bedacht werden?

LG Francesco
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#8
Auch bei Schneewittchen ist es die böse Stiefmutter.
Die eigene Mutter (selbst Königin) hatte sich ausdrücklich ein schönes Kind gewünscht, war aber bei der Geburt gestorben.

LG ZaunköniG
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#9
Gewiss, aber die Rede war ja nicht von Müttern oder Stiefmüttern, sondern von Königinnen und eine solche war doch auch Schneewittchens Stiefmutter. Im übrigen sollen auch Mütter gelegentlich auf die Schönheit ihrer eigenen Töchter neidisch sein. Na ja, und dann gäbe es da auch noch unsere vielbewunderten Schönheitsköniginnen, die ihre Rivalinnen auch nicht gerade heiß und innig lieben dürften ...

LG Francesco
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#10
Ich kann das Bild einer neidischen Königin absolut nachvollziehen, damit habe ich keine Probleme. Aber ich schliesse mich in einem Punkt Zaunkönig an: Die Formulierung mit "berüchtigt" war etwas unglücklich - die Berüchtigtkeit des Königinnenneids ist noch nicht bis zu mir vorgedrungen. Im übrigen finde ich es amüsant, was für ein Wortwechsel hier entstanden ist, denn im Sonett selbst ist die Königin ja nicht genannt, diese kam erst über die Rose ins Spiel. Was die Rose betrifft, so kann ich nachvollziehen, dass sie im Sonett steht. Sie ist ja eine prototypische Blume ("Nenn mir eine Blumenart." - "Rose!"). Dass Zaunkönig das nicht akzeptieren kann, verstehe ich ebenso - gerade für die feinsinnige Abwägung jedes einzelnen Wortes schätze ich ihn ja.
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#11
Hallo Pumukel,

Königinnenneid als berüchtigt zu bezeichnen war ein verbaler Fehlgriff.
Gereicht hätte hier der Hinweis, dass man von neidischen Königinnen
des öfteren schon gehört hat. Vielleicht hätte ich mir die Königin überhaupt ersparen und gleich mit Deinem Prototyp argumentieren sollen, wäre es mir denn zu dem Zeitpunkt nur eingefallen; dann wären alle Königinnen, Stiefmütter und Mütter dieser Welt von möglichen bösen Unterstellungen verschont geblieben.

Liebe Grüße
Francesco
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#12
Hallo ihr beiden,

"akzeptieren" kann ich die Rose durchaus, geht es doch hier nicht um meinen Text.
Nichts desto trotz habe ich eine Meinung dazu, und ich kann auch noch nachlegen:
Natürlich gibt es neidische Miss-Anwäterinnen, so wie es auch schlechte Verlierer im Sport gibt und überall wo sich jemand einem Wettstreit stellt.
Es gibt überall solche und solche, aber wenn wir über Märchen reden, reden wir von symbolen und Archetypen. Und böse ist im Märchen neben der Hexe vor allem die Stiefmutter.
Die Königin dagegen ist nur als Stiefmutter böse oder gar unrechtmäßig auf dem Thron.
Übrigens wird den Schönen im Märchen meistens zu guter letzt der Prinz an die Hand gegeben, und wird so selbst zur angehenden Königin.
Die Rose ist mit ihren Dornen aber die unnahbare Schöne, vielleicht stolz aber nicht wetteifernd everybodys darling zu sein, sondern ganz im Gegenteil symbolisch auch mit Reinheit, ja Keuschheit verbunden, auch als Blume Marias.
Christliche Symbolik (uns ist ein Ros entsprungen) ist vielleicht nicht mehr jedem geläufig, aber wenn schon Gott in deiner Fabel bemüht wird...
Märchen leben von ihrer Symbolik.

LG ZaunköniG
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#13
Hallo ZaunköniG,

vielen Dank für Deine ausführliche Stellungnahme. Ich möchte in keinem Punkt widersprechen. Nur eine Klitzekleinigkeit noch. Du schreibst:

"Christliche Symbolik (uns ist ein Ros entsprungen) ist vielleicht nicht mehr jedem geläufig, aber wenn schon Gott in deiner Fabel bemüht wird..."

Wenn ich leichtfertig Gott ins Spiel gebracht habe - wer wird denn schon Gott "bemühen" wollen/können? -, so muss damit nicht (ein) Gott nach christlicher Vorstellung gemeint sein.

LG Francesco
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#14
Zitat:Wenn ich leichtfertig Gott ins Spiel gebracht habe - wer wird denn schon Gott "bemühen" wollen/können? -, so muss damit nicht (ein) Gott nach christlicher Vorstellung gemeint sein.

Soso, du verstehst dich also auf Spitzfindigkeiten?

Da es nicht zu einem oder zu seinem Gott lief sondern nur zu Gott legt es schon den Schluß nahe daß es ein alleiniger Gott ist, zumal auch Engel darin vorkommen, ein Kennzeichen monotheistischer Religionen.
Du hast Recht, es muß nicht "christlich" sein, nur hat die Rose im Islam eine ähnliche Symbolik, dort als Blume Mohamets,
In der Jüdischen Kabbalah für den Sephira Netzach, und den Erzengel Haniel, also die Manifestationen Gottes und der göttlichen Liebe.

LG ZaunköniG
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#15
Nein, nein, lieber ZaunköniG, um Gottes oder aller Götter willen - spitzfindig wollte ich wirklich nicht sein, nur zu retten versuchen, wo ich glaubte, es sei vielleicht noch etwas zu retten ...

Aber "Die Rose bleibt drin!", um es mit einer Abwandlung von Herrn Müller-Lüdenscheidts Badewannendiktum zu sagen Smile

LG Francesco
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