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Eduardo Coimbra: Landschaft
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #2
RE: Eduardo Coimbra: Landschaft (PT)
Hallo Frank,

Ein wirklich schönes Stück hast du da ausgegraben.
Zu einer inhaltlichen Kritik fehlen mir sowohl die Sprachkenntnisse, als auch das Original. Aber, wie an anderer Stelle schon angekündigt ein paar Worte zur Form:

Grobe Fehler kann ich so nicht entdecken, aber doch die eine und andere Kleinigkeit, die sich in der Summe auf zwei Dinge zusammenfassen lassen:

Zum einen verwendest du sehr unterschiedliche Zeilenlängen.
Das fällt im Druckbild gar nicht auf, aber während die Zeile 5 nur 4 Hebungen bei 8 Silben hat, hat die Zeile 8 schon 7 Hebungen bei 13 Silben.
Nun ist es immer einfacher noch eine oder zwei Silben aufzufüllen, als etwas herauszustreichen. Mein Vorschlag wäre also ein einheitlich sechshebiges Metrum.

Der zweite Punkt betrifft die Versanfänge. Du beginnst mal mit betonter, mal mit unbetonter Silbe. Üblich und auch leichter wäre Letzteres, aber wichtig finde ich vor allem ein einheitliches Metrum.

In Zeile 8 nehme ich an, daß sie wegen einem offenen Hosenstall kichern.
Da fände ich es plausibler, wenn es nur einen Burschen trifft, denn daß gleich der ganzen Bande die Hosen offenstehen ist doch eher unwahrscheinlich. In so einem Fall würde ich mich sogar über das Original hinwegsetzen, wenn es da so steht.

In Zeile 10 habe ich "einer" aus metrischen Gründen zu "'ner" gekürzt.
Ganz glücklich ist die Lösung nicht, aber ohne ein Original ist auch schwer abzuschätzen welcher Spielraum da ist.

Aber hier erstmal mein Vorschlag:



Landschaft

Im Westen sinkt die Sonne noch als roter Hall
von Höhen abwärts, die verdämmernd stehn und schweigen.
Zum Rascheln aus dem dichtbelaubten Dunkel zweigen
sich Vögel späte Lieder aus dem grünen Wall.

In Feldern ringsherum verstummt der letzte Schall
und keine andre Melodie will mehr entsteigen
als müder Mädchen Trotten und der Kicherreigen
beim Blick nach eines Burschen offnen Hosenstall.

Ermattet ziehn die Stiere kreischende Gespanne.
Im Wirtshaus schwatzen Bauern bei 'ner roten Kanne
von Tafelwein, der Regen fehlt, was ist zu tun?

Laut keift die Nachbarsfrau vom Stall in Richtung Stube
und aus der Eingangstüre springt ein kleiner Bube
im Hemd, mit bloßen Füßen, hascht nach einem Huhn.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
27.03.2010 16:01
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RE: Eduardo Coimbra: Landschaft (PT) - ZaunköniG - 27.03.2010 16:01



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