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Sappho: Ich aber schlafe alleine / ἔγω δὲ μόνα κατεύδω
Alcedo Offline
Verse-Schmied
*

Beiträge: 158
Registriert seit: Apr 2016
Beitrag #7
RE: Sappho: Ich aber schlafe alleine / ἔγω δὲ μόνα κατεύδω
(27.02.2017 09:39)ZaunköniG schrieb:  Hallo Alcedo,


In der oben genannten Liste griechischer Phrasen wird ja erwähnt, dass der Vers sonst nicht vorkommt bei Sappho. Vielleicht weil er für den äolischen Dialekt nicht typisch ist? Ich finde ihn hier ganz passend. Ich würde in meinen Nachdichtungen auch jeweils alle Verse XxxXxxX betonen. Bei den Folgen einsilbiger Worte ist das vielleicht nicht so eindeutig, aber solche Diskrepanzen in der Wahrnehmung kommen immer wieder vor und zeigen eigentlich, wie schwierig es ist, antike Versmasse zu bestimmen, wenn aus der Sprache keine Tondokumente überliefert sind. Dass es heute noch Sprecher eines äolischen Dialektes gibt, heißt ja nicht, dass der Dialekt noch genauso klingt wie vor 2500 Jahren. Der wird ähnlich große Verschiebungen durchgemacht haben wie die Hochsprache.


Gruß
ZaunköniG
.
hallo ZaunköniG

ja, Dialekte sind genauso lebendig wie die Hochsprachen. sie unterliegen dauernden Veränderungen. und 2500 Jahre oder mehr sind eine lange Zeit. bei einem angenommenen Generationenabstand von 25 Jahren, ergibt das nach Adam Riese 100 Generationen! der Unterschied bei diesen vier Zeilen vom äolischen zum heutigen Griechisch ist aber trotzdem nur unwesentlich. jeder heutige Grieche kann sie geschrieben verstehen. es differiert weniger als zum Beispiel das heutige Bayrische mit dem Hochdeutschen.

was den Enhoplios betrifft, habe ich Zweifel ob das so stimmt. ich denke wir sollten unterscheiden zwischen musikalischen Takten, Tanz und der Rhythmik gesprochener Sprache. ich habe diesen Vierzeiler nach letzterem analysiert, nach der Aussprache eines griechischen Freundes.

in diesem Textbeispiel hier wird über den Enhoplios berichtet, wie ihn Sokrates (der relativ kurz nach Sappho wirkte und lebte), Platon und Damon empfanden: https://books.google.de/books?id=1qnOCb5...os&f=false

demnach entspricht der Enhoplios einer „Fußbewegung“ beim Tanzen.
dass man tanzend und singend bald jedes Versmaß hingebeugt bekommt, wissen wir. auch Dylan sprechsingt dann demnach sein „How many roads must a man walk down“ XxxXxxXxX in den Enhoplios hinein, aber wie es sich bei gesprochener Sprache anhört, steht auf einem anderen Blatt.

Gruß
Alcedo

Come build in the empty house of the stare
- Yeats -
19.03.2017 09:42
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RE: Sappho: Ich aber schlafe alleine / ἔγω δὲ μόνα κατεύδω - Alcedo - 19.03.2017 09:42



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