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H. Coleridge: Once I was young, and fancy was my all
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 5.029
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #1
GB H. Coleridge: Once I was young, and fancy was my all
Hartley Coleridge

Once I was young, and fancy was my all
My love, my joy, my grief, my hope, my fear,
And ever ready as an infant’s tear,
Whate’er in Fancy’s kingdom might befall,

Some quaint device had Fancy still at call,
With seemly verse to greet the coming cheer.
Such grief to soothe, such airy hope to rear,
To sing the birth-song, or the funeral

Of such light love, it was a pleasant task;
But ill accord the quirks of wayward glee,
That wears affliction for a wanton mask,

With woes that bear not Fancy’s livery;
With Hope that scorns of Fate its fate to ask,
But is itself its own sure destiny.



Als ich jung war

Die Phantasie mein Ein und Alles war:
Die Liebe, Freude, Gram, mein scheues Wähnen
war alles echt, wie eines Kleinkinds Tränen,
was auch im Reich der Phantasie geschah;

Und manchen Einfall Phantasie nur traf
um mit dem Vers nach Beifall auszuschauen,
im Gram zu schürfen, in der Hoffnung bauen,
zu singen Wiegenlied und Epitaph.

Solch leichte Liebe war mir leicht zu tragen,
doch Übles die Spitzfindigkeit bewirkt:
Sie will mit ihrer Trauermaske werben,

mit Leid, das keine Phantasie verbirgt,
in Hoffnung so das Schicksal zu befragen,
doch ist sich selbst ihr eigenes Verderben.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17.05.2010 11:04 von ZaunköniG.)
03.08.2008 11:37
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Silja Offline
Eleve
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Beiträge: 464
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #2
RE: H. Coleridge: Once I was young, and fancy was my all
Hallo Zaunkönig,
hier muss man erst einmal etwas interpretieren, finde ich, was er eigentlich zum Ausdruck bringen will.

Er weist in der Eingangszeile ausdrücklich darauf hin, dass es ins einer Jugend so war.
Im 2. Quartett sagt er dann, dass dieser Phantasie noch ein ganz spezielles Instrument zur Verfügung stand, nämlich mit entsprechenden Versen 1) die bevorstehenden Freuden zu begrüßen, 2) die Trauer zu lindern, 3) Hoffnung zu machen 4) und das Begrüßungs- oder Abschiedslied für die Liebe zu singen.

Und nun kommt der Gegensatz. Ich glaube nicht, dass es um Spitzfindigkeit geht. Er spricht von 'wayward glee', unangebrachter, launenhafter Freude, vielleicht Schadenfreude? Hier wird es schwierig, und der Zusammenhang ist mir auch nicht ganz klar. Aber deine Version finde ich leider auch nicht überzeugend. Könnte es vielleicht Schwermut sein, die sich nicht aufheitern lässt und sich selbst ins Verderben zieht?

Wie verstehst du das denn?

LG Silja
26.09.2008 04:18
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 5.029
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #3
RE: H. Coleridge: Once I was young, and fancy was my all
Hallo Silja,

Schwermut, die sich nicht aufheitern ließ?
Ich denke nicht.

Ich glaube, daß er sich als Dichter in eine Zeit zurückerinnert wo er unmittelbar aus seinem Gefühl schreiben konnte. Aber heute, wo er sein "Handwerk" gelernt hat ist ihm die Bindung zu dem, was er ausdrücken wollte verloren gegangen. Er erwischt sich dabei, wie er große Worte um des Effektes Willen verwendet, und so seine eigene Dichtung entweiht.

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
26.09.2008 09:03
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
*

Beiträge: 1.615
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #4
RE: H. Coleridge: Once I was young, and fancy was my all
Hallo ihr zwei,

ich schmeiß mal meine ungereimte Lesart hinein.

In Jugendzeit war Phantasie mir Alles
die Liebe, Freude, Kummer, Hoffnung, Furcht,
sie war verfügbar, so wie einem Kleinkind Tränen --
was immer auch in ihrem Königreich geschah,

so hatte sie stets Schlenker noch parat
für Verse auf ein kommendes Hurra.
Um so zu hoffen, solchen Gram zu trösten,
Geburtstags- oder Sterbelied zu singen
für solche leichte Liebe, war ein Spaß,
doch steht der Schadenfreude sowas nicht,
die Schmerz als liederliche Maske trägt

mit Weh das nicht das Kleid Phantasmas trägt.
Das Hoffen das dem Schicksal trotzt, forderts heraus
doch ist`s sich selbst sein eigenes Geschick.

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
26.09.2008 19:23
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
****

Beiträge: 5.029
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #5
RE: H. Coleridge: Once I was young, and fancy was my all
Hallo ihr beiden,

Durch die Verse in Zeile sechs war ich wohl zu sehr auf ein Dichterthema fixiert (Tunnelblick?).
Da kann es helfen sich den Text nochmal mit etwas Abstand anzuschauen.

Zitat:Er spricht von 'wayward glee', unangebrachter, launenhafter Freude, vielleicht Schadenfreude?

"wayward" übersetzt mein dix mit "eigensinnig, starrköpfig"
Schadenfreude sehe ich da nicht. Vieleicht ein krampfhaftes Glücklichseinwollen, das, weil es sich selbst bei seinen psychologischen Tricksereien ertappt, mitunter in Zynismus umschlägt.

Es bleibt eine schwierige Stelle.
Eine weitere Näherung:


Als ich jung war

Die Phantasie mein Ein und Alles war:
Die Liebe, Freude, Gram, mein scheues Wähnen
war alles echt, wie eines Kleinkinds Tränen,
was auch im Reich der Phantasie geschah;

Und manchen Einfall Phantasie nur traf
um mit dem Vers nach Beifall auszuschauen,
den Gram zu lindern, Hoffnung aufzubauen.
Zu singen Wiegenlied und Epitaph,

solch leichter Liebe war mir leicht zu tragen.
Doch Übles Launenhaftigkeit bewirkt,
will sie mit ihrer Trauermaske werben,

mit Leid, das keine Phantasie verbirgt,
und hofft des Schicksals Gleichmut zu befragen,
doch ist sich selbst ihr sicheres Verderben.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
01.10.2008 18:56
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