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Das Fliegenpapier (nach Robert Musil)
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Dirk Schindelbeck Offline
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Das Fliegenpapier (nach Robert Musil)
Das Fliegenpapier
(nach Robert Musil)



Sie werden angelockt vom süßlichen Geruch
des Giftleims, setzen sich ganz arglos aufs Papier.
Da kleben andre schon, die grad wie zu Besuch
herkamen, hier nun sind, hier bleiben, nur noch hier.

Lang stehn sie aufrecht da, soldatisch, heldenhaft.
Man fühlt die Spannung in den kleinen Köpfen sausen.
Für einen Absprung sammeln sie die ganze Kraft
bis zur Erschöpfung. Länger werden bald die Pausen,

sie schwächer, bis die Beinchen knicken, und im Nu
sind sie am Schenkel oben oder Bauch fixiert,
ihr Überlebenskampf wird aussichtslos und dumpf,

nun sehn sie aus wie Flieger, die in einen Sumpf
gerast sind, unnatürlich, komisch, affektiert -
tags drauf noch klappen ihre Augen auf und zu.



Anmerkung:

Das Sonett ist eine versifizierte und komprimierte Darstellung von Musils kurzem Prosatext "Das Fliegenpapier" aus seinem Buch "Nachlass zu Lebzeiten".


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03.09.2008 17:27
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