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E. Barrett Browning: The Seraph and Poet
#1
GB 
Elisabeth Barrett Browning

The Seraph and Poet


The seraph sings before the manifest
God-One, and in the burning of the Seven
And with the full fife of consummate Heaven
Heaving beneath him, like a mother's breast

Warm with her first-born's slumber in that nest.
The poet sings upon the earth graveriven,
Befor the naughty world, soon selfforgiven
For wronging him, - and in the darkness prest

From his own soul by worldly weights. Even so,
Sing, seraph with the glory! heaven is high.
Sing, poet with the sorrow! earth is low.

The universe's inward voices cry
'Amen' to either song of joy and woe.
Sing, seraph, - poet, - sing on equally!



Seraph und Poet

Der Seraph singt, bevor uns Gottes Willen
noch offenbar wird in der Sieben Brand
und hebt uns auf vom fünften Himmelsrand,
uns wie an einer Mutterbrust zu stillen,

als Erstgeborene in seinem Nest.
Und der Poet singt über offnen Gräbern,
noch ehe sich die Sünder selbst vergeben,
Ihm dadurch Unrecht tun. Das Dunkel presst

die Seele mit der eignen irdnen Schwere.
So sing, Seraph, im Glanz vom hohen Himmel,
und sing, Poet; die Erde ist gering.

Es schreit des Universums innre Stimme
ihr "Amen!", ob es Freud, ob's Leiden wäre.
Poet und Seraph - gleichermaßen sing!
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#2
Hallo Zaunkönig,

da sind vor allem im ersten Teil Verschiebungen im Sinn drin. Die seven denke ich beziehen sich auf die sieben Tugenden und fife ist eine Flöte, nicht fünf. manifest god-one ist der gestaltliche Gott, bezieht sich darauf, dass die Seraphim als nächste vor Gottes Thron stehen und ständig sein Loblied singen.

Also gehen die ersten Zeilen nach meiner Lesart so:

Der Seraph singt vor dem gestaltlichen
Gott im Brand der sieben (Tugenden)
und mit dem Orgelklang (würde hier die Flöte eher als PFeife für eine Orgel sehen) der Gesamtheit des Himmels
der sich unter im hebt
wie eine Mutterbrust mit ihrem ERstgeborenen im NEst
das ist für mich ein Vergleich, der Seraph singt so wie eine Mutter es tun würde, die ihr ERstgebornenes stillt.

Der Poet singt über der grabzerissenen Erde
- bevor der Schlechtigkeit der Welt, der er vergibt
für das was sie ihm antat -
und in der Dunkelheit, in die weltliche Belange
seine Seele gepresst haben.

schreien in Z 12 würde ich durch "ruft" ersetzen.

Gruß

Sneaky
Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
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#3
Ich bin in christlicher Mythologie nicht hundertprozentig sattelfest, aber für mich war eigentlich eindeutig daß es um den siebten Himmel geht, in der Gott selbst auch angesichtig wird und dort ist ja auch der Sitz der Seraphim, der höchsten Engel, die die das jüdisch-christliche Weltbild kennt. Der Gesang der Seraphim ist m.W. auch gleichzusetzen mit dem Wort Gottes, durch welches die Schöpfung geschieht.

Danke aber für den Hinweis mit der (Orgel-)Pfeife. Die Fünf war mir doch sehr rätselhaft.


LG ZaunköniG
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#4
Hallo zaunkönig,

ich bin da genausowenig sattelfest, ich dachte die gestaffelten Himmel seien islamischen Ursprungs, zumindest hab ichs so grad im Gedächtnis. Da der Islam aber jünger ist, kanns ja gut möglich sein, dass das übernommen wurde wie manches andere auch. Ich google mal nach, ob sich was finden lässt.

Ohne jetzt zu wissen, was nun wie ist, gefällt mir der siebte Himmel aber deutlich besser als der Glanz der sieben Tugenden.

Bis später

Sneaky
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#5
Die sieben Himmel sind sogar älter als das Judentum.
ob sie hier auch gemeint sind?
Zumindest ist in der nächste Zeile vom consummate heaven die Rede.
wobei der höchste, also siebte Himmel wohl auch als der vollkommene anzusehen ist.

LG ZaunköniG
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#6
So zurück vom Googeln,

im Bartholomäus-Evangelium sind die sieben Himmel erwähnt. Außerdem hab ich ner Site Hinweise darauf gefunden, dass der Mithraskult auch sieben Himmel mit sieben verschiedenen Toren gehabt haben soll. Das erinnert wieder an Priester Johannes, da waren ja auch mehrere Tore erwähnt zum Palast. Wird aber wohl zuweit führen.

consummate hab ich keine Nebenbedeutungen gefunden, heißt wohl perfekt. Da scheint mir deine Deutung consummate heaven richtig. Aber was ist dann die sieben? Browning schreibt ja in ... and with, also eine explizite Aufzählung. Warum das so aufzählen, wenn es ein und dasselbe ist?

Interessant, was da für Fragen auftauchen können und wohin das führen kann Smile.

Von karolingischer Kirchenarchitektur über keltische Sagen bis zur Rangordnung der Himmel gibts alles.

Gruß

Sneaky
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#7
Hallöchen,


The Seraph and Poet

Zitat:The seraph sings before the manifest
God-One, and in the burning of the Seven
And with the full fife of consummate Heaven
Heaving beneath him, like a mother's breast

Zitat:Die Sephirot singen bevor sie sich manifestieren, der eine Gott und die leuchtenden Sieben.
Aus der Offenbahrung des "Einen" gingen die zwei Sephirot Chokmah (Weisheit) und Binah (Verständnis) hervor.
Sie liegen noch über der Abyss, durch ihre Vereinigung entstehen die Leuchtenden unteren Sieben Sephiroth in der Manifestation.

Seelen werden im jüdischen oft als Funken bezeichnet, da sie von der Urflamme stammen.

LG.Sche
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#8
Hallo schechina,

deine Interpretation finde ich im Original nicht abgedeckt.

Die Seraphinen manifestieren sich nicht, manifest ist in diesem Zusammenhang kein Verb sondern ein Adjektiv und modifiziert god-one.
Es heißt the Seraph sings (Singularendung) und before the manifest, bei deiner Deutung müsste es seraphs sing bzw. they manifest heißen.

Wenn man Seraph als Plural sieht und manifest als Verb kommt darüber hinaus ein seltsamer Sinn in der wörtlichen Rede heraus
Die Seraphim singen bevor sie manifestieren.


Was mich interessiert ist, ob Sephirot Synonym ist für Seraphim? Sepiroth war mir geläufig über den Baum des Lebens, aber dass das ein anderer Name für die Seraphim ist, war mir neu.

Gruß

Sneaky
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#9
Hallo Sneaky

Zitat:Was mich interessiert ist, ob Sephirot Synonym ist für Seraphim?

Nicht ganz. Soweit ich mich entsinne, ist das eine eine göttliche Energie/Kraft und das andere der Engel, der diese Kraft verkörpert (in dem sie sich also manifestiert hat.

Aber das kann Schech bestimmt noch genauer erklären.

Die Korrektur an meiner Übersetzung ist mir für den Moment zu aufwändig. Da setze ich mich im Laufe der Woche aber nochmal dran.

LG ZaunköniG
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#10
Hallo allerseits,
vielleicht kann ich hier auch noch ein ganz klein wenig Licht in das Dunkel bringen:

Der Seraph singt vor dem offenbaren einigen Gott

'bevor' ist hier nicht zeitlich sondern örtlich zu verstehen. Und dass 'manifest' ein Adjektiv zu Gott ist, hat Sneaky ja bereits erkannt. Was es mit den Sieben auf sich hat, weiß ich allerdings leider auch nicht.

'self-forgiven' lese ich übrigens so, dass die Welt sich sehr bald selbst vergibt, was sie dem Poeten antut, nicht dass er ihr vergibt.

Zaunkönig, im ersten Teil deiner Erstfassung stört vor allem das wiederholte 'uns', denn von uns ist im ersten Quartett nicht die Rede. Das kriegst du schon noch hin.

LG Silja
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#11
Hallo Silja,

Ich denke, daß dieses "bevor" durchaus (auch) zeitlich zu lesen ist.
Schechinas Einwurf fand ich recht plausibel, daß insbesondere das erste Quartett auf kabbalistische Mystik verweist. "manifest", (also greifbar / sinnsich fassbar), ist Gott aber nicht als der All-eine, der er vor der Schöpfung war, sondern erst in seinen verschiedenen Emanationen in der Schöpfung.

Ja, das "uns" steht so nicht im Original, was den Text für mich etwas unübersichtlich macht.
Wer hebt denn hier wen an seine Brust? ich gebe ja zu daß ich hier mehr interpretiert habe als wirklich gelesen, aber wenn ich die "uns" einfach streiche, fehlt mir das Objekt in dem Satz. Den versteht dann keiner mehr.

self-forgiven, habe ich auch als Selbstvergebung gelesen, angesichts der Gräber aber in Bezug auf allgemeine Sünden gegen die Welt.
Der Poet ist zunächst nur indirekt durch sein Mitgefühl für die geschundene Erde getroffen.

LG ZaunköniG
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#12
Hallo Zaunkönig,
da kann ich dir nicht zustimmen. Ich sehe das 'before' hier nur örtlich. Und genau betrachtet ist es der 'consummate heaven' der sich unter dem Seraph atmend hebt und senkt (heaving beneath him) wie die Mutterbrust. Es ist also der Seraph der hier bildlich gesprochen an die Brust genommen wird.

Im krassen Gegensatz dazu dann der arme Poet, der von der Welt auch noch gequält wird. Von der geschundenen Erde sehe ich hier auch nichts, sondern das Gewicht der Welt presst ihm sozusagen sein Lied ab, was deswegen aber nicht weniger erhebend ist.

Hier hast du dir ja wirklich wieder mal etwas ganz Schwieriges ausgesucht.

LG Silja
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#13
Hallo Silja,

interessant, deine Deutung mit der Mutterbrust. ICh habs so gelesen, dass sich das heaving auf den Seraph bezog.

The seraph sings....
like a

und die beiden mit ...and eingeleiteten Sätze als Einschub gesehen. Hm, nun hast du mich draus gebracht.

Gruß

Sneaky
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#14
Hallo Silja,

die folgende Bearbeitung ist heute Nachmittag unterwegs entstanden, dein jüngster Kommentar ist also noch nicht eingeflossen.


Seraph und Poet

Der Seraph singt, bevor uns manifest
der Eine Gott im Leuchten seiner Sieben.
Die Himmel sich in seinem Singsang heben,
gleich einem Kind, wenn es sich stillen läßt,


als Erstgeborenes in Mutters Nest.
Doch der Poet singt von der Erde Gräbern,
noch ehe sich die Sünder selbst vergeben,
Ihm dadurch Leid antun. Das Dunkel presst

die Seele mit der eignen irdnen Schwere.
So sing, Seraph, im Glanz vom hohen Himmel,
und sing, Poet; die Erde ist gering.

Es ruft des Universums innre Stimme
ihr "Amen!", ob es Freud, ob's Leiden wäre.
Poet und Seraph - gleichermaßen sing!



Zitat:Und genau betrachtet ist es der 'consummate heaven' der sich unter dem Seraph atmend hebt und senkt (heaving beneath him) wie die Mutterbrust. Es ist also der Seraph der hier bildlich gesprochen an die Brust genommen wird.

Daß hier der Himmel mit der Mutterbrust verglichen wird, - nun da magst du recht haben, allerdings sträubt sich etwas in mir, den Seraph in der Rolle des Kindes zu sehen, ist es doch sein Gesang, der den Himmel erst erschafft. Theologisch /esotherisch wären die Himmel vielleicht für die Menschen wie die Mutterbrust, weil von dort die Lebensenergien ausströmen, womit wir wieder bei den bemängelten "uns" wären.
Man müßte wissen, was EBB selbst geglaubt hat, bzw, welchen religiösen Gruppen sie nahestand.

Zitat:Im krassen Gegensatz dazu dann der arme Poet, der von der Welt auch noch gequält wird. Von der geschundenen Erde sehe ich hier auch nichts, sondern das Gewicht der Welt presst ihm sozusagen sein Lied ab, was deswegen aber nicht weniger erhebend ist.

In der 6. Zeile hat mich sneakys Übersetzung "earth graveriven = grabzerfurchte Erde" überzeugt, die ich nun frei mit geschundener Erde übersetzt habe.
Auf den irdenen Leib wartet das offene Grab, wie auf alle Sterblichen. Gequält wird er von der (Um-) Welt, das sehe ich schon auch wie du.

Zitat:Hier hast du dir ja wirklich wieder mal etwas ganz Schwieriges ausgesucht.

Gottseidank ist nicht jeder Text so schwierig, aber ab und zu brauche ich auch mal eine Herausforderung. Zudem dachte ich, es wäre vielleicht auch ein schönes Gegenstück zu "Mountaineer and Poet"
Nun ja, etwas weiterfeilen muß ich noch.

LG ZaunköniG
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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