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Robert Southey: To a Goose
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.954
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #1
GB Robert Southey: To a Goose
Robert Southey
1774-1843 Großbritannien

To a Goose

If thou didst feed on western plains of yore
Or waddle wide with flat and flabby feet
Over some Cambrian mountain's plashy moor,
Or find in farmer's yard a safe retreat
From gipsy thieves and foxes sly and fleet;
If thy grey quills by lawyer guided, trace
Deeds big with ruin to some wretched race,
Or love-sick poet's sonnet, sad and sweet,
Wailing the rigour of some lady fair;
Or if, the drudge of housemaid's daily toil,
Cobwebs and dust thy pinion white besoil,
Departed goose! I neither know nor care.
But this I know, that thou wert very fine,
Seasoned with sage and onions and port wine.


An eine Gans

Hat dich die Ebene genährt zuvor,
schlappst dort mit deinen Füßen, platt sind beide,
Ob du nun watschelst übers Hochlandmoor,
ob du auch Zuflucht findest im Getreide

vor schlauen Füchsen oder flinken Dieben,
Ob wohl ein Advokat den Kiel geführt,
der manchen Schlucker zum Ruin getrieben,
ein schmachtender Poet, so zart berührt,

das harte Herz beklagend mancher Frau.
Sind deine weißen Schwingen von der Qual
Der Mägde, Staub zu wischen, auch schon grau;
Ich weiß es nicht, es ist mir auch egal.

Doch weiß ich ganz bestimmt: Ich fänd dich fein
Gewürzt mit Salbei, Zwiebeln, dazu Wein.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17.05.2010 15:50 von ZaunköniG.)
05.01.2009 17:00
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Beiträge: 1.617
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #2
RE: Robert Southey: To a Goose
Hallo Zaunkönig,

englischer Humor vom feinsten, gut übertragen. Die einzige Stelle die nicht passt, ist schnell gerichtet. Das thou wert am Schluss ist kein Konjunktiv. Du warst sehr fein mit ...

Ansonsten ist nicht zu meckern, aber diesen Braten will ich auch mal versuchen. Mal sehen, wie ich die Gans erwische.

Sehr schönes Stück, vor allem im Hinblick auf "Hochromantik".

Gruß

Sneaky
Auf eine Gans

Ob dich die Ebenen des Westens nährten,
die breiten Paddelfüße dich durch Moore
trugen, Cumbrien durchziehend, deine Fährten
zum Bauern führten, dessen Scheunentore

vor Füchsen und Zigeunern Schutz gewährten;
Juristenkiele Völker ruinierten,
die Feder ein Sonett mit süß verklärten
Gedanken schuf, die harte Herzen rührten.

der Mägde strenger Dienst dir deine Daunen
mit Staub und Spinnwebfäden hat verdreckt,
- Gans, die du von uns gingst - das weiß ich nicht,

noch trübt es auch nur eine meiner Launen.
Ich weiß nur Eins: Du warst mir ein Gedicht,
mit Salbei, Zwiebeln, Portwein abgeschmeckt.

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
06.01.2009 10:34
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.954
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #3
RE: Robert Southey: To a Goose
Hallo Sneaky,

Das sieht doch ganz ansehnlich aus. "Verschwundne" Ganz klingt erstmal nach entlaufen, da könnte man wohl auch konkreter werden. "Verstorbne" oder "Du tote Gans".

In Zeile 8 fehlt den "Zeilen" eine auftaktende Silbe. vlt. "Trochäen" oder "Metaphern". Ein deutscher Begriff wäre wohl noch besser. Vielleicht fällt dir etwas ein.

Auf jeden Fall erstmal Danke für deine Kritik. Also dann:

Zitat:Doch weiß ich ganz bestimmt: Du schmecktest fein,
Gewürzt mit Salbei, Zwiebeln, dazu Wein.
Soll sich der Leser doch selber denken ob das Vergangenheit oder Konjunktiv ist. Wink

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
06.01.2009 19:21
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Beiträge: 1.617
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #4
RE: Robert Southey: To a Goose
Hallo Zaunkönig,

ich schwanke im Moment zwischen Gesängen und Gedanken anstatt der Zeilen

Wie wärs mit, Gans, die verschwand, ?

Gruß

Sneaky

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
06.01.2009 20:27
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.954
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #5
RE: Robert Southey: To a Goose
"Süß verklärte Gesänge" wäre wohl etwas zu dick aufgetragen. "Gedanken" ist besser.

"Verschwundne Ganz" oder "Gans, die verschwand" ist ja weder semantisch noch rythmisch ein Unterschied. Aber so wichtig ist die Stelle auch nicht.
Ich hatte diese Anrede ganz weggelassen.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
06.01.2009 22:59
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Silja Offline
Eleve
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Beiträge: 463
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #6
RE: Robert Southey: To a Goose
Hallo ihr beiden,

in der Tat ein herrliches Sonett voll Ironie und Humor. Da würde es sich vielleicht lohnen, besonders sorgfältig vorzugehen, damit möglichst wenig verloren geht.

Bei euren beiden Versionen, die wie immer beide ihre schönen Seiten haben, vermisse ich die volle Bedeutung des Federkiels "deeds big with ruin to some wretched race" geht in meinen Augen viel weiter als ihr das gesehen habt. Ich meine, da wird vielleicht sogar eine Urkunde unterzeichnet, mit der das Schicksal eines ganzen eingeborenen Volkes besiegelt wird (z. B. der Vertrag von Waitangi in Neuseeland!) oder zumindest eines ganzen Geschlechts.

Und das 'departed' (goose) ist wohl auch ein ironisch geschraubter Ausdruck im Sinne von 'entschlafen', nicht einfach verschwunden. Da könnte man vielleicht auch noch etwas besser Entsprechendes finden.

Ansonsten sehr schön übertragen und vor allem hervorragend ausgesucht!

LG Silja
07.01.2009 12:21
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.954
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #7
RE: Robert Southey: To a Goose
Hallo Silja,

Es erinnert ein wenig an Beckfords Sonett auf den Schrubberstiel, wohl auch gemünzt auf die damalige Flut elegischer Sonette von Charlotte Smith und ihren Epigonen. Oder wie du es einmal ausdrücktest diesen Jammermädchen. Während Beckfort dem elegischen Ton treu bleibt und seinen Homor aus dem Gegenstand der Betrachtung zieht, hat Southey hier eine echte Pointe.

Dieses Sonett war für mich gar nicht so leicht, wie es zunächst aussah. Ich mußte doch manches einkürzen. Deine Hinweise arbeite ich gerne ein, auch wenn dafür etwas anderes rausfällt.

LG ZaunköniG


An eine Gans

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Ob wohl ein Advokat den Kiel geführt,
der schon Geschlechter zum Ruin getrieben;
ein schmachtender Poet, so zart berührt,

das harte Herz beklagend mancher Frau.
Sind deine weißen Schwingen von der Qual
Der Mägde, Staub zu wischen, auch schon grau;
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07.01.2009 13:24
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #8
RE: Robert Southey: To a Goose
Ob dich die Sageninseln westwärts nährten,
die breiten Paddelfüße dich durch Moore
trugen, Cumbrien durchziehend, deine Fährten
zum Bauern führten, dessen Scheunentore

vor Füchsen und Zigeunern Schutz gewährten;
Juristenkiele Völker ruinierten,
die Feder ein Sonett mit süß verklärten
Gedanken schuf, die harte Herzen rührten.

der Mägde strenger Dienst dir deine Daunen
mit Staub und Spinnwebfäden hat bedeckt,
- Gans, die du von uns gingst - das weiß ich nicht,

noch trübt es auch nur eine meiner Launen.
Ich weiß nur Eins: Du warst mir ein Gedicht,
mit Salbei, Zwiebeln, Portwein abgeschmeckt.
Hallo Zaunkönig,

Geschlechter würde ich nochmals überdenken. Passenden Vorschlag hab ich keinen, aber es geffällt mir nicht so recht, ein bissle zu alttestamentarisch.

Gruß

Sneaky

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08.01.2009 10:40
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #9
RE: Robert Southey: To a Goose
Hallo Sneaky,

alttestamentarisch? Ich dachte hier z.B. an Adelsgeschlechter. In diesem Sinn wird der Begriff mitunter heute noch gebraucht.

Wie wäre

Zitat:Ob wohl ein Advokat den Kiel geführt,
der Dynastien in den Ruin getrieben?
ein schmachtender Poet, so zart berührt,

das harte Herz beklagend mancher Frau?


In deiner Fassung finde ich die "Juristenkiele" zunehmend bedenklich. Die Composita an der Stelle lenkt das Augenmerk zu sehr von der Feder ab, bzw. daß es um eine Feder dieser Gans geht.

"Gans, die du von uns gingst" - wunderbar!
Ich hatte sowas auch schon in den Fingern, aber für meine Fassung wäre es zu lang.
"verdreckt" ist mir eigentlich zu salop, dafür hast du die schöneren Schlußzeilen. Man kann wohl nicht alles haben.

LG ZaunköniG

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08.01.2009 12:44
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #10
RE: Robert Southey: To a Goose
Hallo Zaunkönig,

Dynastien gefällt mir weit mehr als Geschlechter.

mit den Juristenkielen muss ich erstmal leben, bis ich die richtige Richtung hab, dem verdreckt kann abgeholfen werden, anstatt hat verdreckt, hat bedeckt ist schnell ausgetauscht und klanglich ists auch näher an dem geschmeckt.

Danke und Gruß

Sneaky

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08.01.2009 15:56
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