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Halloween-Special
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #1
Halloween-Special
17:08 Uhr Ortszeit - Sonnenuntergang
Ich dachte, daß Sneaky vorlegt, aber dann mache ich halt den Anfang
zum Halloween-Tread

[Bild: 297.gif]
Jack O'Lantern

Komm Jack, dir ist ein eigner Ort verheißen,
nach einer Jahresspanne Nachtdurchwandeln.
Zum elften Vollmond laß mit Dir verhandeln:
Dein Blick soll durch die Dunkelheiten gleißen!

Den Golem will ich Dir vom Kürbis machen,
der Dir für eine angesetzte Frist
ein neuer Leib und neue Heimat ist.
Als Lohn sollst Du mir Haus und Hof bewachen,

denn keine Seele soll durch Tür und Fenster
heut Nacht, beim bunten Treiben der Gespenster.
Ich stell Dir Leib und Flamme, die es braucht,

um Dir für Reue Gnade zu erhoffen.
Nur diese Nacht steht Dir die Chance offen:
Zum Morgen ist Dein Lichtlein aufgeraucht.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 27.05.2010 12:08 von ZaunköniG.)
31.10.2009 18:08
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Beiträge: 1.617
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #2
RE: Halloween-Special
Acht rote Lampen werfen Schwefelflammen
aus Ecken, die den kleinsten Schritt belauern,
verdunkelt in verkrümmten Schatten kauern,
die nicht von Bäumen oder Buschwerk stammen.

Acht Fledermäuse trudeln wie die klammen
Blätter wenn Sturm aufkommt. An Friedhofsmauern
scheint wilder Wein im Mondlicht zu erschauern,
(ich flüstere, Mensch reiß dich mal zusammen).

Auf Wegen knirscht der Kies und Zweige knacken
von nichts, es klingt nach Totenmenuetten
im Glockenschlag, der Schweiß dampft mir im Nacken,
Bis morgen grab ich hier acht Ruhestätten.

Die Grenze hält erst stand nach Samhainnacht.
Massencrash, Drachenlochbrücke. A 8.

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
31.10.2009 20:07
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koni Offline
Formalist
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Beiträge: 102
Registriert seit: Jun 2009
Beitrag #3
RE: Halloween-Special

  1. DER BAUER

    der stich des horrors lässt sich variieren.
    ein bauernwirt entglüht in neumondnächten.
    blieb einst betört und lauschte seine tieren,
    dem röchelnden gewimmere beim schächten.

    so musisch strich es ihm durchs ohr, als klängen,
    der engelschöre schönste trauerlieder
    gemein mit seinem stich zu höchsten rängen -
    musik-akzente in gefiederglieder.

    “das tier im menschen” ist nur eine phrase.
    betrunken fand er sie und bald, kopfüber,
    hing sie mit feuchtem haar und leerer blase.
    die uraufführung: laut, dann traurig, trüber.

    er kann seither dem klang nicht wiederstehen,
    wenn stimmen hallend grell in augen flehen.
  2. DIE KOBOLDE

    wenn stimmen hallend grell in augen flehen,
    warn sie schon da, entkrochen aus verstecken,
    entkamen dem kanal, um ungesehen
    die pein in krankenhäusern aufzulecken.

    beseitigt werden schwesternschaft und ärzte.
    patienten wollen sie, schon angeschlagen,
    sie sind die medikusse, nun. beherzte
    debatten erst, dann ihnen an den kragen.

    ein kleiner bohrt durch eines kindes hüfte;
    ein größerer labt sich an knochenbrüchen;
    den dünnen faszinieren hirnes düfte;
    der dicke mastrubiert in totgerüchen.

    indes gequälte nur noch leise schnaufen,
    die kobolde um backenzähne raufen.
  3. DER TRÖDLER

    die kobolde um backenzähne raufen,
    sah gerne der student zu späten stunden.
    den splatter zog er lässig aus dem haufen,
    den billig er am trödelmarkt gefunden.

    gelangweilt drehte er nur nach minuten
    den bildschirm ab. vom trödler dreist beschissen?
    da, prompt, begann ein starkes netzhautbluten
    bis alsbald ihm sein augenlicht verschlissen.

    erblindet lebt er heute abgeschieden;
    sozialfällt abgrundtief seit sieben jahren
    und betet täglich nur nach schwarzem frieden.
    es sind die bilder, ständig und in scharen,

    die dort so wehrhaft sind nicht fortzugehen,
    wo sich der toten häupter lächelnd drehen.
  4. DIE BARKEEPER

    wo sich der toten häupter lächelnd drehen?
    im angsttraum und in totenkranzsonetten,
    wie auch im "schank zur grünen fee": da wehen
    die scheine nur so hinterm tresen: wetten,

    ob neueste gesöffe so sehr trügen,
    dass gäste ihren albtraum nicht bemerken.
    gesondert, in freigiebig grünen zügen,
    verbringt man sie zu fahlen folterwerken,

    zu ghulen die den nachschub faul ersehnen;
    die gerne warzen aus den brüsten schneiden.
    akribisch zupfen sie aus armen venen;
    es gilt sie noch lebendig auszuweiden.

    tja, wenn sich menschen absinthtief besaufen.
    erlahmt der mut dem tross davonzulaufen.


10 sonette sind leider nach einbruch der dunkelheit von düsteren gestalten verschleppt worden, tauchen aber hoffentlich in den nächsten tagen auf.

MEISTERSONETT

wenn stimmen hallend grell in augen flehen,
die kobolde um backenzähne raufen;
wo sich der toten häupter lächelnd drehen,
genügt kein mut der angst davonzulaufen;

entzückt die panik schwarz vergessen schatten
und feuerwanzen, lüsternd unter steinen.
kadaver schlürfen, schmatzend, geifernd ratten,
die blutbesudelt nach aterien greinen.

verfällt der mensch in zittrig fahles schauern,
bedauert ihn der schrecken schier mit nichten,
was ihn verdammt in seinem eck zu kauern,
die magensaftfontänen zu entrichten.

entsetzen trieft herab auf allen vieren;
der stich des horrors lässt sich variieren.

wann immer ich eine möwe vor meinem fenster sehe weiß ich: ich bin am festland oder zumindest in festlandnähe.
31.10.2009 20:11
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #4
RE: Halloween-Special
Der Nebel schleicht sich an, verschließt die Türen
zu euren Häusern und zu euren Herzen,
lasst brennen an den Fenstern Weihekerzen,
die Grenzen sind heut dünn, die Toten spüren

verwischte Pfade, die ins Leben führen,
ins Sein, ins Licht, zu Leben und zu Scherzen.
Doch ihre Zungen fesseln die Sesterzen,
des Fährmanns Preis vergiftet, sie berühren

heißt selber gehen vor der Zeit mit Dunkelheiten
die kommen werden, morgen oder später,
um dich zu deiner Stunde zu geleiten,

zum Haus der Ahnenreihe, deiner Väter.
Doch willst du heute nicht hinübergleiten,
dann schließ die Tür, der Nebel birgt Verräter.
Dem Lotos gleich sitz ich im Kreis der Zeiten
von Salz und Wasser, rufe die Quadranten:
Von Ost nach Nord beschirmen die Gesandten
der Macht des Lichts die Sucher allezeiten.

Im Brennpunkt der Gewalten will sich weiten
das Wissen, das wir aus der Welt verbannten,
in rohen Flammen selbstgerecht verbrannten,
der Qualm war Weihrauch unsern Eitelkeiten.

Die Macht der Erde glüht herauf aus Tiefen,
durchströmt mich, weckt im Bauch den Kreis der Schlange,
sie hebt ihr Haupt zu Weisen, die lang schliefen.

„Komm tanz mit mir, was zögerst du so lange“
ertönen Stimmen, die schon immer riefen:
„Wenn`s keinem schadet, tu`s, dir sei nicht bange“.
Die Schatten fallen lang, ich muss mich eilen
vor Sonnenuntergang noch heimzukommen.
10 Morde schon, noch keiner festgenommen,
da ist`s nicht gut, zu lange zu verweilen.

Im Rinnstein läuft die Schwärze aus den Zeilen
`ner Zeitung in den Gully, doch verschwommen
grinst ein Phantombild, ich merk` wie beklommen
die Dunkelheit mich macht, sie kratzt wie Feilen.

Da vorne kontrollieren sie Passanten,
da fühlt man sich doch gleich beschützt und besser,
trotz diesem mörderischen Unbekannten.

Der Mond geht auf, sein scharfes Silbermesser,
grüßt Stahl in meiner Hand als Blutsverwandten,
dann kommt der Nebel und verbirgt den Fresser.

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31.10.2009 23:02
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #5
RE: Halloween-Special
Hier, sagt man also, hat der rote Junker
sein Grab gefunden. Nur ein Ammenmärchen,
das älter ist als dieser Luftschutzbunker.
Aus Mauerrissen wachsen Birken, Lärchen;

Vor Blut- und Weißdorn feixen schwarze Pärchen
in schweren Mänteln und Kajal. Sie flunkern:
Von schwarzen Messen, Zombies, Silberhärchen,
und von Elise, ihren schweren Klunkern

für die der Junker mordete und starb...
Wie herrlich grausig hier die Stiegen knarren!
(Holz arbeitet...) Wo Blut und Wolfsmilch floss,
wo noch sein Geist um ihre Seele warb,
kann man noch schauernd ins Gewölbe starren!

und irgendwann fällt eine Tür ins Schloss...

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 01.11.2009 08:43 von ZaunköniG.)
01.11.2009 00:06
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #6
RE: Halloween-Special
Hallo Zaunkönig,

ist eine schöne Ausbeute geworden, das eine oder andere Werk würde ich gern kommentieren. Wie wollen wirs machen? Links zur Besprechung oder hier im Faden? Das könnte aber unübersichtlich werden.

Gruß

Sneaky

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
01.11.2009 11:01
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #7
RE: Halloween-Special
Am praktischten wäre wohl, das betreffende Gedicht in einem eigenen Faden zu zitieren und zu besprechen

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
01.11.2009 15:33
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