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Koni: Halloween-Kranz
Sneaky Offline
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Beitrag #1
Koni: Halloween-Kranz
Zitat:1.DER BAUER

der stich des horrors lässt sich variieren.
ein rinderbauer glüht in neumondnächten,
belauschte einst und nur bei seinen tieren
das röchelnde gewimmere beim schächten.

so musisch strich es ihm durchs ohr, als klängen,
der engelschöre schönste trauerlieder
gemein mit seinem stich zu höchsten rängen;
begnadet stieß akzente er in glieder.

“das tier im menschen” ist nur eine phrase.
betrunken fand er sie und bald, kopfüber,
hing sie mit feuchtem haar und leerer blase.
sie uraufführte grell und später trüber.

er kann seither dem klang nicht wiederstehen,
wenn tote stimmen nachts in monden flehen.


Hallo Koni,

das macht ordentlich Appetit auf die restlichen 10 hier ein paar Anmerkungen zum Einstieg


DER BAUER

der stich des horrors lässt sich variieren.
ein rinderbauer glüht in neumondnächten,
belauschte einst und nur bei seinen tieren
das röchelnde gewimmere beim schächten.

Was hältst du von:
berauschte sich im Schlachthof bei den tieren
am röchelnden gewimmere beim schächten
ist es wichtig, dass es seine tiere sind?

so musisch strich es ihm durchs ohr, als klängen,
der engelschöre schönste trauerlieder
gemein mit seinem stich zu höchsten rängen;
begnadet stieß akzente er in glieder.

die Inversion "akzente er" ist nicht sehr ansprechend.

“das tier im menschen” ist nur eine phrase.
betrunken fand er sie und bald, kopfüber,
hing sie mit feuchtem haar und leerer blase.
sie uraufführte grell und später trüber.

das "uraufführte grell und später trüber" ist platt, wie wärs mit
die Uraufführung stärkte nur das Fieber falls der schräge Reim dich nicht stört


er kann seither dem klang nicht wiederstehen,
wenn tote stimmen nachts in monden flehen.

monden ist recht poetisch, aber passt das zu dem neuzeitlichen Strich?
Es gibt, falls du was anderes suchst den Begriff "blauer Mond". So wurde urprünglich der dritte Vollmond genannt, wenn innerhalb einer Jahreszeit, also z.B. von Frühling bis Sommerbeginn in diesen drei Monaten vier Vollmonde fielen. Mittlerweile wird der zweite Vollmond innerhalb eines Monats blauer Mond genannt. Vielleicht magst du ja versuchen, das einzubauen? ISt natürlich schwierig, da diese Zeile zum Meistersonett gehört.
wenn Stimmen nachts den Blauen Mond anflehen so auf die schnelle.

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
01.11.2009 23:16
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Sneaky Offline
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Beitrag #2
@koni Sonett II
Zitat:DIE KOBOLDE

wenn tote stimmen nachts in monden flehen,
warn sie schon da, entkrochen aus verstecken,
entkamen dem kanal, um ungesehen
die pein in krankenhäusern aufzulecken.

beseitigt werden schwesternschaft und ärzte.
patienten wollen sie, schon angeschlagen,
sie sind die medikusse, nun. beherzte
debatten erst, dann ihnen an den kragen.

ein kleiner bohrt durch eines kindes hüfte;
ein größerer labt sich an knochenbrüchen;
den dünnen faszinieren hirnes düfte;
der dicke mastrubiert in totgerüchen.

indes gequälte nur noch leise schnaufen,
sich kobolde um backenzähne raufen.

würde ich nur an der letzten Zeile was ändern
indes gequälte nur noch leise schnaufen
die kobolde um ...

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
01.11.2009 23:19
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Sneaky Offline
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Beitrag #3
@koni Sonett III
Zitat:3.DER TRÖDLER

die kobolde um backenzähne raufen,
sah gerne der student zu späten stunden.
den splatter zog er lässig aus dem haufen,
den billig er am trödelmarkt gefunden.

gelangweilt drehte er nur nach minuten
den bildschirm ab. vom trödler dreist beschissen?
prompt fingen seine augen an zu bluten,
und stockten nicht bis netzhautnerven rissen.

erblindet lebt er heute abgeschieden;
sozialfällt abgrundtief seit sieben jahren;
sehnt jeden tag nach seinem schwarzen frieden.
es sind die bilder, die im glasigklaren

in seinem auge nicht und nicht vergehen,
wo sich stumpf häupter grinsend rundumdrehen.

DER TRÖDLER

promt fingen seine augen an zu bluten,
und stockten nicht bis netzhautnerven rissen.
hier vielleicht
und stockten erst als.....
prompt fehlt ein "p"


erblindet lebt er heute abgeschieden;
sozialfällt abgrundtief seit sieben jahren;
sehnt jeden tag nach seinem schwarzen frieden.
hier villeicht

ersehnt tagtäglich seinen schwarzen frieden

es sind die bilder, die im glasigklaren
Pupillenfleck ihm nicht und nicht vergehen?
in seinem auge nicht und nicht vergehen,

wo sich stumpf häupter grinsend rundumdrehen.

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
01.11.2009 23:26
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koni Offline
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Beitrag #4
RE: @koni Sonett III
oha, danke. das bessere ich gleich aus!

wann immer ich eine möwe vor meinem fenster sehe weiß ich: ich bin am festland oder zumindest in festlandnähe.
01.11.2009 23:32
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Sneaky Offline
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Beitrag #5
@koni Sonett 4
Zitat:4.DIE BARKEEPER

wo sich stumpf häupter grinsend rundumdrehen?
im angsttraum und in totenkranzsonetten,
wie auch im "schank zur grünen fee": da wehen
die scheine nur so hinterm tresen: wetten,

ob gästes sinnestaumel so betrügen,
dass sie vom wahren schauer gar nichts merken.
gesondert, in freigiebig grünen zügen,
so lockt man sie zu hintren folterwerken,

wo stinkend guhle schon nach nachschub sehnen,
die gerne warzen aus den brüsten schneiden.
dämonisch zupfen sie der armen venen;
es gilt sie noch lebendig auszuweiden.

tja, wenn sich menschen absinthtief besaufen.
erlahmt der mut dem graun davonzulaufen.
DIE BARKEEPER

wo sich stumpf häupter grinsend rundumdrehen?
im angsttraum und in totenkranzsonetten,
wie auch im "schank zur grünen fee": da wehen
die scheine nur so hinterm tresen: wetten,

ob gästes sinnestaumel so betrügen,
kann Suff den Geist der Gäste derart trügen

dass sie vom wahren schauer gar nichts merken.
gesondert, in freigiebig grünen zügen,

so lockt man sie zu hintren folterwerken,
verschubt man sie, hin zu den folterwerken?

wo stinkend guhle schon nach nachschub sehnen,
zu ghulen die den Nachschub heiß ersehnen?

die gerne warzen aus den brüsten schneiden.
akribisch zupfen sie aus armen venen;
es gilt sie noch lebendig auszuweiden.

tja, wenn sich menschen absinthtief besaufen.
erlahmt der mut dem graun davonzulaufen.

erlahmt der mut, dem grauen wegzulaufen?

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01.11.2009 23:35
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koni Offline
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Beitrag #6
RE: @koni Sonett II
ja, das mache ich; danke!

wann immer ich eine möwe vor meinem fenster sehe weiß ich: ich bin am festland oder zumindest in festlandnähe.
01.11.2009 23:35
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koni Offline
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Beitrag #7
RE: @koni Sonett 4
auch wieder super anregungen. spitze! ich korrigiers dann, gemeinsam mit der 2ten umfangreicheren kritik, in kürze.

eure sonette finde ich übrigens sehr gelungen; gefallen mir echt gut. Smile

wann immer ich eine möwe vor meinem fenster sehe weiß ich: ich bin am festland oder zumindest in festlandnähe.
01.11.2009 23:41
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koni Offline
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Beitrag #8
RE: Koni: Halloween-Kranz
zum trödler:

die kobolde um backenzähne raufen,
sah gerne der student zu späten stunden.
den splatter zog er lässig aus dem haufen,
den billig er am trödelmarkt gefunden.

gelangweilt drehte er nur nach minuten
den bildschirm ab. vom trödler dreist beschissen?
da, prompt, begann ein starkes netzhautbluten
bis alsbald ihm sein augenlicht verschlissen.

erblindet lebt er heute abgeschieden;
sozialfällt abgrundtief seit sieben jahren;
und betet kläglich nur nach schwarzem frieden.
es sind die bilder, ständig und in scharen,

die dort so wehrhaft sind nicht fortzugehen,
wo sich der toten häupter lächelnd drehen.

wann immer ich eine möwe vor meinem fenster sehe weiß ich: ich bin am festland oder zumindest in festlandnähe.
02.11.2009 19:03
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koni Offline
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Beitrag #9
RE: Koni: Halloween-Kranz
zu den barkeepern:

wo sich der toten häupter lächelnd drehen?
im angsttraum und in totenkranzsonetten,
wie auch im "schank zur grünen fee": da wehen
die scheine nur so hinterm tresen: wetten,

ob neueste gesöffe so sehr trügen,
dass gäste ihren albtraum nicht bemerken.

gesondert, in freigiebig grünen zügen,
verbringt man sie zu fahlen folterwerken,

zu ghulen die den nachschub faul ersehnen

und freudig warzen aus den brüsten schneiden.
akribisch zupfen sie aus armen venen;
es gilt sie noch lebendig auszuweiden.

tja, wenn sich menschen absinthtief besaufen,
genügt kein mut der angst davonzulaufen.

wann immer ich eine möwe vor meinem fenster sehe weiß ich: ich bin am festland oder zumindest in festlandnähe.
02.11.2009 21:50
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koni Offline
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Beitrag #10
RE: Koni: Halloween-Kranz
und zum bauern:

der stich des horrors lässt sich variieren.
ein bauernwirt entglüht in neumondnächten.
blieb einst betört und lauschte seinen tieren,
dem röchelnden gewimmere beim schächten.

so musisch strich es ihm durchs ohr, als klängen,
der engelschöre schönste trauerlieder
gemein mit seinem stich zu höchsten rängen -
musik-akzente in gefiederglieder.

“das tier im menschen” ist nur eine phrase.
betrunken fand er sie und bald, kopfüber,
hing sie mit feuchtem haar und leerer blase.
die uraufführung: laut, dann traurig, trüber.

er kann seither dem klang nicht wiederstehen,
wenn stimmen hallend grell in augen flehen.

wann immer ich eine möwe vor meinem fenster sehe weiß ich: ich bin am festland oder zumindest in festlandnähe.
02.11.2009 23:27
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ZaunköniG Offline
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Beitrag #11
RE: Koni: Halloween-Kranz
Zitat:MEISTERSONETT

wenn stimmen hallend grell in augen flehen,
die kobolde um backenzähne raufen;
wo sich der toten häupter lächelnd drehen,
genügt kein mut der angst davonzulaufen;

entzückt die panik schwarz vergessen schatten
und feuerwanzen, lüsternd unter steinen.
kadaver schlürfen, schmatzend, geifernd ratten,
die blutbesudelt nach aterien greinen.

verfällt der mensch in zittrig fahles schauern,
bedauert ihn der schrecken schier mit nichten,
was ihn verdammt in seinem eck zu kauern,
die magensaftfontänen zu entrichten.

entsetzen trieft herab auf allen vieren;
der stich des horrors lässt sich variieren.

Hallo koni,

ich zitiere nur mal das Meistersonett, damit die bisherigen Teile auch in diesem Faden komplett sind.
Du hast hier (im allen Teilen) sehr kräftige Bilder gefunden und ich kann mich Sneaky durchaus anschließen, das macht Lust auf mehr, ich weiß aber nicht ob es über die gesammte Distanz von 15 Sonetten trägt den Horror zu variieren. Es fehlt mir ein wenig die Geschichte dahinter "warum es so kommen muß". aber das muß ja nicht in den ersten 4 Sonetten beantwortet werden.

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
07.11.2009 11:44
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