Antwort schreiben 
 
Themabewertung:
  • 0 Bewertungen - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Narrenschelle
cyparis Offline
ABC-Schütze
*

Beiträge: 2
Registriert seit: Jan 2010
Beitrag #1
Narrenschelle
Kurz vor der allerletzten Schwelle,
der letzten aller Stunden fast anheimgegeben,
angesichts der Dunkelheit nur noch ein Angsterbeben:
Ich schüttle einmal noch die Dichterschelle,

wie Narren tun: Denn manche Narren werden weise.
So führe Hieb um Hieb ich auf das Schlechte,
das mir vor Augen kommt. Denn Narrenmächte
führ'n meine Feder wilder, nicht mehr leise.

Die Narrenschelle tönt. Auch in die ekle Jauche,
in tiefste Sümpfe dringt ihr Klang. Ich steige
in diese Düsternis nicht mehr hinab.

Ich wähle mir ein reines, kühles Grab.
Vergehe dort. Und beuge mich und neige
mein Haupt der Lyrik schönem Hauche.




©

(Sonett-Versuch)
29.01.2010 18:14
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
****

Beiträge: 4.975
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #2
RE: Narrenschelle
Hallo cyparis,

Als Purist müßte man vor allem die unterschiedlichen Zeilenlängen bemängeln.
Nicht allzu dramatisch - aber relativ leicht zu beheben.

Inhaltich bin ich mir nicht ganz im klaren was du mit "Narr" meinst.
Den Idioten oder Tölpel der er heute in der Umgangssprache ist?
So einer könnte irgenwann weise werden.
Oder der klassische Hofnarr, für den auch die Schellen sprechen, der zwar als Clown auftritt aber oft sehr wohl weise ist, seine Kritik aber in Humor verpackt. Ist ihm angesichts der eigenen letzten Stunde der Humor vergangen? Das wäre plausibel und verständlich, aber kein Beleg für Weisheit wenn er den Abstand nicht mehr hat.

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
30.01.2010 13:59
Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
cyparis Offline
ABC-Schütze
*

Beiträge: 2
Registriert seit: Jan 2010
Beitrag #3
RE: Narrenschelle
Lieber Zaunkönig,

Deine Kritik ist völlig gerechtfertigt!
Mein Gedicht ist lediglich von der Form her (4-4-3-3) sonettähnlich.
Ich erkläre im Allgemeinen meine Gedichte nicht gerne, aber hier scheint es notwenig zu sein:

Ich las ein Gedicht in dermaßen schlechtem Deutsch, gespickt mit fäkalischen Ausdrücken, daß ich ein "Wutgedicht" schrieb.

Irgendwie hatte ich eine Verschmelzung von Till Eulenspiegel und Bellmann vor meinem inneren Auge/Ohr.
Das Elaborat kam dabei heraus.

Ich nehme jede Verbesserungsanregung gerne an!

Hab Dank für Deinen Kommentar
von
cyparis
30.01.2010 20:51
Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Halbe Frau Offline
Stift
****

Beiträge: 43
Registriert seit: Jan 2010
Beitrag #4
RE: Narrenschelle
Hallo cyparis,

durch die unterschiedlichen Zeilenlängen wirkt dein Gedicht sehr lebendig, aber auch ein wenig verwirrend.
Ich habe mal den Versuch unternommen, die Zeilenlängen so anzupassen, dass die Zeilen, die sich aufeinander reimen, immer gleich lang sind und das Gedicht nur noch Zehn-, Elf- und Dreizehnsilber enthält.

Fast angekommen auf der allerletzten Schwelle,
der letzten aller Stunden fast anheim gegeben,
im Angesicht der Dunkelheit ein Angsterbeben:
Ich schüttle noch ein letztes Mal die Dichterschelle,


wie Narren tun: Denn manche Narren werden weise.
So führe Hieb um Hieb ich auf das Schlechte,
das mir vor Augen kommt. Denn Narrenmächte
führ’n meine Feder immer wilder, nicht mehr leise.

Die Narrenschelle tönt. In ekle Jauche,
in tiefste Sümpfe dringt ihr Klang. Ich steige
in diese Düsternis nicht mehr hinab.

Ich wähle mir ein reines, kühles Grab.
Vergehe dort. Und beuge mich und neige
mein Haupt der reinen Lyrik schönem Hauche.

Lieben Gruß
Halbe Frau

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.
(Matthias Claudius)
30.01.2010 21:07
Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
****

Beiträge: 4.975
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #5
RE: Narrenschelle
Hallo Cyparis,

Gut, Eulenspiegel ist nicht der klassische Hofnarr, wie Yorik z.B.
Er wird auch mal etwas derber. Aber wer ist Bellmann? Muß man den kennen?
Für ein "Wutgedicht" endet dein Elaborat dann doch sehr milde, finde ich.

Verbesserungsvorschläge? Dann versuche ich mal, wie es durchgängig 5-hebig klingen könnte.
Inhaltlich mußt du allerdings selber wissen, wo du hin willst:


Ich stehe vor der allerletzten Schwelle,
der letzten Stunde fast anheimgegeben,
und bin im Dunkel nur ein Angsterbeben:
Ich schüttle einmal noch die Dichterschelle,

wie Narren tun: Denn manche werden weise.
So führe Hieb um Hieb ich auf das Schlechte,
das mir vor Augen kommt. Denn Narrenmächte
führ'n meine Feder wilder, nicht mehr leise.

Die Schelle tönt. Auch in die ekle Jauche,
in tiefste Sümpfe dringt ihr Klang. Ich steige
in diese Düsternis nicht mehr hinab.

Ich wähle mir ein reines, kühles Grab.
Vergehe dort. Und beuge mich und neige
mein greises Haupt der Lyrik schönem Hauche.


LG ZaunköniG


P.S: Halbe Frau war etwas schneller als ich. 6-hebig ist natürlich auch möglich. Mach was draus...

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 30.01.2010 21:15 von ZaunköniG.)
30.01.2010 21:13
Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Antwort schreiben 




Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste