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William Shakespeare: 071
Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Beiträge: 1.617
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #1
Gb-England William Shakespeare: 071
William Shakespeare
LXXI


No longer mourn for me when I am dead
Than you shall hear the surly sullen bell
Give warning to the world that I am fled
From this vile world with vilest worms to dwell

Nay, if you read this line, remember not
The hand that writ it, for I love you so
That I in your sweet thoughts would be forgot
If thinking on me then should make you woe.

O, if, I say, you look upon this verse
When I perhaps compounded am with clay
Do not so much as my poor name rehearse,
but let your love even with my life decay

Lest then the wise world should look into your moan
And mock you with me after I am gone.



Ü: sneaky

Du sollst, bin ich im Grab, nicht länger trauern,
als du die Totenglocke hörst, die kündet,
dass ich aus dieser Welt und ihren Mauern
ins Grab verschwand, wo der Zerfall mich findet.

Doch falls du liest, was meine Hand geschrieben,
dann denke nicht an sie zurück mit Sehnen,
ich liebe dich zu sehr, es soll vertrieben
das Wissen sein um mich, bringt es dir Tränen.

Und solltest du auf diese Verse sehen
wenn ich vielleicht schon Lehm geworden bin,
lass dein Gefühl mit mir im Grab vergehen
bring keine Opfer zu den Toten hin.

Die Welt soll nichts von deinem Kummer kennen
sie würde lachen und dich Närrin nennen.



.

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
27.01.2007 22:26
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Beiträge: 1.617
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #2
RE: William Shakespeare: 71
Du sollst um meinen Tod nicht länger trauern,
als es das Grabgeläut der Welt verkündet,
dass ich aus der Beengtheit ihrer Mauern
zur Erde ging, wo der Zerfall mich findet.

Und wirst du später diese Zeile finden,
dann denke nicht an des Verfassers Hand,
ich liebe dich zu sehr, dich hier zu binden,
geschweige denn aus jenem fernen Land.

Und wirst du dann in diesen Versen lesen,
wenn ich schon Staub bin, Asche und nicht mehr
lass deine Liebe los und mich verwesen,
und meinen Namen sag ihn nicht mehr her.

Sonst wird die Neugier dieser Welt dein Klagen
um mich als Spott von Mund zu Munde tragen.

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
04.06.2010 09:38
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.974
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Beitrag #3
RE: William Shakespeare: 71
Hallo Sneaky,

Vor allem das erste Quartett hat deutlich gewonnen. Auch wenn ich es nicht an konkreten Stellen festmachen kann, aber läuft besser.
In Zeile 4 würde ich aber versuchen die Würmer des Originals noch unterzubringen.

In Zeile 10 bist du vom Lehm abgerückt?
Ich denke, da hast du dich ohne Not von der Vorlage entfernt.

In Zeile 13 bin ich mir nicht sicher, ob "Neugier" der rechte Begriff ist.
Das klingt als wollte er vor Voyeurismus und Klatschsucht warnen.
Ich denke aber, das er der Welt hier einfach recht gibt mit ihrem Motto "Das Leben geht weiter",
was auch ein schöner Kontrapunkt ist zu den klassischen Vanitas-Motiven der vorhergehenden Zeilen.

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 14.06.2010 10:22 von ZaunköniG.)
04.06.2010 15:53
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Beiträge: 1.617
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #4
RE: William Shakespeare: 71
Hallo zaunkönig,

das ist die einzige Übersetzung, die ich im Urlaub zustande gebracht habe und dabei hatte ich mir soviel vorgenommen. Ich hatte meinen Shakespeare zwar dabei und hab auch fleißig drin gelesen, war aber schlicht zu faul, um mehr zu tun, als daran meine Freude zu haben.

Ich denke, das erste Quartett ist deshalb besser geworden, weil ich die Einschübe rausgenommen habe und den MAuern, die in der Ursprungsfassung reimgeschuldet dahergeklappert sind, einen eigenständigen Platz spendiert habe. Der Rest ist immer noch nicht so, wie ichs gern hätte, aber immerhin bin ich jetzt mit dem ersten Quartett zufrieden. Die Würmer krieg ich auf die Schnelle im Plural nicht rein, denkbar wäre aber " wo mich der Wurmfraß / Grabwurm findet", das ist jetzt aber nur ein Schnellschuß.

Den Lehm hatte ich mal drin, beim zweiten ÜBerarbeiten ist mir wohl das "pulvis, cinis et nihil" in die Quere gekommen.

"wise" empfinde ich als ironisch, deshalb habe ich "Neugier" gewählt. Wobei auch dein Ansatz nicht im Widerspruch steht. Ob nun die Welt sagt "das Leben geht weiter" oder "klagen ist sinnlos" ist doch eins?

Gruß

Sneaky

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
13.06.2010 12:54
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.974
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #5
RE: William Shakespeare: 71
Zitat:Ob nun die Welt sagt "das Leben geht weiter" oder "klagen ist sinnlos" ist doch eins?

Stimmt schon, aber die Neugier gibt dem ganzen einen seltsamen Dreh.
Ich denke, daß seine Trauer einfach aller Lebensweisheit widerspräche und daher dumm und lächerlich wäre.

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 14.06.2010 10:29 von ZaunköniG.)
14.06.2010 10:29
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.974
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #6
RE: William Shakespeare: 71
Ich habe hier noch eine ältere Version von '98 aus meinen Anfängen als Übersetzer:


Nein, trauer nicht, wenn ich gestorben bin
und wenn dereinst die Totenglocke klingt,
die dann der Welt erzählt, daß ich forthin
gegangen, Ihr mich zu den Würmern bringt.

Nein, wenn du diese Zeilen liest, besinn
dich nicht auf meine Hand, die es dir schrieb,
denn meiner Liebe gilt's nicht als Gewinn,
wenn als Erinnerung nur Schmerz verblieb.

O, wenn du nochmal diese Verse liest,
wenn ich längst neu vereint mit dieser Welt,
versuch, daß keine Träne du vergießt,
noch daß die Liebe gleich mit mir zerfällt,

damit die Welt nicht deine Trauer sieht,
nicht spottet, wenn ich schon vom Wind verweht.


LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
03.01.2011 12:00
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