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E. A. Robinson: En Passant
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.915
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #1
USA E. A. Robinson: En Passant
Edwin Arlington Robinson
1869 –1935 USA

En Passant

I should have glanced and passed him, naturally,
But his designs and mine were opposite;
He spoke, and having temporized a bit,
He said that he was going to the sea:

“I’ve watched on highways for so long,” said he,
“That I’ll go down there to be sure of it.”
And all at once his famished eyes were lit
With a wrong light – or so it was to me.

That evening there was talk along the shore
Of one who shot a stranger, saying first:
“You should have come when called. This afternoon

A gentleman unknown to me before,
With deference always due to souls accurst,
Came out of his grave – and not too soon.”



Im Vorübergehen


Ich hätt’s voraussehn können, nun, ok;
Sein Weg und meiner waren zu verschieden.
Er sprach. Urplötzlich, gänzlich selbstzufrieden,
erklärte er, er ginge nun zur See:

„Ich kenn’ die Straße, aber heute geh
ich doch zum Hafen, den ich sonst gemieden
um selbst zu seh'n.“ Und seine Augen sieden
bedrohlich, wenn ich sie rückblickend seh’.

Am Abend drang gerüchteweis vom Strand
daß jemand einen fremden Mann erschoß,
noch sagte: „Komm wenn du gerufen bist!

Heut traf ich jemand, mir noch unbekannt,
der Flüche still auf jede Seele goß.
Er stieg aus seinem Grab – zur rechten Frist."

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 20.08.2011 11:39 von ZaunköniG.)
08.07.2010 16:36
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Beiträge: 1.616
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #2
RE: E. A. Robinson: En Passant
Hallo Zaunköniog,

ich lass mal eine ungereimte Übertragung da, so wie ich das lese:

Ich hätte kurz schauen und an ihm vorbeigehen sollen, ganz natürlich /normal
Aber seine Pläne und meine waren gegensätzlich.
Er redete, und nachdem er eine kurze Zeit gezögert hatte
Sagte er dass er zum Meer gehen werde

Ich habe auf den Straßen so lange Ausschau gehalten
Dass ich nun hintuntergehe um sicher zu sein.
Und auf einmal leuchteten seine verhungerten Augen
In einem falschen Glanz – oder mir schien es (zumindest) so

Diesen Abend redeten sie an der Küste/am Ufer
Von einem der einen Fremden erschossen hatte, doch zuerst sagte er:
„Du hättest kommen sollen, als du gerufen wurdest. Diesen Nachmittag
Kam ein Gentleman, den ich zuvor nicht kannte,
mit der Ehrerbietung, die verfluchten Seelen immer zusteht
aus seinem Grab – und nicht zu bald.

Ich muss gestehen, dass mir der Witz an diesem Sonett nicht klar ist. Wenn z.B. die wörtliche Rede enden würde nach „You should have come when called“ wärs für mich einleuchtender. Dann hätte das LI in den letzten drei Zeilen eine Zusammenfassung gegeben. Aber da alles wörtliche Rede ist, weiß ich nicht, was da gemeint ist.

Gruß

Sneaky

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
09.07.2010 08:01
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.915
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #3
RE: E. A. Robinson: En Passant
Hallo Sneaky,

Ja ich habe auch einige Probleme mit dem Text.
In den ersten zeilen liegst du wohl richtig,
der Rest bleibt aber nach wie vor ziemlich rätselhaft.

Vor allem kann ich das Personal nicht recht einordnen:
Da sind in den Quartetten zunächst Lyrich und Passant,
in den Terzinen dann Mörder und Opfer.
Aber wer von beiden ist der Passant der ersten Zeilen?

Der bedrohliche falsche Glanz in seinen Augen, könnte darauf hinweisen, daß es der Mörder ist.
Der Gentleman wäre dann das Lyrich, der sich im letzten Moment "not too soon" noch entschlossen hat wenigstens zu grüßen und etwas Smalltalk zu führen.
Das Couplet wäre dann vielleicht nicht so zu lesen daß er seinem Grab entstiegen ist, daß da ein totgeglaubter plötzlich auftaucht, sondern daß der Passant dem Tod von der Schippe gesprungen ist.

Leider funktioniert nicht beides.
Da muß ich wohl noch öfter drüberlesen...


LG ZaunköniG

Andererseits ist der Passant fremd an der Küste (Zeile 5/6) und ist wohl unangemeldet dort aufgekreuzt, während der Mörder wohl in seinem Revier war, sonst machte die Aussage
“You should have come when called." wenig Sinn.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 20.08.2011 11:22 von ZaunköniG.)
09.07.2010 19:03
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.915
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #4
RE: E. A. Robinson: En Passant
Im Vorübergehen

Ich hätt vorbeigeh'n sollen, nun, ok;
doch sein und meine Pläne war'n verschieden.
Er sprach, obwohl er es zunächst vermieden,
er wolle nun hinunter an die See:

„Ich kenn’ die Straße, aber heute geh
ich doch zum Hafen. Ich bin erst zufrieden,
wenn ich ihn selbst seh.
“ Seine Augen sieden
bedrohlich, wenn ich sie rückblickend seh’.

Am Abend drang gerüchteweis vom Strand
daß jemand einen fremden Mann erschoß,
noch sagte: „Komm wenn du gerufen bist!

Heut traf ich jemand, mir noch unbekannt,
des Achtung jede dunkle Seel genoß,
entkam grad
seinem Grab – zur rechten Frist.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
18.07.2010 13:57
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.915
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #5
RE: E. A. Robinson: En Passant
Nur marginale Änderungen:


Im Vorübergehen

Ich hätt vorübergehen soll'n, ok;
doch sein und meine Pläne war'n verschieden.
Er sprach, obwohl er es zunächst vermieden,
er wolle nun hinunter an die See:

Ich sucht' die Strasse ab, doch heute geh
ich an den
Hafen. Ich bin erst zufrieden,
wenn ich ihn selbst seh.“ Seine Augen sieden
bedrohlich, wenn ich sie rückblickend seh’.

Am Abend drang gerüchteweis vom Strand
daß jemand einen fremden Mann erschoß,
noch sagte: „Komm wenn du gerufen bist!

Heut traf ich jemand, mir noch unbekannt,
der jeder dunklen Seel Respekt genoß,
der seinem Grab entkam
– zur rechten Frist."

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
20.08.2011 11:38
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