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E. A. Robinson: New England
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #1
USA E. A. Robinson: New England
Edwin Arlington Robinson
1869 –1935 USA

New England

Here where the wind is always north-north-east
And children learn to walk on frozen toes,
Wonder begets an envy of all those
Who boil elsewhere with such a lyric yeast

Of love that you will hear them at a feast
Where demons would appeal for some repose,
Still clamoring where the chalice overflows
And crying wildest who have drunk the least.

Passion is here a soilure of the wits,
We’re told, and Love a cross for them to bear;
Joy shivers in the corner where she knits

And Conscience always has the rocking-chair,
Cheerful as when she tortured into fits
The first cat that was ever killed by Care.


New England

Wo ein Nord-Ost stets durch die Straßen wischt
Und Kinder laufen auf erfrornen Zehen,
dort läßt ein Wunder nur noch Neid entstehen,
das anderswo mit liebevoller Gischt,

erwärmen kann. An Feiertagen zischt
ein Dämon, der von etwas Ruhe träumt,
still fluchend wenn der Kelch ihm überschäumt,
doch Heulen in die letzten Züge mischt.

Passion ist hier der Humus für den Geist,
sagt man; ein Kreuz wenn man die Liebe kriegt;
Behaglich, strickend sieht man sie zumeist;

Ein Schaukelstuhl der das Gewissen wiegt;
die, wie wenn man zu viel der Liebe gibt
die erste Katze oft zu Tode liebt.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 11.11.2010 19:02 von ZaunköniG.)
11.11.2010 19:02
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Beiträge: 1.615
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #2
RE: E. A. Robinson: New England
Hallo Zaunkönig,

schön, dass du mir das ins Gedächtnis gerufen hast. Ich hab an dem Text früher öfters geknabbert ohne dass etwas herauskam, diesmal hats zu einer Version gereicht. Die weicht allerdings vor allem in Q 2 weit von deiner LEsart ab. Aber ich glaube, da weicht deine Fassung zu weit vom Original ab.

Wo steter Nord-Nord-Ost bläst, Kinderzehen
die ersten Schritte kältestarr ertasten,
wird man bei jenen Neid auf Wunder sehen,
die andeswo so liebestoll zu Feiern hasten

dass selbst von dort, wo satt die Teufel rasten,
und Kelche schäumen ihre Schreie wehen,
es reiche nicht- hört, die am schlimmsten fasten
am lautesten um einen Nachschlag flehen.

Sie sagen dort, „Lust knebelt den Verstand,
Gefühle werden schnell ins Nichts zerstieben“.
Die Freude friert, man stickt mit steter Hand

am Anstand und ist noch vergnügt geblieben
wo gute Pflege erstmals Wege fand,
um eine Katze damit totzulieben.

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
12.11.2010 09:50
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #3
RE: E. A. Robinson: New England
Hallo Sneaky,

Ich habe mir deinen Kommentar mal zum Anlass genommen mir vor allem das zweite Quartett nochmal genauer anzusehen.
ich gebe zu, dass da noch einige Unsicherheiten sind, aber deinen Weg kann ich (noch) nicht mitgehen.
Vor allem störe ich mich am "fasten" in deiner Version. Im Gegensatz zu hungern" ist "fasten" ein willentlicher Vorgang. Deine Übersetzung bekommt dadurch etwas bigottes, was m. E. hier nicht gemeint ist.

ich lese den Abschnitt auf das raue Wetter bezogen, das selbst den Dämonen zu wild ist, daß ihnen der Kelch überschäumt. Und sie fluchen, weil zu viel von ihrem Gebräu daneben geht um es selbst genießen zu können.
Um meine Version dort näher ranzubringen müßte zunächst ich die Dämonen wieder ins Plural setzen.

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
13.11.2010 10:16
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #4
RE: E. A. Robinson: New England
Hallo Zaunkönig,

"Deine Übersetzung bekommt dadurch etwas bigottes, was m. E. hier nicht gemeint ist."

Genau das ist auch im Text gemeint, denke ich. Das kommt in den Terzetten sogar noch deutlicher zum Ausdruck.

Dein "Humus" bringt mich auf den Gedanken, dass du soilure mit soil verwechselt haben könntest. Soil ist Boden, soilure ist Fleck, Verschmutzung. Das Gedicht spielt meines Erachtens auf den Typus des Neuengländers an, dem wir im Gedicht über den Ahorn schon mal begegnet sind. Denen wird nachgesagt, dass sie maulfaul, zurückhaltend und selbstbeherrscht bis zu Gefühlslälte sind. Das scheint mir zumindest das Thema des Textes zu sein.

Gruß

Sneaky

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
14.11.2010 10:55
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 5.029
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #5
RE: E. A. Robinson: New England
Hallo Sneaky,

Ich sehe dort keine Bigotterie nach dem Schema Wasser predigen und wein Trinken sondern ganz im Gegenteil eine tatsächlich puritanische Strenge die sich alle menschliche Wärme als triebhaft verbietet.
In dem Punkt kann ich Dir also nicht folgen.
Mit dem Humus hast du aber wohl recht. Mal schauen, was ich mit der Stelle anfange.
Vielleicht so:

"Die Leidenschaft besudelt nur den Geist"
sagt man...

LG ZaunklöniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 14.11.2010 11:10 von ZaunköniG.)
14.11.2010 11:05
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