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Charlotte Smith: On Beeing Cautioned Against Walking on an Headland
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #1
GB Charlotte Smith: On Beeing Cautioned Against Walking on an Headland
Charlotte Smith
1749-1806 Großbritannien

On Beeing Cautioned Against Walking on an Headland
Overlooking the Sea, Because It was Frequented by a Lunatic


Is there a solitary wretch who hies
To the tall cliff, with starting pace or slow,
And, measuring, views with wild and hollow eyes
Its distance from the waves that chide below;

Who, as the sea-born gale with frequent sighs
Chills his cold bed upon the mountain turf,
With hoarse, half-uttered lamentation, lies
Murmuring responses to the dashing surf?

In moody sadness, on the giddy brink,
I see him more with envy than with fear;
He has no nice felicities that skrink
From giant horrors; wildly wandering here,

He seems (uncursed with reason) not to know
The depth or the duration of his woe.




Gewarnt vor einem Felsvorsprung über der See,
weil der von einem Lebensmüden aufgesucht wird.


Da ist ein Kerl, der zu den Klippen hastet,
verlangamt seinen Schritt, und schaut, und misst
mit einem rastlos leeren Blick, ertastet
den Abstand, wie tief wohl die Brandung ist.

Wer mag wohl in des Seewinds stetem Klagen,
der oft sein Bett im Hochlandgras verkühlt,
in dem die heiseren Lamentos lagen,
mit dieser Springflut sprechen die da wühlt?

Voll Schwermut steht er auf dem Fels entrückt.
Ich seh in ihm mehr bittren Wunsch als Bangen,
und nicht das kleinste Glück hält ihn zurück
vor diesem Grau'n. Jäh ist er's angegangen.

Gedankenlos, scheint er nicht zu verstehen
die Tiefe und die Dauer seiner Wehen.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 20.08.2014 18:08 von ZaunköniG.)
09.06.2010 10:03
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Silja Offline
Eleve
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Beitrag #2
RE: Ch. Smith: On Beeing Cautioned Against Walking on an Headland
Hallo Zaunkönig,

ein Lunatic ist keine Lebensmüder, sondern einfach ein Verrückter oder Geisteskranker. Und das schöne stimmungsvolle Sonett entstand, nachdem man ihr aus diesem Grund abgeraten hatte, dort auf den Klippen spazieren zu gehen. Es geht wohl nicht um einen so ganz speziellen Punkt in der Landschaft.

Zeile 1 beginnt also mit einer Frage, ob da ein unglücklicher Einsamer zu den Klippen geht. Lebensmüde scheint er mir allerdings nicht zu sein. Danach liegst du aber im Wesentlichen trotzdem richtig bis zur Zeile 10, wo sie ihn eher mit Neid als mit Furcht betrachtet. Und dass er nicht aufgrund von konventionellen Vorstellungen belastet ist. Das 'felicities' scheint hier eher einen negativen Beigeschmack zu haben und darüber muss man wohl etwas länger nachdenken, bis man ein passendes Wort gefunden hat. Er ist jedenfalls einfach wild umhergewandert und "scheint (da nicht mit Verstand geschlagen) die Tiefe und das Ausmaß seiner Wehen nicht zu begreifen.

Ich finde, vor allem diesen ironischen Unterton in der Klammer sollte man nicht unterschlagen, denn der gibt der ganzen Einstellung eine bestimmte ironische Färbung.

Deine Übertragung ist also über weite Strecken gelungen, aber diese Feinjustierung solltest du wohl noch vornehmen.

LG Silja
10.06.2010 12:37
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 5.026
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #3
RE: Ch. Smith: On Beeing Cautioned Against Walking on an Headland
Hallo Silja,

Auch mein Dix gibt für Lunatic nur "wahn-, irrsinnig, geisteskrank. Sah aber hier eher den spezialfall einer depressiven Erkrankung, obwohl -

Wenn ich die "Luna" in Lunatic ernst nehme scheint vielleicht ein Schlafwandler (Mondsüchtiger) gemeint zu sein.

Da passt dann auch der leere Blick und die Klammer wäre auch nicht ironisch sondern wortwörtlich zu verstehen.


LG ZaunköniG

Die Gedanken auszuformulieren wird noch etwas dauern.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
10.06.2010 18:04
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Silja Offline
Eleve
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Beiträge: 464
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #4
RE: Ch. Smith: On Beeing Cautioned Against Walking on an Headland
Lunatic war zumindest früher das gewöhnliche Wort für Geistesgestörte. Du hast natürlich Recht, dass man auch heute noch Depressionskranke ebenfalls in eine Nervenheilanstalt (lunatic asylum) einweist, und da ist der Gedanke zum Lebensmüden dann nicht so weit weg.

Aber hier in dem Sonett sehe ich das nicht so. Da streicht ein Geisteskranker (Verrückter) durchs Gelände, vor dem man sich in Acht zu nehmen hat, da er womöglich unberechenbar und gefährlich ist. Darum wurde sie gewarnt, da nicht hinzugehen.

Die Ironie in der Klammer liegt in dem Wort "un-cursed", das besagt, dass der Verstand auch manchmal eine Belastung, geradezu ein Fluch, sein kann. Und diese ungewöhnliche Anschauung muss man meiner Ansicht nach hier unbedingt irgendwie mit hereinbringen. Denn wie in Zeile 10 erwähnt, beneidet sie ihn auch ein wenig um sein "sorgenfreies" Dasein.

LG Silja
11.06.2010 06:40
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #5
RE: Ch. Smith: On Beeing Cautioned Against Walking on an Headland
Hallo Silja,

Wenn du es Ironie nennen magst; Ich denke schon daß sie es ganz ernst meint, daß sie ihre Grübeleien selbst als Grund für ihre gedrückte Stimmung nimmt. Vor deinem letzen Post hatte ich schon eine Version mit Mondsüchtigem erstellt.
Aber ich kann auch deinen Standpunkt nachvollziehen. Es wird wohl nicht die letzte Fassung sein.

LG ZaunköniG



Gewarnt vor einem Felsvorsprung über der See,
weil der von einem Mondsüchtigen aufgesucht wird.


Ist er allein, der zu den Klippen hastet,
dort innehält, hinausschaut, wortlos misst
mit einem leeren Blick und sich
ertastet
den Abstand, wie tief wohl die Brandung ist.

Wer mag wohl in des Seewinds stetem Klagen,
der oft sein Bett im Hochlandgras verkühlt,
in dem die heiseren Lamentos lagen,
mit dieser Springflut sprechen die da wühlt?

Voll Schwermut seh ich ihn am Fels entrückt
und fühle in mir eher Neid als Bangen.
Kein noch so kleines Glück hält ihn zurück
vor diesem Grau'n. Jäh ist er's angegangen.

Er scheint (Bewußtlos) gar nicht zu verstehen
die Tiefe und die Dauer seiner Wehen.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
11.06.2010 17:07
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Beiträge: 1.615
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #6
RE: Ch. Smith: On Beeing Cautioned Against Walking on an Headland
Hier mal mein Versuch:


Ist dort ein Spinner, der - bald Schritt, bald Trab -
hinaufeilt und von jener Felsennadel
mit hohlen Blicken misst, wie weit hinab
es geht zum Wellengang und seinem Tadel;

der, während ihm der Sturm von See sein Bett
im Gras vereist , dort liegt, das Meer belauscht,
und mit den Gang der Wellen im Duett
Klage und Gegenklage heiser tauscht?

Tief in sich brütend dort am Felsenrand,
seh ich ihn - mehr von Neid als Furcht erfüllt -
ihn nimmt kein laues Fühlen bei der Hand
nach hinten, weg vom Abgrund, der dort brüllt.

Er scheint (nicht mit Vernunft geschlagen) bloß
zu sein vom Wissen um sein Schreckenslos.

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
12.06.2010 15:15
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #7
RE: Ch. Smith: On Beeing Cautioned Against Walking on an Headland
Hallo Sneaky,

Den Spinner hast du anscheinend aus der Überschrift in die erste Zeile gezogen; Das ist aber nicht die Aussage der Erzählerin, die durchaus Sympathie und Verständnis aufbringen kann.
Bei einer Felsennadel denke uich eher an einen Fels, der aufrecht aus der Landschaft ragt, den man vielleicht hinaufeilen kann aber sicher nicht in Schritt oder Trab.
In Zeile 4 finde ich das chide mit Tadel nicht geschickt übersetzt. Bei dem Brandungsbild kann sich das Schelten nur auf die Geräuschkuliise beziehen, während der Tadel doch eine eher zivilisierte Frm der Kritik ist, mit erhobenem Zeigefinger oder so.
Klage und Gegenklage fällt für mich deutlich aus dem Rythmus,

auch die Terzinen finde ich sprachlich ziemlich sperrig geraten.

Ein Schnellschuß? Das kannst du aber sicher noch deutlich verbessern.

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
12.06.2010 18:11
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #8
RE: Ch. Smith: On Beeing Cautioned Against Walking on an Headland
Hallo zaunkönig,

das Original scheint mir auch mehr ironisch gefärbt zu sein, ich sehe das ähnlich wie Silja. Lunatic sehe ich weniger als mondsüchtig, sondern als irr, wo daher ist der Spinner eigentlich zu wenig. Da wird ja auch nicht der Irre beschrieben, vor dem gewarnt wird, sondern das ist allein das Bild, das die Verfasserin ironisierend auf diese Warnung hin sich ausdenkt.

"Schritt und Trab" ist natürlich irreführend. Als ich das verwendet habe, habe ich nicht an ein Pferd gedacht, mit dem raufgeritten wird, sondern ans Laufen, auch da gibts den Ausdruck. Aber klar, mit deiner Anmerkung seh ich das Missverständnis.

chide kannte ich als sanften Tadel, ohne nachgeschlagen zu haben, habe aber noch mals nachgeschaut. Das gibts in der Bedeutung, von daher seh ich das eher unproblematisch.

Ob ich da nachbessern kann, weiß ich Moment noch nicht. Frau Smith finde ich ziemlich schwergängig zu übersetzen, ich lass das mal absacken und schau mir das in nächster Zeit noch ein paarmal an. Vielleicht kann ich da nachlegen.

Gruß

Sneaky

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
13.06.2010 12:43
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