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And were I but a dot
Santor Offline
Hobby-Autor
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Beiträge: 15
Registriert seit: Jul 2010
Beitrag #1
And were I but a dot
Hallo,
ich darf mich kurz vorstellen: ich schreibe seit ca. 30 Jahren Gedichte, wobei mir immer wieder auch ein Sonett passiert. Es ist schön zu sehen, dass hier eine community existiert, die sich dieser Form annimmt!
Nun hat es sich ergeben, dass ich in ganz anderem Zusammenhang auch englische Texte verfassen kann/darf und ich möchte daher in nächster Zukunft auch Sonette in englischer Sprache schreiben (bzw. eventuell einige meiner deutschsprachigen übersetzen). Da ich allerdings nicht wirklich firm bin in dieser Sprache, würde ich mich sehr über Rückmeldungen freuen!

Andreas
Und hier gleich mein erstes "Werk"


And were I but a dot

You are away. The hour has lost it’s pace.
and teary trices trickle through my skin.
Wherever turns my gaze to: dreary space,
a drop with neither ending nor begin.

You should be here, you promised me! My vice
is just: my trust, my hope, my heartsbeat’s chime!
And were I but a dot it would suffice:
You are, beloved, my very space and time.

But then I see you coming from afar,
a brand new spark within begins to shine
and nearer still you come and there you are:
There is no brighter joy than to divine

the huge new universe, that will arise,
the minute moment you look in my eyes.
30.07.2010 04:35
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.961
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #2
RE: And were I but a dot
Hallo Santor,

So ganz sattelfest bin ich im Englischen auch nicht, aber das sieht doch ganz gut aus.
nur in Zeile 2 finde ich es ein merkwürdiges Bild, daß traurige Momente durch deine Haut rieseln. Meintest du da "durch den Kopf"
Sehr schone T-Alliterationen! Die untermalen gut das Sekundenticken, das ich mir an der Stelle vorstelle.

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
30.07.2010 18:23
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Santor Offline
Hobby-Autor
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Beiträge: 15
Registriert seit: Jul 2010
Beitrag #3
RE: And were I but a dot
hi, vielen Dank für die rasche Rückmeldung!

Die Idee in Zeile 2 war sinngemäß: "Augenblicke sickern/rieseln wie (traurige) Tränen durch meine Haut" - sozusagen als zu Tropfen geronnene Zeitfragmente.

Vielleicht ist das Bild zu "komplex" - aber schon wegen der auch von Dir kommentierten Alliteration denke ich, dass man es so lassen kann.

Nochmals vielen Dank!

Kurze Frage: Bei kurzen Fragen wende ich mich wo an wen?

Andreas
30.07.2010 18:52
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.961
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #4
RE: And were I but a dot
Hallo Santor,

Zitat:Die Idee in Zeile 2 war sinngemäß: "Augenblicke sickern/rieseln wie (traurige) Tränen durch meine Haut"

Naja, zumindest im Deutschen klingt das schon etwas seltsam für mich, vielleicht weil die Fließrichtung der Tränen quasi umgekehrt wird.
Ok, "durch den Kopf" fließen sie auch nicht, Redewendungen sind nicht immer ganz logisch.
Im Grunde muß das ein Muttersprachler beurteilen.

Bei technischen Fragen zum Forum wendest du dich am besten an mich,
entweder in der Rubrik "Technischers und Organisatorisches" oder per PN.

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
30.07.2010 19:18
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Santor Offline
Hobby-Autor
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Beiträge: 15
Registriert seit: Jul 2010
Beitrag #5
RE: And were I but a dot
Ja, auf Deutsch klingt es in der Form seltsam - ich arbeite gerade (auch) an einer deutschen Version, mal sehen was dabei herauskommt. Die Idee ist jedenfalls, das Augenblicke sozusagen eine nasse und traurige Qualität haben (können), die es ihnen ermöglicht durch die Haut (als Schutz vor der Außenwelt gedacht) zu sickern. Bzgl. Muttersprachler habe ich Deinen Vorschlag gerne angenommen: Ich lass das ganze Ding im Moment in einem englischen Forum auf Tauglichkeit checken. Wenn es dann fertig ist, werde ich mir erlauben, die finale Version hier nochmals zu posten.
Danke auch für die Info, wohin ich mich mit Fragen wenden darf.
Ich habe jetzt ein bisschen Zeit gehabt, mich hier "umzutun": verlegst Du auch Sonnette, die sich hier "zusammensammeln"?

lg Santor
31.07.2010 04:49
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.961
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #6
RE: And were I but a dot
Hallo Santor,

"durch den Kopf" fände ich wohl eleganter, weil dabei jeder an "durch die Gedanken" denkt.
Aber du willst es wohl plastischer. Da würde ich vielleicht auf den ganzen Körper beziehen:
"tropfen durch meinen Körper" oder "durchrieseln mich" "durchschauern mich" o. ä.

Da fällt mir noch auf:
Die Schlußzeile bricht aus dem Jambus aus,
Ich bin mir auch nicht sicher ob die doppelte Zeitangabe "minute moment" sauberer Stil ist.
Aber warten wir mal ab was die Experten sagen.
Es gibt übrigens auch ein englisches Sonettforum: http://thesonnetboard.yuku.com/, du scheinst noch etwas anderes gefunden zu haben?


Zwei Sonettanthologien zu englischen Romantikern und Viktorianern sind hier im Forum entstanden.
Ich habe allerdings nur einen Mini-Verlag, neben meinem erwerbsjob, daß ich solch ein Projekt nicht jedes Jahr stemmen kann.

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 31.07.2010 08:24 von ZaunköniG.)
31.07.2010 07:16
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Beiträge: 1.617
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #7
RE: And were I but a dot
Hallo Santor,

ich bin auch kein Muttersprachler, aber deinem Plural "trices" traue ich nicht so ganz. Die gebräuchliche Verwendung wäre "in a trice", ich hab die Pluralmeldung trotz vielen Lesens bisher nie gesehen. Beim ersten Lesen dachte ich du hättest dich vertippt und habs als "traces / Spuren" gelesen, was wenig(er) sinn gemacht hätte.

Manche Apostrophe hast du glaube ich nicht richtig gesetzt: it's ist eine Verkürzung von it is, während die besitzanzeigende Variante m.E. its' sein müsste.

Hier reite ich mein persönliches Steckenpferd, wenn ich sage dass ich Satzumstellungen einfach furchtbar finde:
"Wherever turns my gaze to" Sehr unschöne Stelle.
"heartsbeat’s" würde ich für "heartbeats' chime" plädieren.

vice and suffice reimt sich nicht wirklich, ist nur ein Augenreim. Erinnert aber an Frosts berühmtes Gedicht fire and ice, wenn Frost das durfte, dürfen wir armen Sterblichen das auch.

a brand new spark within begins to shine

Ob ein Funke wirklich schon leuchten kann? Eher gkühen, meinst du nicht?

"you look in my eyes"
Müsste mE into heißen.

Das klingt nun wohl nach einem schweren Verriss. Das solls nicht sein, lediglich dir die Punkte aufzeigen, die mir suspekt erscheinen.

Insgesamt finde ich das eine ziemlich reife Leistung.

Gruß

Sneaky

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
31.07.2010 09:54
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Santor Offline
Hobby-Autor
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Beiträge: 15
Registriert seit: Jul 2010
Beitrag #8
RE: And were I but a dot
Hi, vielen Dank für Eure ausführlichen Stellenungnahmen und Infos.
Ich habe nach reichlichem Hin- und Hergeposte in besagtem englischen Forum eine finale Version zustande gebracht, welche einige Eurer Einwände berücksichtigt.
Ich nehme daher nur zu Punkten Stellung, welche darüber hinaus gehen.
Ad ZaunköniG
Ich finde das Durchbrechen der Haut-Barriere als etwas kraft- bzw. schmerzvolleres Bild, als das durch den Körper Gehen - klarerweise eine poetische Lizenz, die ich mir erlaube.
Die Schlusszeile bricht NICHT das Vermaß, es hängt von der Betonung ab. the minute moment you look in my eyes.
Klarerweise kann man darüber diskutieren, ob so eine Betonung zulässig ist, aber Shakespeare hat z.B. durchaus auch in dieser Weise agiert, also dachte ich, ich darf das auch. Speziell weil der Akzent am you ja auch inhaltlich gerechtfertigt ist.
Die Geschichte mit "minute moment" ist schon subtiler, da minute eben auch "kurz" im Sinne "von kurzer Dauer" heißen kann. Abesehen davon hats mir gefallen - weil ja die Klammer zur hour in der ersten Zeile gegeben ist.

Und danke für die Info bzgl. Deiner Verlagstätigkeit!

Ad sneaky
Erst mal Hallo!
Vorab: wenn Kritik nicht zum Ziel hat, den oder die Kritisierte/n bewusst zu kränken, bewusst irre zu führen oder aber nur der Erhöhung des eigenen Egos dient ("Ich kann es eben doch besser"), sondern einen ehrlichen Versuch darstellt, sich mit einer fremden Arbeit konstruktiv oder aber kommentativ auseinanderzusetzen, sollte sie immer willkommen sein.
Ich stehe als Autor auf dem Standpunkt, dass man entweder Kritik vollständig ignoriert bzw. gar nicht erst provoziert (d.h. z.B. nicht in Foren postet) oder dass man mit dem nötigen Gleichmut und der entsprechenden Offenheit damit umgeht.
Insofern, Danke für Deine Rückmeldung!
Ist schon richtig, der Plural von trice wird praktisch nicht verwendet, aber er ist grammatikalisch korrekt und die Engländer meinten auch, dass die längere Alliteration die Verwendung so rechtfertigt.
Auch wenn ich - speziell in gebundener Sprache - Deine Meinung bzgl. Satzumstellung in der Allgemeinheit überhaupt nicht teile, in diesem Fall hat sich die Zeile geändert - vielleicht gefällt sie dir ja besser.
Die mehrfachen Herzen sind verschwunden.
Äh, ich mag mich täuschen aber "vice" und "suffice" sind NICHT nur ein Augenreim. Die Dinger passen m.E. (aber natürlich gilt bei englischen Sonetten das Augenreim-Lizenz Argument grundsätzlich)
Dass ein "Funke" "scheint", der nachher zu einem ganzen Universum wird, halte ich von der Leuchtkraft her für angemessen. Ein "Glühen" wäre mir da zu wenig gewesen.
Into bei den Augen wäre korrekt, aber, was soll ich machen, keine Silbe mehr frei ;-)
Danke nochmals euch beiden!
Und hier die finale Version:

And were I but a dot

You are away. The hour has lost its pace
and teary trices trickle through my skin.
Wherever turns my gaze looms dreary space,
a mace, that mirrors me as waxen twin.

You should be here, you promised me! My vice
is just: my trust, my hope, my heartbeat’s chime.
And were I but a dot it would suffice:
You are, beloved, my very space and time.

But then I see you coming from afar,
a brand new spark within begins to shine
and nearer still you come and here you are!
There is no brighter joy than to divine

the huge new universe, that will arise,
the minute moment you look in my eyes.

Santor
01.08.2010 14:55
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.961
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #9
RE: And were I but a dot
Hallo Santor,

Gut, daß du in deiner Stellungname auch etwas zu deiner Motivation gesagt hast, manche Meinungsunterschiede werden dadurch erklärlich.

Daß Thema Trauer ist bei mir nicht mit "Kraft" assoziiert, sondern eher mit Tristess, zumal zu auch eine Regenmetapher verwendest.
Wenn du den Gewaltaspekt, der Schmerz einer Trennung herrausheben willst, dann könnten die Minuten die Haut statt durchrieseln auch z. B. durchschlagen.

Zur Betonung der Schlußzeile:
Bei einsilbigen Worten kann man den Satz fast beliebig betonen. Beim gedruckten Wort stellt sich allerdings die Frage, wie es der Leser intuitiv erfasst.
Da solltest du im Zweifelsfall den Muttersprachlern vertrauen, aber du kannst, um auf Nummer sicher zu gehen, das "you" auch typografisch hervorheben.

Daß dein Funke scheint oder leuchtet ist für mich übrigens ganz natürlich: Auch der kleinnste Funke ist selbst eine Lichtquelle, die Intensität darf durchaus subjektiv beschrieben werden.

"minute moment":
Wenn mich jemand bei der Arbeit mit einer Frage an mich herantritt, und ich mit "eine Minute" antworte, ist das synonym für "einen Moment" gemeint. Auch kann ich mir vorstellen daß ein Minutenpudding in kurzer Zeit fertig ist. ich würde die Begriffe dennoch nicht kombinieren, ist aber eher Bauchsache und mag im Englischen anders gehandhabt werden.

Übersetzt Du eigentlich auch in die Gegenrichtung?


LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
01.08.2010 16:19
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Santor Offline
Hobby-Autor
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Beiträge: 15
Registriert seit: Jul 2010
Beitrag #10
Re: And were I but a dot
Hallo ZaunköniG,
nochmals danke für Deine Bemühungen!
Selbst auf die Gefahr hin als I-Tüpfel-Reiter zu gelten: Bzgl. "the minute moment": also das kann - auch nach Rücksprache ihm Englischen Forum - durchaus synonym zu "the very moment", also "genau in dem Moment" gelesen werden - die textliche "Minute" schwebt also quasi über dem Augenblick.
Wenn Du mit "Übersetzt Du eigentlich auch in die Gegenrichtung?" meinst, ob ich von Deutsch nach Englisch übersetze (da ich ja das gegenständliche Sonett in Englisch geschrieben habe und vorhabe es ins Deutsche zu übersetzen), eigentlich (noch) nicht - das ist noch einen Grad schwieriger. Aber ich habe den Versuch mit einem deutschen Sonett von mir schon einmal unternommen, hier die beiden Sprach-Versionen:


Weg

Wir halten still und haben keine Hände
dies Sein zu greifen, das sich uns entzieht.
Wir ahnen kaum, was ist und was geschieht,
wir sind, nicht mehr; ein Suchen ohne Ende.

Und um uns nichts als spiegelndes Gelände,
ein Bild, das, kommt man näher, ewig flieht,
denn das, was uns im Kern gestaltet, sieht
doch immer wieder fleischbestimmte Wände.

Ich bin was war und werde wieder gehen
und nur ein Du erschafft Beständigkeit
für einen Blick, den wir einander teilen.

Die Dämmerung am Rand des Morgens sehen,
einmal auf diesem Weg in dieser Zeit
und dann mit Dir dort staunend, stumm verweilen.

Path

We’re holding still and do not have a hand
to grab this being, that eludes our mind.
What is, what happens: that we will not find.
We are, no more: a search that has no end.

And all around us a reflecting band,
an ever fleeing image, far behind.
Because what shapes us in the heart, is blind
and sees but flesh and blood created land.

I am, what was, already getting dim.
A You alone creates me in your eye
while sharing just one glance without a flaw.

To see just once the dawn at Morning’s rim
while on this path and in this moment’s sigh,
to stay with you there silently, in awe.

Leider habe ich mich zum Zeitpunkt der Übersetzung noch nicht dahingehend informiert gehabt, dass im Englischen die Shakespeare Form des Sonnettes üblicher ist - daher ist es auch Petrarca.


Lg Santor
02.08.2010 02:49
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