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Santor: Weg
Santor Offline
Hobby-Autor
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Beiträge: 15
Registriert seit: Jul 2010
Beitrag #1
GB Santor: Weg
ausgegliedert aus "And were I but a dot"

Hallo ZaunköniG,
nochmals danke für Deine Bemühungen!
Selbst auf die Gefahr hin als I-Tüpfel-Reiter zu gelten: Bzgl. "the minute moment": also das kann - auch nach Rücksprache ihm Englischen Forum - durchaus synonym zu "the very moment", also "genau in dem Moment" gelesen werden - die textliche "Minute" schwebt also quasi über dem Augenblick.
Wenn Du mit "Übersetzt Du eigentlich auch in die Gegenrichtung?" meinst, ob ich von Deutsch nach Englisch übersetze (da ich ja das gegenständliche Sonett in Englisch geschrieben habe und vorhabe es ins Deutsche zu übersetzen), eigentlich (noch) nicht - das ist noch einen Grad schwieriger. Aber ich habe den Versuch mit einem deutschen Sonett von mir schon einmal unternommen, hier die beiden Sprach-Versionen:


Weg

Wir halten still und haben keine Hände
dies Sein zu greifen, das sich uns entzieht.
Wir ahnen kaum, was ist und was geschieht,
wir sind, nicht mehr; ein Suchen ohne Ende.

Und um uns nichts als spiegelndes Gelände,
ein Bild, das, kommt man näher, ewig flieht,
denn das, was uns im Kern gestaltet, sieht
doch immer wieder fleischbestimmte Wände.

Ich bin was war und werde wieder gehen
und nur ein Du erschafft Beständigkeit
für einen Blick, den wir einander teilen.

Die Dämmerung am Rand des Morgens sehen,
einmal auf diesem Weg in dieser Zeit
und dann mit Dir dort staunend, stumm verweilen.

Path

We’re holding still and do not have a hand
to grab this being, that eludes our mind.
What is, what happens: that we will not find.
We are, no more: a search that has no end.

And all around us a reflecting band,
an ever fleeing image, far behind.
Because what shapes us in the heart, is blind
and sees but flesh and blood created land.

I am, what was, already getting dim.
A You alone creates me in your eye
while sharing just one glance without a flaw.

To see just once the dawn at Morning’s rim
while on this path and in this moment’s sigh,
to stay with you there silently, in awe.

Leider habe ich mich zum Zeitpunkt der Übersetzung noch nicht dahingehend informiert gehabt, dass im Englischen die Shakespeare Form des Sonnettes üblicher ist - daher ist es auch Petrarca.


Lg Santor
02.08.2010 02:49
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 5.323
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #2
RE: Santor: Weg
Hallo Santor,

Ich habe inzwischen das Englishforum entdeckt und deine Übersetzung einer deutschen Ballade ins Englische.
Mit der Gegenrichtung meinte ich eigentlich Englisch-Deutsch. Sorry, da habe ich mich ungeschickt ausgedrückt.

Aber an dieser Stelle erstmal zu diesem Text:

Etwas seltsam finde ich die fleischbestimmten Wände, ansonsten ist das eine solide Leistung.
Und Hut ab vor deiner Übertragung, auch daß du den Vierfachreim erhalten hast.
Die Zeile 8 scheint mir in der Übertragung klarer zu sein als im Original; Es wäre erwägenswert da vielleicht auch die deutsche Fassung anzupassen
etwa:

nur immer blut- und fleischerschaffne / -gewordne Länder


LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
02.08.2010 09:01
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Santor Offline
Hobby-Autor
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Beiträge: 15
Registriert seit: Jul 2010
Beitrag #3
RE: Santor: Weg
Hallo ZaunköniG,
wenn ich gewusst hätte, dass Du Dich für meine sprachlich inferioren Kommunikationsversuche in dem englischen Forum interessierst, hätte ich den Link dorthin natürlich gepostet ;-)
Die "fleischbestimmten Wände" sind mir einfach wichtig - es ist eine human-ontologische-epistemologische Aussage für mich, d.h. das was uns ausmacht, bestimmt was wir letztlich wirklich erkennen können, nämlich eben nur die von uns erzeugten Abbilder (=Wände), die durch unser materielles Sein bedingt, determiniert sind (=fleischbestimmt).
Insofern will ich davon nicht abrücken.

Danke für Deine freundlichen Worte!

Englisch-Deutsche Übersetzungen (von Gedichten) habe ich bislang eigentlich noch nicht gemacht. Außer eben das oben gepostete von mir selbst.

lg Santor
02.08.2010 14:22
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 5.323
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #4
RE: Santor: Weg
Hallo Santor,

Die Wand ist aber nicht das Bild, sondern die Projektionsfläche. Es wäre wohl eher ein fleischlicher Filter der bestimmt, was wir sehen können.
Hinzu kommt, daß du "Fleisch" offenbar Synonym zu "Leib" gebrauchst. In Wendungen wie "mein Fleisch und Blut" ist zwar der ganze Körper gemeint, auch ohne Knochen, Haut und Haar explizit aufzuführen, - beim Begriff "Fleisch" alleine, denke ich aber an bestimmte Gewebearten, darunter nicht in erste Linie die Augen.

Zitat:Leider habe ich mich zum Zeitpunkt der Übersetzung noch nicht dahingehend informiert gehabt, dass im Englischen die Shakespeare Form des Sonnettes üblicher ist - daher ist es auch Petrarca.

Wieso das? Mal abgesehen davon, daß auch in englischsprachigen Sonetten durchaus recht häufig das italienische Reimschema verwendet wird - Kaum jemand käme auf den Gedanken für eine deutsche Übertragung eines Shakespeare-Sonettes das italienische Schema zu verwenden nur weil es in Deutschland gebräuchlicher ist.
Bei Übertragungen sollte vor allem das Original der Maßstab sein; das hast du schon richtig gemacht!

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
03.08.2010 10:18
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Santor Offline
Hobby-Autor
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Beiträge: 15
Registriert seit: Jul 2010
Beitrag #5
RE: Santor: Weg
Du hast mit Deinen Bemerkungen zu dem Bild "fleischbestimmte Wände" sicherlich nicht unrecht - ich mag diese Sprachfigur einfach ;-)
Bzgl. Sonett-Form: Vielleicht hätte ich eher von Nachdichtung als von Übersetzung sprechen sollen - freilich stimmt es, dass beide Typen in beiden Sprachen gebräuchlich sind. Letztlich ist es (auch) eine Geschmackssache - mir persönlich gefällt das Terzett als Haupt-Raum für die Synthese besser (nicht so "limerickig").
lg Santor
03.08.2010 12:48
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