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Charles Baudelaire: Tristesse de la Lune
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.974
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #1
Frankreich Charles Baudelaire: Tristesse de la Lune
Charles Baudelaire
1821 - 1867 Frankreich


Tristesses de la lune

Ce soir, la lune rêve avec plus de paresse;
Ainsi qu'une beauté, sur de nombreux coussins,
Qui d'une main distraite et légère caresse
Avant de s'endormir le contour de ses seins,

Sur le dos satiné des molles avalanches,
Mourante, elle se livre aux longues pâmoisons,
Et promène ses yeux sur les visions blanches
Qui montent dans l'azur comme des floraisons.

Quand parfois sur ce globe, en sa langueur oisive,
Elle laisse filer une larme furtive,
Un poète pieux, ennemi du sommeil,

Dans le creux de sa main prend cette larme pâle,
Aux reflets irisés comme un fragment d'opale,
Et la met dans son coeur loin des yeux du soleil.




Lunas Melancholie

Der Mondin Traum speist sich aus müßigeren Launen.
Wie eine Schöne, deren nachlässige Hand
in ihrem Schlummerpfuhl aus ungezählten Daunen
den Umriss ihres hinsiechenden Busens fand.

Auf den gebauschten Rücken seidiger Lawinen
dahinzudämmern, überläßt sie sie den Träumen.
Die Augen fliehen, denen Schemen bleich erschienen,
durch Sterne, auf dem Himmelsblau wie Blütenschäume.

Wenn sie aus dieser müden Sphäre manche Male
mit einer ausgelösten Träne kühl umwirkt
die hohle Hand des frommen Dichters, birgt
er, Feind des Schlafes, sie gerührt und fasziniert
vom blassen Schimmer irisierender Opale
im Herz, wohin kein Sonnenstrahl sich je verliert.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 25.11.2010 09:03 von ZaunköniG.)
29.09.2010 09:52
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Silja Offline
Eleve
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Beiträge: 464
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #2
RE: Charles Baudelaire: Tristesse de la Lune
Hallo Zaunkönig,
wie schön, mal wieder ein französisches Sonett von dir zu lesen.

Im wesentlichen hast du die Übertragung auch gut hingekriegt. Etwas befremdlich finde ich aber den "hinsiechenden Busen". Vermutlich ist das deine Übersetzung von 'mourante', also 'sterbend', von Zeile 6. Das bezieht sich allerdings nicht auf den Busen, sondern auf die Schöne selbst, die sich da beim Einschlafen (und darum würde ich das 'sterbend' auch nur bildlich verstehen) mit leichter Hand gedankenverloren über den Busen fährt. Auch schon den "Schlummerpfuhl" finde ich etwas negativ belastet. Statt 'ungezählten' könntest du ja auch 'aufgetürmten' nehmen, was dann noch etwas näher am Original wäre.

In Zeile 6 sollte es wohl auch 'überlässt sie SICH den Träumen' heißen, und die Augen 'fliehen' eigentlich nicht, sondern spazieren eher ganz gemütlich. Das Fliehen ergibt ein anderes Bild.
Und die Sterne hast du hinzuerfunden. Die passen zwar nicht schlecht, aber andererseits hättest du sonst Platz für das Aufsteigen (montent), was für deine Blütenschäume doch auch schön und passend wäre. Meinst du nicht?

Aber das ist dann auch schon alles. Also nur eine kleine Politur, und dann hast du eine gelungene Übertragung.

LG Silja
29.09.2010 12:11
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
****

Beiträge: 4.974
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #3
RE: Charles Baudelaire: Tristesse de la Lune
Hallo Silja,

Vielen Dank für deine Anmerkungen. "Schlummerpfuhl" ist dir zu negativ? Die dunklen Vokale sollten das dumpfe dahindämmern auch lautmalerisch unterstreichen, aber vielleicht liest du auch eine ganz andere Stimmung heraus. Ich denke, daß sie selbst gar keinen Blick für diese Blütenschäume hat.
Das hängt wohl auch davon ab, welche Wolken man vor Augen hat.
Apropos: Ich denke hier an Schäfchenwolken und kleinere Cumulus, die auch großflächig selbst vom schwachen Mondlicht beleuchtet werden können. "Aufgetürmte" (Türme sind höher als breit) Wolken sind dafür wohl zu kompakt und würden als Gewitterwolken eine dramatischere Atmosphäre erzeugen. Daher hielt ich es eher für ein Synonym für eine größere Menge, so wie wir bildlich auch von einem Haufen reden, auch wenn die Menge nicht so angeordnet ist. angehäufte Daunen?

Liebe Grüße
ZaunköniG


Lunas Melancholie


Der Mondin Traum speist sich aus müßigeren Launen.
Wie eine Schöne, deren nachlässige Hand
in ihrem Schlummerpfuhl aus angehäuften Daunen
ersterbend matt den Umriss ihres Busens fand.

Auf den gebauschten Rücken seidiger Lawinen
dahinzudämmern, überläßt sie sich den Träumen.
Die Augen schweifen, denen Schemen bleich erschienen,
im Himmelsblau durch aufsteigende Blütenschäume.

Wenn sie aus dieser müden Sphäre manche Male
mit einer ausgelösten Träne kühl umwirkt
die hohle Hand des frommen Dichters, birgt
er, Feind des Schlafes, sie gerührt und fasziniert
vom blassen Schimmer irisierender Opale
im Herz, wohin kein Sonnenstrahl sich je verliert.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
01.10.2010 17:04
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