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Liebes Sonett! (Schweifsonett)
gitano Offline
Stift
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Beiträge: 37
Registriert seit: Apr 2010
Beitrag #1
Liebes Sonett! (Schweifsonett)
anstatt zu schlafen

Wohin wenn nicht zu Deinem Herzen?
Es wär so schön, die Verse vorzutragen!
Sie fragen Dich die Frage aller Fragen:
Bin ich Dein Mann in Freude und -auch Terzen?

Ich würde Monteverdi lauthals singen
Für Dich, das nessun dorma: Deine Krone!
Und alle Welt erblasste: Ups, nicht Ohne
die Liebe sei der Geist in allen Dingen!

Doch wird Dein Busen hart verknebelt
In Reim und Vers gemiedert halb vernebelt
Nur röcheln könnte Deine Lust und Stammeln

wo sich die Winde Heras höllisch sammeln,
erfaßt mich Angst und Schrecken von Plutarch:
„Die Welt holt Atem in der Nacht“ und schnarcht!
Vielleicht wird mich Moral jetzt strafen
ich verslustierte mich bei Dir- anstatt zu schlafen?
22.10.2010 01:10
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.996
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #2
RE: Liebes Sonett!
Hallo Gitano,

In deinem Sonett steckt manche witzige Idee, es wird für mich aber nicht ganz klar, wer da eigentlich angesprochen wird.

Im Titel sprichst du das Sonett selbst an, aber wie ist dann die erste Strophe zu verstehen?
Dort scheint das Sonett eher Medium zu sein, aber zu wem?

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
23.10.2010 09:00
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gitano Offline
Stift
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Beiträge: 37
Registriert seit: Apr 2010
Beitrag #3
RE: Liebes Sonett!
Hallo Zaunkönig
Danke für Deinen ersten Eindruck!

Ja so kanns gehen...ursprünglich sollte es ein etwas ulkiges Liebes Sonett werden...
Aber während des Schreibens kam mir dann die Idee:
EIn Soneto cauda (Sonett mit Schwanz) an das Sonett selbst zu schreiben...also als fiktiver Romeo bzw. Kalaf (Turandot)..das Sonett als fiktive sie..

Die Ansprache an das Sonett bzw. die Schwärmerei hin zu ihm hatte ich vorher in Z2 als Anspielung reingeschrieben:

"es wär so nett" dies erschien mir dann aber zu direkt (ich verstecke gern mal einiges)
im Rückbezug sollte dann klar werden worum es eigentlich geht: ähnlich wie im einem verslichen Rückbezug.
alte Soentte sind ja voll davon.

wenn Deiner Meinung nach aber nicht klar-das das Sonett selbst angesprochen wird--naja dann werde ich wohl nachbessern müssen.

Danke, daß Du die witzigen Anspielungen in Deinem Komm erwähnst-die sind wichtig um die Moralgemeinde zu pieksen:
Monteverdi hat Sonette vertont (auch von Petrarca) höchste Sangeskunst ist erforderlich-kaum erreichbar
nessun dorma (niemand schlafe!)> heimliche Liebe aber auch /Witz über die Eingestaubtheit der Moral- und Formenwächter
Heras Höllenwinde ...(dürfte klar sein Wink
Plutarch als einer der größten Morallisten der Antike
....und dann Klangmalerei (soetwas mache ich sehr gerne) assoziativ>"Arsch" u.einige andere
und der Gegensatz nessun dorma-schnarcht!

Ein paar Fragen bitte noch an Dich:
Sind die ANleihen zum Stoff der Antike ok?
kommt Monteverdi/ nessun dorma als Aufzählung rüber oder wird es (veralbernd ) gleichgesetzt?
kommt der Hieb: nessun dorma (vom Text her eine heimliche Liebe die nicht sein darf in der Form wie sie die Liebenden gern hätten-wegen der Morallisten und den Wächtern)-zu schnarchen rüber?
die Anleihen aus nessun dorma sind versteck aber da (z.B. in der Situatinsgleichheit>nachts , heimlich, still zu ihr redend)

insgesamt wollte ich: die Liebe in den Dingen (Sonettdichtung) betonen-und allen die nur wie Wächter die Form des sonetus simplex zulassen einen kleinen Pieks geben.
Deshalb hier die Symbiose aus Form (sonetus cauda>häufig mit moralischen 2 versigen Nachsatz zum Inhalt) und Inhalt.
...sehr selten geworden.

Danke für Deine Klarstellung....mit Deinen Hinweisen im HInterkopf funzt es jetzt schon besser
gitano
23.10.2010 13:20
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gitano Offline
Stift
****

Beiträge: 37
Registriert seit: Apr 2010
Beitrag #4
RE: Liebes Sonett!
Hallo Zaunkönig!
Hier nun meine nächste Ausarbeitung:
Q 1 ist völlig neu-und ich hoffe nun stimmig
Einzig stört mich das doppelte und am beginn der Z3/4. Hast Du eine Idee?
und kann ich in Z 2 auch schreiben: die Macht des Augenblicks (um Mißverständnisse in der Metrik zu vermeiden habe ich ausformuliert...

anstatt zu schlafen

Wohin wenn nicht zu Deinem Herzen?
Die Macht des Augenblickes liebt Deine Lippen
Und schaut zu mir im Hall der Zeitenklippen
Und fragt: auch Du willst mir in Terzen scherzen?

Ich würde Monteverdi lauthals singen
Für Dich, das nessun dorma: Deine Krone!
Und alle Welt erblasste: Ups, nicht Ohne
die Liebe sei der Geist in allen Dingen!

Doch wird Dein Busen hart verknebelt
In Reim und Vers gemiedert halb vernebelt
nur röcheln könnte Deine Lust und Stammeln

wo sich die Winde Heras höllisch sammeln,
erfaßt mich Angst und Schrecken vor Plutarch:
„Die Welt holt Atem in der Nacht“ und schnarcht!
Vielleicht wird mich Moral jetzt bitter strafen
Ich Verslustierte mich bei Dir- anstatt zu schlafen?
23.10.2010 16:00
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
****

Beiträge: 4.996
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #5
RE: Liebes Sonett!
Hallo Gitano,

Schweifsonette mag ich eigentlich nicht sonderlichk, sehe sie auch eher als Sonettoide an, denn als echte Sonette.
Eine angehängte Moral, die klassischerweise auch zweizig ist, kann aber konzeptionell überzeugen.

Die aufgezählten Anspielungen habe ich zugegebenerweise nicht alle erkannt.
Und vermutlich werden die meisten Leser einiges übersehen, aber das macht nichts, wenn der Text auch ohne breiteren Hintergrund funktioniert.

Das wiederholte "und" ist leicht ausgemerzt: Du kannst sogar wahlweise das eine oder andere durch "Sie" (Die Macht des Augenblicks) ersetzen. Und auch die fehlende Hebung in Z.1 ist leicht ergänzt: "Wo soll ich hin..."
Ich würde Augenblicks statt Augenblickes schreiben.

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
25.10.2010 17:30
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