Antwort schreiben 
 
Themabewertung:
  • 0 Bewertungen - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Charles Lassailly: Le Camélia
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
****

Beiträge: 4.956
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #1
Frankreich Charles Lassailly: Le Camélia
Charles Lassailly
1806 - 1843

Le Camélia

Chaque fleur dit un mot du livre de nature :
La rose est à l'amour et fête la beauté,
La violette exhale une âme aimable et pure,
Et le lis resplendit de sa simplicité.
Mais le Camélia, monstre de la culture,
Rose sans ambroisie et lis sans majesté,
Semble s'épanouir aux saisons de froidure
Pour les ennuis coquets de la virginité.
Cependant, au rebord des loges de théâtre,
J'aime à voir, évasant leurs pétales d'albâtre,
Couronne de pudeur, de blancs camélias
Parmi les cheveux noirs des belles jeunes femmes
Qui savent inspirer un amour pur aux âmes,
Comme les marbres grecs du sculpteur Phidias.



Die Camelie

Die Blüten sind die Worte der Natur:
Die Rose ist ein Fest der Sinnlichkeit,
Des Veilchens Seele lieblich, rein und pur,
Die Lilie glänzt mit ihrem schlichten Kleid.

Doch die Camelie, Ausbund der Kultur
ist ohne Nektar und Erhabenheit,
scheint heiter mit 'ner unterkühlten Spur
und kokettiert nur mit Jungfräulichkeit.

Indes am Rande der Theaterbühne
ist sie doch, alabasterweiss die Schöne:
der Keuschheit Krone von Camelias,

die schwarze Haare junger Frauen zieren
und ihre Liebsten Liebe inhallieren
gleich Marmorstatuetten Phidias'

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
20.01.2011 19:21
Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
peterhauff Offline
Federgewicht
*****

Beiträge: 49
Registriert seit: Mar 2008
Beitrag #2
RE: Charles Lassailly: Le Camélia
Charles Lassailly: KAMELIEN

Aus jeder Blume darfst du Leben lesen:
In Rosen steht die Liebe, groß und schön,
aus Veilchen wiederum spricht treues Wesen,
in Lilien wird man edle Klarheit sehen.

Kamelien aber scheinen gleich monströsen
duftlosen Rosen, derben Lilaceen
die sich in jungfräulicher Lust auflösen,
um erst im kalten Winter aufzugehen.

Und wie bewegt's mich doch, wenn aus Balkonen
Weiße Kamelien ihre Krone recken:
Schneeblätter, die an purer Schönheit wohnen.

Wenn sie im schwarzen Haar von Frauen stecken,
bewirken sie so tiefe Emotionen,
wie Marmorbüsten sie von Phidias wecken.

.
"Lorsque nous serons mort, on parlera de vie" (Jules Supervielle)
08.02.2011 16:02
Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
peterhauff Offline
Federgewicht
*****

Beiträge: 49
Registriert seit: Mar 2008
Beitrag #3
RE: Charles Lassailly: Le Camélia
Im ersten Terzett habe ich lange gezögert, ob anstelle "Krone" nicht "Schamkelch" besser das trifft, was Lassailly mit "Couronne de pudeur" umschreibt? Es klingt jedoch einen Tick zu öbszön. Oder?

.
"Lorsque nous serons mort, on parlera de vie" (Jules Supervielle)
08.02.2011 18:11
Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
****

Beiträge: 4.956
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #4
RE: Charles Lassailly: Le Camélia
Mir klingt es nicht zu obszön. und die Franzosen waren in solchen Dingen ohnehin immer etwas offener.
Ob das auch auf diesen Text / Autor zutrifft? Ich denke, dein Französisch ist um einiges besser als meines.
Schön die Liliaceen!
Da hätte ich als Botaniker auch drauf kommen können, so habe ich sie, mangels Reim ganz unterschlagen...

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
09.02.2011 18:16
Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Antwort schreiben 




Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste