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Joachim du Bellay: Ces cheveux d'or...
peterhauff Offline
Federgewicht
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Beiträge: 49
Registriert seit: Mar 2008
Beitrag #1
Frankreich Joachim du Bellay: Ces cheveux d'or...
JOACHIM DU BELLAY (Les Regrets)

Ces cheveux d'or sont les liens, Madame,
Dont fut premier ma liberté surprise
Amour la flamme autour du coeur éprise,
Ces yeux le trait qui me transperce l'âme.

Forts sont les noeuds, âpre et vive la flamme,
Le coup de main à tirer bien apprise,
Et toutefois j'aime, j'adore et prise
Ce qui m'étreint, qui me brûle et entame.

Pour briser donc, pour éteindre et guérir
Ce dur lien, cette ardeur, cette plaie,
Je ne quiers fer, liqueur, ni médecine:

L'heur et plaisir que ce m'est de périr
De telle main ne permet que j'essaie
Glaive tranchant, ni froideur, ni racine.

- - - - - - - - - - - - - - - - - - -

Dein Gold im Haar wie Fesseln mich umflicht,
Geliebte, täglich macht es mich unfreier.
Die Liebe, die das Herz erfasst, ist Feuer,
dein Blick ein Dolch, der in die Seele sticht.

Stark sind die Knoten, heiß und hell das Licht,
die scharfe Klinge niemandem geheuer,
doch alles drei behalt ich lieb und teuer,
was fest mich bindet, brennt und Wunden bricht.

Um diese rauhe Fessel, Glut und Wunde
fortan zu trennen, löschen und vernarben,
taugt keine Schere, Flüssigkeit, Arznei.

Genüsslich gehe ich an ihr zugrunde
und bin gezwungen, weiter so zu darben,
wünsch Freiheit, Kühle, Heilung nicht herbei.

.
"Lorsque nous serons mort, on parlera de vie" (Jules Supervielle)
08.02.2011 13:13
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Beiträge: 1.616
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #2
RE: Joachim du Bellay
Hallo peter,

zunächst, mein Franösisch ist zu schwach, um ohne stundenlanges Brüten was zu einem Gedicht sagen zu können. Also geh ich rein nach dem deutschen Text aus.

Dein Gold im Haar wie Fesseln mich umflicht,
Geliebte, täglich macht es mich unfreier.

Den Einstieg mag ich nicht, wenn ein Gedicht mit einer mir unschön klingenden Inversion beginnt, ist es meist schon vorbei mit der Lesefreude. Hier lass ichs mal noch gelten, aber ginge denn nicht " DEin Gold im Haar das fesselnd mich umflicht", oder muss unbedingt dieser "wie... Vergleich" rein?

unfreier / Feuer ist eine der sieben Todsünden, ne? Eine unbetonte Silbe auf eine betonte zu reimen geht echt nicht.

"Wunden bricht" eia, das zieht in den Zähnen, da ein Dolch eine scharfe Waffe ist, kein Flegel oder Hammer

Die Parallelität trennen / Schere löschen / Flüssigkeit ist bei Arznei / vernarben nicht gegeben. Arznei kann heilen, aber nicht aktiv vernarben, zumindest meinem Gefühl nach.

"weiter so zu darben2 Ich verstehe nicht so ganz wo hier das "darben" kommt, vermutlich bezieht sich das auf die unerfüllte Liebe, die darbt? Im Kontext hat das Li doch reichlich, aber eben deftige Zwänge und Schmerzen?

Dann die Aussage der letzten Zeile in der nicht Form zu formulieren fällt ab. Sollte es nicht besser positiv ausgedrückt sein?
Sind ....einerlei oder so was?

Uiui, man merkt nicht dass ich mich freu, dass du dich mal wieder sehen lässt.

Gruß

Sneaky

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
08.02.2011 13:59
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peterhauff Offline
Federgewicht
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Beiträge: 49
Registriert seit: Mar 2008
Beitrag #3
RE: Joachim du Bellay
Wahrscheinlich passen Alexandriner dann doch besser, auch um du Bellays barocken Groove zu treffen:

Ein Strick ist Euer Haar, das mich in Gold umflicht
und mich gefangen hält, ich bin ein armer Freier.
Im Herzen lodert mir die Liebe wie ein Feuer,
Ein Schwert ist euer Aug, das meine Seele sticht.

Wie hart ist das Geflecht, wie heiß das helle Licht,
wie scharf die Klinge, doch es ist ja alles Euer,
so dass mir alles drei nicht schlimm scheint, sondern teuer,
was mich da fesselt, brennt und meinen Leib aufbricht.

Um diesen Strick, die Glut und unerhörte Wunde
recht aufzulösen, sie zu löschen und vernarben,
taugt keine Schere, auch kein Wasser, nichts derlei.

Genüsslich gehe ich an meinem Schmerz zugrunde
und will trotz alledem noch lange weiterdarben,
wünsch Freiheit, Kühle, Heilung nicht herbei.

.
"Lorsque nous serons mort, on parlera de vie" (Jules Supervielle)
08.02.2011 16:54
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
*

Beiträge: 1.616
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #4
RE: Joachim du Bellay: Ces cheveux d'or...
Hallo Peter,

ausgesprochen gut jetzt, wobei ich -geschmacksmäßig - für "das mich umflicht" in S 1 Z1 plädiere, weil - für mich - das Haar als Strick umflicht und nicht der STrick umflicht der "zufällig" aus Haar besteht.

Gruß

Sneaky

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
09.02.2011 19:25
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peterhauff Offline
Federgewicht
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Beiträge: 49
Registriert seit: Mar 2008
Beitrag #5
RE: Joachim du Bellay: Ces cheveux d'or...
Danke Sneaky, schon geändert!

.
"Lorsque nous serons mort, on parlera de vie" (Jules Supervielle)
10.02.2011 15:15
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