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Delmira Agustini: Amor
ZaunköniG Offline
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Beitrag #1
Uruguay Delmira Agustini: Amor
Delmira Agustini


Amor

Yo lo soñé impetuoso, formidable y ardiente;
hablaba el impreciso lenguaje del torrente;
Era un amor desbordado de locura y de fuego,
Rodando por la vida como en eterno riego.

Luego soñélo triste, como un gran sol poniente
que dobla ante la noche su cabeza de fuego:
despues rió, y en su boca tan tierna como un ruego,
sonaba sus cristales el alma de la fuente.

Y hoy sueño que es vibrante, y suave, y riente y triste,
que todas las tinieblass y todo el iris viste,
que frágil como un ídolo y eterno como un Dios

Sobre la vida toda su majestad levanta:
y el beso cae ardiendo a perfumar su planta
en una flor de fuego deshojada por dos...



Liebe

Ich träumte von ihr: heftig glühend, ungeheuer.
Sie sprach mit dem Getöse einer Stromesschnelle.
Sie war der See, der überschäumt von Wahn und Feuer
Und durch das Leben rollt aus einer steten Quelle.

Ich träumte, dass sie wie die Sonne unterginge,
Sich bettete zur Nacht mit ihrem Flammenhaupt.
Sie lächelte als Kind, das an Gebete glaubt.
Der Ursprung ihrer Seele bringt Kristall zum Klingen.

Ich träum' sie bebend, sanft, froh und voll Traurigkeit;
Ein Kleid trägt sie aus Lilien und von Dunkelheit;
Wie ein Idol zerbrechlich, ewig wie ein Gott,
Als Majestät, die noch das Leben überbot.
Der Kuss verbrennt, um ihre Füsse noch zu weihen,
Im Feuerblütenkelch, gepflückt von zweien.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 31.01.2012 18:08 von ZaunköniG.)
28.01.2012 11:34
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gitano Offline
Stift
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Beitrag #2
RE: Delmira Agustini: Amor
Lieber Zaunkönig!
Ich weiß, jetzt wirst Du wieder protestieren (übrigens ein Grund weshalb ich hier nicht öfter herkomme, denk einfach mal drüber nach...) und abwiegeln aber in diesem Text hast Du in der Nachdichtung mehrmals den Sinn entstellt... Ich werde hier nicht alle Stellen aufzeigen, beispielhaft möchte ich benennen:

Yo lo soñé impetuoso, formidable y ardiente;
hablaba el impreciso lenguaje del torrente;
Era un amor desbordado de locura y de fuego,
Rodando por la vida como en eterno riego.

Z3:
Sie war /es war eine überschäumende, verrückte Liebe und von Feuer (feurige)
...da steht nix von See etc..
Z4:
rollend für das Leben wie in ewiger Bewäserung
singemäß / figurativ:
aufbrausend für das Leben wie ein ewiger Strom (von Wasser)



Luego soñélo triste, como un gran sol poniente
que dobla ante la noche su cabeza de fuego:
despues rió, y en su boca tan tierna como un ruego,
sonaba sus cristales el alma de la fuente.

Z1:
Später träumte sie (es) traurig wie eine große Abendsonne
bevor sie ihr Feuerhaupt zur Nacht bettete
danach lächelte sie wie ein Kind, und in ihrem kindlichen (eigentlich Kindheit) Mund wie eine Bitte
erklangen die Kristalle der Seele der Quelle (von der Quelle) (Rückgriff auf das spritzende Wasserbild!! aus S1)

S3
Y hoy sueño que es vibrante, y suave, y riente y triste,
que todas las tinieblass y todo el iris viste,
que frágil como un ídolo y eterno como un Dios

Und heute ist der Traum vibrierend (zitternd), weich, lachend und traurig
wie alle Finsternis und alle Iris (gemeint ist die Iris der Augen) siehst du, kannst Du sehen
wie fragil ein Idol (ist) und ewig(lich) wie ein Gott.

S4
Sobre la vida toda su majestad levanta:
y el beso cae ardiendo a perfumar su planta
en una flor de fuego deshojada por dos...

Über das ganze Leben erhebt sich ihre Majestät
der Kuss sinkt sich klammernd dufterfüllend ihre Beine /Füße
in einer Feuerblume, gepflückt für zwei


Insgesamt kommt die aufbranndende Poesie in diesem wunderbar zarten und auch spannungsvollen Sonett in Deiner Version nach Meinung überhaupt nicht rüber. Deine fassung nimmt sowohl BIldzusammenhänge als auch viel von der Poesie! ...sorry, mußte aber mal so klar gesagt werden. Für mich ganz klar ein Negativbeispiel einer Nachdichtung! Aber wie ich schon mehrmals erfahren habe, hast Du dafür nur selten ein offenes Ohr. So als ob in Deinem Empfinden eine fixe Vorstellung existiert, die nix anderes zuläßt als Deine Vorstellung...Hier hast Du Dich wieder verrannt. Wie auch schon in Lorca Rosengirlande und im Mondgedicht...Ich würde Dir dringend empfehlen jeweils eine Linearübersetzung zu den Texten beizufügen...und im Zweifelsfalle kompetente Übersetzer bei figurativem Wortbildern zu konsultieren...
Mein spanisch (aus sieben Andalusien und 15 Jahren Flamecokultur, nebst Lyrik lesen in Originalsprache> Lorca, Diego, Poesien der Alhambra etc, Flamencotexte) ist schon nicht besonders...aber die Übersetzungsleistung für den obigen Textansatz muß noch um Längen schlechter gewesen sein.

gitano
29.01.2012 18:37
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #3
RE: Delmira Agustini: Amor
Hallo Gitano,

Zunächst habe ich mich einfach gefreut, dass du dich wieder hier sehen lässt, weil ich dich doch für einigermaßen kompetent halte,
dann war ich erschreckt - über die Gründe deines langen Fernbleiben.
Ich habe mir also die beiden genannten Übertragungen und unseren Dialog nochmal angeschaut.

Hast du beim Mond-Gedicht nicht ausdrücklich meine zweite Fassung gelobt und dich dafür bedankt? Und selbst bezweifelt dass eine nähere Übersetzung verständlicher wäre?

Auch bei Lorcas Sonett bin ich dir in einigen Punkten entgegen gekommen, andere sind schlicht nicht ausdiskutiert oder sind formalen Hürden zum Opfer gefallen.
meine Sprachkenntnisse reichen an Deine bei weitem nicht heran, vielleicht mangelt es bei solcher mehrschichtiger Symbolik auch an dichterischem Vermögen jede Nuance nachzubilden.
Dass ich für deine Kritik kein offenes Ohr hatte ist aber schlicht nicht wahr, vielmehr hattest du auf mein letztes Posting nicht mehr reagiert, was ich schade finde, denn ich betrachte diese Übersetzung, wie manche andere, noch nicht als fertig.

Aber an dieser Stelle soll das genug sein.

Was diesen Text betrifft, bedanke ich mich zunächst für die Mühe, die du dir gemacht hast. Um so mehr, da du dir offenbar keine Wirkung versprichst.
Im Moment fehlen mir sowohl Zeit, als auch Konzentrationsfähigkeit deine Anmerkungen abzuarbeiten, ich werde mich aber sicher in den nächsten Tagen damit beschäftigen.
Vorneweg eine Frage zur "mangelnden Poesie":
Schon beim Mondgedicht hast du darauf hingewiesen, dass das Original viel längere Verszeilen aufweist.
Wäre auch hier ein anderes Versmaß vorzuziehen? Ein Daktylus vielleicht?

Liebe Grüße
ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
30.01.2012 12:18
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gitano Offline
Stift
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Beiträge: 37
Registriert seit: Apr 2010
Beitrag #4
RE: Delmira Agustini: Amor
Lieber Zaunkönig!
Schwamm über alles und wir machen eine neuen Versuch miteinander!
Ich denke wir sollten Wege finden um eine bessere Verständigung hinzubekommen. INzwischen habe ich auch sehr viel mehr Übung in Sachen Sonett...es bleibt eine meiner Lieblingsgedichtformen..bevorzugt die italienisch- u.spanischstämmigen
Zu Deine Fragen:
"mangelnde Poesie" im Sinne von:
In den hispanischn Kulturkreis ..besonders in Mittel- und Südamerika gibt man kleinen Merkmalen sehr viel Symbolwert bzw. Symbolkraft! Diese Dinge müssen natürlich im Text mit ihren Verbindungen und Weiterführungen erhalten bleiben, sonst ist vom Inhalt des Textes einfach nix mehr da. Vielleich twußtest Du dies bisher noch nicht...?

weiterhin:
diese Kultur gibt in Sachen Hingabe an scheinbar seichte Dinge (nach westlichen Maßstäben) einfach Vollgas!...und so sind viele dieser Erscheinungen expressiv - aber trotzdem sehr genau zutreffend!! --ausformuliert!...und vertragen sich überhaupt nicht mit "Understatement"!

Weiterhin:
Der Sprachrhythmus ist sehr wesentlich, Klang, Metrik und Inhalt ergeben eine Symbiose. Dies wird man schwerlich mit Metrikbestimmungen der deutschen Sprache komplett nachbilden können...aber eine Annäherung ist aus meiner Erfahrung möglich! In spanicher Lyrik werden ja nur Silben gezählt und ein paar Längen ausgeglichen

Das Metrum ist in "Amor" nach akzentuierter Auffassung schon sehr verrückt: (2 Daktyleen, gefolgt von Trochäen, 15 Silben, weibliche Kadenz) soetwas wirst Du in deutscher Sprache in einem Sonett kaum finden...Die Südländer gehen einfach spielerischer mit der Grundform um.

Meine Annäherung der Betonungsverhältnisse...nicht immer eindeutig
Z1
-/v/v-/vv-v/-v-v/-/v-v
Z2
v-v/-?/vv-v/-v-v/v/v-v/

da bemerke ich doch eine große Ähnlichkeit Big Grin...in einigen wenigen Teilen alternierend.

Meine Kritik zum "Wunderbaren Silbermond" war ähnlich wie hier: Bildsprache, Poesie, aber vor allem: Bildbezüge und Symbolik!, ..Metrum.

Z1 von "Amor" ist ein schönes Beispiel:

ich träumte (es) ungestüm, ungeheuer(toll, enorm) und ardiente= brennend ,heftig ,flammend ,mit glühendem Eifer ,inbrünstig ,glühend ,verzehrend ,heiß, feurig

"adiente" hat je nach >Zusammenhang über 10!! Bedeutungen.
Die beste Übersetzung ergibt sich erst aus dem Zusammenhang..hier auf die Stromschnellen bezogen ...

UND: hier steht "Yo lo soné"...lo steht für "es" ...hier steht nix von einer "ihr"
und ist zu verstehen im Sinne von "ich träumte dies von ihr" oder" ich träumte es" . Im Deutschen heißt es dann verkürzt und verallgemeinert; ich träumte

somit wäre Z1 eher:
Ich träumte (es) ungestüm, ungeheuer und im glühenden Eifer
und Z2:
sie sprach mit verschwommener (Aus-)Sprache/Stimme von dem (aus dem) Strom, Sturzbach, Wildwasser ,Flut, Schwall

bemerkst Du den Unterschied?
"Sie" ist Verkörperung der Titelfigur "Amor" ,,Liebe"...eine Traumfigur die zum LI spricht.

So weit erst einmal zur Verdeutlichung meiner Kritikpunkte.

Kurz noch als Gedanke:
Ich würde ersteinmal anraten eine Linearübertragung mit den Metaphern und Bildbezügen zu machen. Vielleich tklingt die dann auch schon recht gut...dies erscheint mir aber das Wichtigste zu sein.
Ich würde sogar soweit gehen, die Verse in der Linearübertragung stehen zu lassen mal hintereinander weg zu lesen...vielleicht braucht man gar nicht mehr tun (wenn die Längen stimmen)
Auf keinen Fall würde ich die 15 Silbenlänge in das maß eines Endecasillabo zwingen!

Warum nicht?: Bildsprache, Gestus, Melodie (wenn auch nur fragmentiert) etc. würden nicht mehr zum Rhythmus passen.
Sprachlich kann man mehr Platz immer füllen...Verknappung ist schwerer Wink

Ich hoffe, die von mir angesprochenen Punkte sind deutlich geworden.
Bis bald!
gitano

P.S.
Diese Sammlung hier...in dieser Qualität von Texten dürfte wohl einmalig sein...unglaublich, was für ein Fundus...
30.01.2012 20:31
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beitrag #5
RE: Delmira Agustini: Amor
Hallo Gitano,

Wie in meinem letzten Post angedeutet, erwischt mich die Diskusion gerade auf dem falschen Fuss, soll heißen in einem ungünstigen Moment. Mit einer erneuten Nachdichtung wird es also noch dauern, aber ein paar inhaltliche oder poetische Fragestellungen kann man ja schon mal vorab zu klären versuchen


gitano schrieb:Yo lo soñé impetuoso, formidable y ardiente;
hablaba el impreciso lenguaje del torrente;
Era un amor desbordado de locura y de fuego,
Rodando por la vida como en eterno riego.

Z3:
Sie war /es war eine überschäumende, verrückte Liebe und von Feuer (feurige)
...da steht nix von See etc..
Z4:
rollend für das Leben wie in ewiger Bewässerung
singemäß / figurativ:
aufbrausend für das Leben wie ein ewiger Strom (von Wasser)

gitano schrieb:Z1 von "Amor" ist ein schönes Beispiel:

ich träumte (es) ungestüm, ungeheuer(toll, enorm) und ardiente= brennend ,heftig ,flammend ,mit glühendem Eifer ,inbrünstig ,glühend ,verzehrend ,heiß, feurig

"adiente" hat je nach >Zusammenhang über 10!! Bedeutungen.
Die beste Übersetzung ergibt sich erst aus dem Zusammenhang..hier auf die Stromschnellen bezogen ...

UND: hier steht "Yo lo soné"...lo steht für "es" ...hier steht nix von einer "ihr"
und ist zu verstehen im Sinne von "ich träumte dies von ihr" oder" ich träumte es" . Im Deutschen heißt es dann verkürzt und verallgemeinert; ich träumte

somit wäre Z1 eher:
Ich träumte (es) ungestüm, ungeheuer und im glühenden Eifer
und Z2:
sie sprach mit verschwommener (Aus-)Sprache/Stimme von dem (aus dem) Strom, Sturzbach, Wildwasser ,Flut, Schwall

bemerkst Du den Unterschied?
"Sie" ist Verkörperung der Titelfigur "Amor" ,,Liebe"...eine Traumfigur die zum LI spricht.


Mir ist noch nicht ganz klar, ob diese Verkörperte Titelfigur als männlich (Gott Amor) oder weiblich wie die deutsche "Liebe" angesprochen wird, halte die richtige Zuordnung aber für wichtig, gerade weil dies Gefühl personifiziert wird.
Auch ist mir nicht ganz klar ob in der ersten Zeile der eigene Traum so heftig und feurig ist, oder die geträumte Figur.

gitano schrieb:diese Kultur gibt in Sachen Hingabe an scheinbar seichte Dinge (nach westlichen Maßstäben) einfach Vollgas!...und so sind viele dieser Erscheinungen expressiv - aber trotzdem sehr genau zutreffend!! --ausformuliert!...und vertragen sich überhaupt nicht mit "Understatement"!

Was ist denn ein seichtes Ding? Doch nicht etwa die Liebe?
Gerade die europäische Romantik und Neoromantik haben da Maßstäbe gesetzt, denke da nur an die Symbolik der "Blauen Blume" in der deutschen Romantik oder die "Dinggedichte eines Rilke z.B. den Marmorkarren. Die Motive Delmiras sind doch eher elementar oder archetypisch.

gitano schrieb:Das Metrum ist in "Amor" nach akzentuierter Auffassung schon sehr verrückt: (2 Daktyleen, gefolgt von Trochäen, 15 Silben, weibliche Kadenz) soetwas wirst Du in deutscher Sprache in einem Sonett kaum finden...Die Südländer gehen einfach spielerischer mit der Grundform um.

Meine Annäherung der Betonungsverhältnisse...nicht immer eindeutig
Z1
-/v/v-/vv-v/-v-v/-/v-v
Z2
v-v/-?/vv-v/-v-v/v/v-v/

da bemerke ich doch eine große Ähnlichkeit ...in einigen wenigen Teilen alternierend.

2 Daktylen, gefolgt von Trochäen... Das klingt doch interessant, nach einer Temposteigerung innerhalb der Verszeile.
Ist das ein wiederkehrendes Muster? Zumindest die zweite Zeile hast du anders notiert.


gitano schrieb:Ich würde ersteinmal anraten eine Linearübertragung mit den Metaphern und Bildbezügen zu machen. Vielleicht klingt die dann auch schon recht gut...dies erscheint mir aber das Wichtigste zu sein.
Ich würde sogar soweit gehen, die Verse in der Linearübertragung stehen zu lassen mal hintereinander weg zu lesen...vielleicht braucht man gar nicht mehr tun (wenn die Längen stimmen)
Auf keinen Fall würde ich die 15 Silbenlänge in das maß eines Endecasillabo zwingen!

Warum nicht?: Bildsprache, Gestus, Melodie (wenn auch nur fragmentiert) etc. würden nicht mehr zum Rhythmus passen.
Sprachlich kann man mehr Platz immer füllen...Verknappung ist schwerer
Auch mein erster Versuch ist immerhin 6-hebig und damit länger als ein Endecasillabo, eben weil sonst noch mehr vom Inhalt hinten runter gefallen wäre.
Ich will es mir aber auch nicht zu einfach machen.
Deine gescheute Verknappung ist doch ein wesentliches Merkmal von Dichtung!
Wenn meine Fassung etwas zu sperrig oder hölzern wirkt, habe ich wohl nicht alles richtig gemacht und es mag auch am verkürzten Vers liegen. Eine mindestens genauso große Gefahr sehe ich aber in der Verwässerung des Verses durch unnötige Füllsel. Nun, - über das endgültige Metrum ist das letzte Wort noch nicht gesprochen...

Liebe Grüße
ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
01.02.2012 13:40
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beitrag #6
RE: Delmira Agustini: Amor
Ich probiere mal die ersten Zeilen nach dem Grundmuster:

-^--^--^-^-^-^-



Ich habe geträumt von ihr: Feurig war sie, ungeheuer
verzehrend. Sie sprach wie das Rauschen einer Stromesschnelle:
Verschäumend vor Leidenschaft, wahnhaft, toll von inn'rem Feuer
und aufbrausend, nur für das Leben; eine stete Quelle.

- ^- -^ - - / ^- ^ - ^-^-
-^- / - ^ - - ^- ^- ^-^-
-^- - ^-- / ^- / ^ - ^- ^-
- ^-- ^ - - ^- / ^- ^- ^-

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 02.02.2012 12:52 von ZaunköniG.)
02.02.2012 12:46
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gitano Offline
Stift
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Registriert seit: Apr 2010
Beitrag #7
RE: Delmira Agustini: Amor
Hallo Zaunkönig!
Bin am WE dann wieder hier (Sonntag) nur zwei Gedanken kurz:
Der Anfang von Z1 zu Z2 alterniert:(wie ich unten schon aufschrieb)
-/v/v-/vv-v/-v-v/-/v-v
Z2
v-v/-/vv-v/-v-v/v/v-v/

Also Z1 steigt betont ein, Z2 unbetont:

Rhythmisch klingt Dein erster Versuch aber schon so gut, daß ich es auch mal bei Gelegenheit mit diesem Rhythmus versuchen werden..klingt irgendwie rasanter...

Bemerkung 2 betrifft die Übersetzung:

Dein Text:
Ich habe geträumt von ihr: Feurig war sie, ungeheuer
verzehrend. Sie sprach wie das Rauschen einer Stromesschnelle:
Verschäumend vor Leidenschaft, wahnhaft, toll von inn'rem Feuer
und aufbrausend, nur für das Leben; eine stete Quelle.

In Z1 ist der Sinngehalt (wie ich auch unten schrieb)
Ich träumte (es) ungestüm, ungeheuer und im glühenden Eifer
(die sie ist hier auch präsent durc das Pronomen "lo"= es, kann im übertragenem aber auch "sie" heißen OHne das das Pronomen aufgtaucht

Zumindest darf im zweiten Teil des Verses keine "sie" auftauchen.
...wird schon werden Stück für Stück.

Heute nachmittag habe ich noch ein Antwort-Sonett auf ein Sonett von Walther geschrieben (kennst Du vielleicht...
Ich stelle es mal ein...keine hundertprozentige Tenzone aber schon nahe dran Wink ...und mehr ein Übungsspaß.

Danke für Deine ersten Versuche
Bis bald
gitano
03.02.2012 22:04
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ZaunköniG Offline
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Beitrag #8
RE: Delmira Agustini: Amor
Hallo Gitano,

Ich werde versuchwen bis Sonntag auch die übrigen Zeilen in das neue Maß zu bringen.
Mich erstaunt allerdings deine Hartnäckigkeit das "sie" zu eliminieren. Du hast die Zeile doch selbst übersetzt:

gitano schrieb:und ist zu verstehen im Sinne von "ich träumte dies von ihr"

Ich stelle mir die Frage was denn da so feurig ist, wenn nicht sie, die Liebe?
Als weitere Möglichkeit sehe ich da eigentlich nur den Traum, der aber auch nur von "ihr" handelt.
Wo ist da jetzt die Entstellung des Sinns?
Da stehe ich wohl auf dem Schlauch.

Ich werde versuchen eine Lösung ohne "sie" hinzubekommen, aber es wäre schön wenn du deinen Gedankenansatz noch weiter erhellen könntest.

Liebe Grüße
ZaunköniG

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04.02.2012 11:22
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #9
RE: Delmira Agustini: Amor
Gar nicht so einfach...

Vor allem sind nun noch ein paar weibliche Endungen verschwunden,
aber vielleicht ist das gar nicht so entscheidend.

Hier erstmal der aktuelle Stand:


Ich habe geträumt von ihr: Feurig, eifrig, ungeheuer
verzehrend. Sie sprach wie das Rauschen einer Stromesschnelle:
Verschäumend vor Leidenschaft, wahnhaft, toll von inn'rem Feuer
und aufbrausend, nur für das Leben; eine stete Quelle.

- ^- -^ - - / ^- ^- ^-^-
-^- / - ^ - - ^- ^- ^-^-
-^- - ^-- / ^- / ^ - ^- ^-
- ^-- ^ - - ^- / ^- ^- ^-


Z1:
Sie träumte dann wie eine Sonne kurz vorm Untergang,
bevor sie ihr Flammenhaupt traurig bettete zum Schlaf.
Danach hat sie kindlich gelächelt, Gebete kamen brav
als Seelenkristalle der Quelle aus dem Mund voll Klang.

_ ^_ _ ^ __ ^_ / ^ _ ^ _ ^

_^ _ _ ^__ / ^_ ^_^ _ ^

_^ _ _ ^_ _^_ / _^_ ^_ ^

_ ^__^_ _ ^_ / ^ _ ^ _ ^



Mein Traum ist changierend, mal lächelnd, mal voll Traurigkeit,
als Iris erstrahlend, - und dann: erneut voll Dunkelheit,
zerbrechlich wie alle Idole, ewig wie ein Gott,
erhabene Königin, die das Leben überbot,
der Kuss, der sich klammernd und duftig vor ihr niederbückt,
der Kelch einer flammenden Blüte, nur für zwei gepflückt.

- ^ - -^- / - ^- / ^ - ^-^
- ^- -^- / - ^ / -^ - ^-^
-^- - ^- -^- / ^- ^ - ^
-^-- ^-- / ^ - ^- ^-^
- ^ / - - ^- - ^- ^ - ^-^
- ^ -- ^-- ^- / ^ - ^ -^



Liebe Grüße
ZaunkönG

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05.02.2012 12:44
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