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H. Coleridge: In the great city we are met again...
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.999
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #1
GB H. Coleridge: In the great city we are met again...
Hartley Coleridge



To a Friend

In the great city we are met again
Where many souls there are, that breathe and die,
Scarce knowing more of nature’s potency,
That what they learn from heat, or cold, or rain,
The sad vicissitude of weary pain: -
For busy man is lord of ear and eye,
And what hath nature, but the vast, void sky,
And the throng’d river toiling to the main?

Oh! say not so, for she shall have her part
In every smile, in every tear that falls;
And she shall hide her in the secret heart,
Where love persuades, and sterner duty calls:
But worse it were than death, or sorrow’s smart,
To live without a friend within these walls.



Einem Freund

Wir sollten uns in dieser Stadt begegnen,
wo manche Seelen atmen und ersterben
und keinen Eindruck der Natur erwerben,
als nur die Hitze, Kälte und das Regnen,
den steten Wandel, der nur Leiden bringt.
was man erkennt mit Ohr und Auge? Nur
den leeren, weiten Himmel der Natur?
den Fluss, der schlingernd in den Hauptstrom dringt?

Oh, sag das nicht! Denn ihre Zeichen lauern
im lächelnden und weinenden Gesicht
und sie verbirgt sich im geheimen Herzen,
wo Liebe überzeugt, und wird zur Pflicht.
Denn schlimmer als der Tod und große Schmerzen
wär's, ohne Freund zu sein, in diesen Mauern

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 19.09.2012 08:29 von ZaunköniG.)
19.09.2012 08:29
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Silja Offline
Eleve
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Beiträge: 464
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #2
RE: H. Coleridge: In the great city we are met again...
Hallo Zaunkönig,
das Sonett gefällt mir außerordentlich gut. Und deine Übersetzung ist auch im Wesentlichen gelungen, aber ich finde, man könnte sie bestimmt noch etwas präziser machen.

Das 'sollten' in der Eingangszeile stört mich etwas, denn sie begegnen sich ja schon. Also vielleicht "wenn wir uns nun..." oder so ähnlich.

Dann Zeile 5, 'den steten Wandel, DEN DAS Leiden bringt', und vielleicht auch 'grauen' oder 'gramen' oder sonst einen Wandel für 'sad', statt 'steten', das ja eigentlich nicht recht zum Wandel passt.

Den 'busy man' hast du ganz unterschlagen, als den Menschen, der gar keine Zeit hat, auf die Natur zu achten, welche diesem ihrerseits nichts entgegenzusetzen hat, als den herrlichen weiten Himmel usw.

Und im geheimen Herzen wird nicht die Liebe zur Pflicht, sondern die Liebe lockt dort mit Überredungskunst, während die strengere Pflicht einfach ruft.

Also könntest du vielleicht noch ein wenig nachpolieren, denn die schönen Verse hätten das sicherlich verdient.

LG
Silja
20.09.2012 05:55
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
****

Beiträge: 4.999
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #3
RE: H. Coleridge: In the great city we are met again...
Hallo Silja,

Freut mich dass dir der Text gefällt. Bei einem anderen Stück hättest du dich vielleicht nicht so für die Details engagiert, aber passt ja zur Botschaft dieses Sonetts, wo es vielleicht auch deswegen mehr auf Feinheiten ankommt als bei anderen Texten.



Mit "Sollten" ist hier kein Konjunktiv gemeint, sondern die Vergangenheit von "sollen", im Sinne von
"Es musste so kommen" oder "Es war vorherbestimmt". An deiner Lösung stört mich das "Wenn", dem irgendwo (sinngemäß) ein "dann" folgen muß. Da fehlt mir also der Anschluß an den nächsten Satz.

In den Zeilen 7/8 sind der weite Himmel und der Fluß nicht "herrlich". Ich lese es so, dass der "busy man" diese natürlich sieht, aber diese "Natur en gros" nicht wirklich schätzen kann, weil ihm mit der Muße der Sinn für die (wichtigen) Kleinigkeiten abhanden gekommen ist.
Den busy man hatte ich vor allem aus Platzgründen unterschlagen, denn dass dier Mensch abgelenkt ist ergibt sich aus dem Kontext der folgenden Zeilen. - Und was soll ich ihm Auge und Ohr opfern?

In den Schlußzeilen stehen sich Liebe und Pflicht nicht als Gegensatzpaar gegenüber, daher dachte ich, dass ich sie auch zusammenfassen kann und die Liebe quasi als heilige Pflicht präsentieren kann. Nun, die Stelle ist leicht geändert.


Liebe Grüße
ZaunköniG



Einem Freund

Es kam, dass wir uns in der Stadt begegnen,
wo manche Seelen atmen und ersterben
und keinen Eindruck der Natur erwerben,
als nur die Hitze, Kälte und das Regnen,
den steten Wandel, den das Leiden bringt.
Doch was versäumt der Hektiker? Ist 's nur
der leere, weite
Himmel der Natur?
der Fluss, der schlingernd in den Hauptstrom dringt?

Oh, sag das nicht! Denn ihre Zeichen lauern
im lächelnden und weinenden Gesicht
und sie verbirgt sich im geheimen Herzen,
wo Liebe überzeugt, und ruft die Pflicht:
Denn schlimmer als der Tod und große Schmerzen
wär's, ohne Freund zu sein, in diesen Mauern.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
21.09.2012 15:38
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