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Einem orthodoxen Sonettisten
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.975
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #1
Einem orthodoxen Sonettisten
Ursprüngliche Fassung
Einem orthodoxen Sonettisten

Der Fünfheber Jambus ist dir erste Sahne,
doch fürcht ich, dir mangelt’s am rechten Behufe.
Das Dichterwerk wird nicht zum echten Berufe,
schreibst du dir ein einzelnes Maß auf die Fahne.

Du stehst mit nur einem Maß auf schmaler Kufe.
Dies sei dir ein Beispiel, daß dir einmal schwane,
was möglich ist, dir neue Freiheiten bahne:
Der Daktylus ist doch die Doppelrahmstufe!

Du trägst deinen Jambus (und willst mir noch spotten),
doch wie einen alten, verschlissenen Frack
und flickschusterst nur an den alten Klamotten.

Vielleicht kommst auch du einmal auf den Geschmack
und lernst einen anderen Vers, einen flotten;
Ein anderer Takt bringt dich wieder auf Zack.


Aktuelle Fassung
Einem orthodoxen Sonettisten

Der Fünfheber Jambus ist dir erste Sahne,
doch fürchte ich, mangelt’s am rechten Behufe.
Das Dichterwerk wird nicht zum echten Berufe,
schreibst du dir ein einziges Maß auf die Fahne.

Du stehst mit nur einem Maß auf schmaler Kufe.
Lies dies als ein Beispiel, daß dir einmal schwane,
was möglich ist, dir neue Freiheiten bahne:
Der Daktylus ist doch die Doppelrahmstufe!

Du trägst deinen Jambus (und willst mir noch spotten),
doch wie einen alten, verschlissenen Frack
und flickschusterst nur an den mürben Klamotten.

Vielleicht kommst auch du einmal auf den Geschmack
und lernst einen anderen Vers, einen flotten;
Ein anderer Takt bringt dich wieder auf Zack.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 02.02.2008 18:36 von ZaunköniG.)
28.01.2007 17:28
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Fabian Offline
Armer Poet
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Beiträge: 61
Registriert seit: Jan 2008
Beitrag #2
RE: Einem orthodoxen Sonettisten
das gefällt mir gut.

Abgesehen von "Behufe", was ich nicht verstehe, zu vielen "dir", dem doppelten "alten" im ersten Terzett und dem etwas verbogenen Daktylus in der ersten Zeile des zweiten Quartetts, finde ich das sehr gelungen.

Schöne Idee, gut umgesetzt.
Die Doppelrahmstufe ist klasse, was natürlich im Grunde dazu führt, dass das Gedicht danach etwas verflacht. Deswegen würde ich vielleicht überlegen, die Terzette voranzustellen. Auch das würde ja die Aussage unterstreichen, das Maß mal zu ändern.
---------

Du trägst deinen Jambus (und willst mir noch spotten),
doch wie einen alten, verschlissenen Frack
und flickschusterst nur an den alten Klamotten.

Vielleicht kommst auch du einmal auf den Geschmack
und lernst einen anderen Vers, einen flotten;
Ein anderer Takt bringt dich wieder auf Zack.

Der Fünfheber Jambus ist dir erste Sahne,
doch fürcht ich, dir mangelt’s am rechten Behufe.
Das Dichterwerk wird nicht zum echten Berufe,
schreibst du dir ein einzelnes Maß auf die Fahne.

Du stehst mit nur einem Maß auf schmaler Kufe.
Dies sei dir ein Beispiel, daß dir einmal schwane,
was möglich ist, dir neue Freiheiten bahne:
Der Daktylus ist doch die Doppelrahmstufe!

-------
Fände ich so besser, vielleicht müsste man durch die Umstellung noch ein wenig Feinschliff betreiben, aber das wäre ja nicht das Problem.
Ist natürlich nur eine Anregung von mir.

Gern gelesen.
Gruß, Fabian

Wenn du ab und zu deinen Blickwinkel änderst, verbessern sich auch deine Perspektiven

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01.02.2008 11:14
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.975
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #3
RE: Einem orthodoxen Sonettisten
Hallo Fabian,

Das Sonett ist quasi um die Begriffe 'Erste Sahne' und 'Doppelrahmstufe' entstanden. Freut mich, daß dieses Bild ankommt.

Von den vielen 'dir's läßt sich wohl noch das eine oder andere ausmerzen, da ist es gar nicht schlecht, auch nach größerem Abstand nochmal drüberzuschauen. Die Umstellung von Quartetten und Terzinen ist ein ganz witziger Gedanke, den du auch gut begründet hast, aber irgendwie bin ich ja auch ein wenig orthordox.

'Behuf' oder 'Behufe' ist übrigens eine alte Form von 'Behelf'.

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
01.02.2008 12:37
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Kurier
Unregistered

 
Beitrag #4
RE: Einem orthodoxen Sonettisten
Hallo Zaunkönig,
die Bindung an das Schema
These
Antithese
Synthese
sollte beim klassischen Sonett doch erkennbar bleiben?
Sind der Autorenansicht :dichter:hier nicht Grenzen gesetzt?
Für mich ergeben sich hier eigentlich nur Fragen.
Gruß
Kurier
01.02.2008 19:36
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.975
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #5
RE: Einem orthodoxen Sonettisten
Grüß dich, Kurier,

Der Autor ist ja nicht nur Handwerker, sondern auch Künstler und setzt sich seine Regeln selbst. Das sollte natürlich nicht in Beliebigkeit abgleiten sondern einen gewissen Effekt haben. Mit inneren und äußeren Formen zu spielen halte ich aber grundsätzlich für legitim.

Der Aufbau "These - Anthithese - Synthese" ist nur eine Möglichkeit um Spannung zu erzeugen. Wenn die Spannung aber gar nicht gewünscht ist, weil ich eben Harmonie ausdrücken will, dann kann ich bsw. bei Naturlyrik auch einfach einen Panoramablick entwerfen, wo die Reihenfolge der Bildelemente im Grunde austauschbar ist. Ebenso gibt es erzählende in Grunde baladeske Sonette, wo die Handlung durch Kausalschlüsse vorangetrieben wird.

Es gibt da auch ein schönes Zitat, ich habe leider vergessen von wem:

"Von niemandem wird verlangt, daß er über einen Graben springt. Versuchst du es aber dennoch und landest im Schlamm, so ist das Gelächter groß"

Bürde dir also selbst nicht mehr Regeln auf, als du bewältigen kannst.


Zitat:Für mich ergeben sich hier eigentlich nur Fragen

Frage nur! Wenn die Fragen eher allgemeiner Natur sind, gerne auch in einem neuen Tread im Café unter Sinn und Form.


LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
01.02.2008 19:57
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Fabian Offline
Armer Poet
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Beiträge: 61
Registriert seit: Jan 2008
Beitrag #6
RE: Einem orthodoxen Sonettisten
vor allem geht es in dem Sonett doch genau darum, dieses steife Statik etwas auf die Schippe zu nehmen. Schließlich wird das klassische Stangensonett ja auch im fünfhebigen Jambus und eher selten im Daktylus formatiert. Und gerade deshalb wäre die Voranstellung der Terzette ein guter Effekt, als weiterer Ausbruch, abgesehen davon, dass die Doppelrahmstufe eben in diesem Werk den inhaltlichen Höhepunkt abliefert und die Terzette hinten dran so etwas verpuffen.
Ohne das Werk angreifen zu wollen, ist hier ohnehin keine These-Antithese-Synthese-Schiene zu erkennen. Das zweite Quartett untermauert eher das erste, fürt es fort und die Terzette wiederholen das streng genommen nur. Das macht aber eben nichts (ich sehe das genau, wie du es oben darlegst), vor allem, wenn man sie voran stellt, weil dann ein wohlschmeckender Quark angerührt wird, der sich immer schneller dreht und in der Doppelrahmstufe mündet.

Ist das doppelte "alten Frack - alten Klamotten" eigentlich gewollt, oder ein Flüchtigkeitsfehler? Kann mir bei deinem Gefühl für Sprache nicht vorstellen, dass diese Wiederholung von "alten" der Weisheit letzter Schluss ist.

Gruß, Fabian

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01.02.2008 22:34
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.975
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #7
RE: Einem orthodoxen Sonettisten
Hallo Fabian,

zwei 'dir's habe ausgemerzt und ein 'alten' gegen 'mürben' ersetzt. Diese und andere kleinere Anpassungen siehe oben. Vielen Dank nochmal für deine Hinweise, auch wenn ich nur Kleinigkeiten geändert habe.

LG ZaunköniG

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02.02.2008 18:38
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Fabian Offline
Armer Poet
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Beiträge: 61
Registriert seit: Jan 2008
Beitrag #8
RE: Einem orthodoxen Sonettisten
gefällt mir besser, ohne die vielen "dir" wirkt es runder.

Keine Ursache. Das ist ja der Sinn eines solchen Forums, und Kleinigkeiten bedeuten einem Schreiber sehr viel, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Ich meine damit, an Texten Änderungen vorzumehmen, die einem viel bedeuten. Und das unterstelle ich dir einfach mal. Wink
Finde ich sehr positiv, die Reaktion.

Gruß, Fabian

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02.02.2008 21:22
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