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Spielkram: Sonette nach aufgegebenem Endreim
Don Quixote Offline
Stift
****

Beiträge: 39
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #34
Traumwelt
Ich schrecke aus dem Schlaf und bin voll Kummer.
Mir träumte, daß ein Dieb durchs Fenster flitzt
und mir mein dichterisches Werk stibitzt -
er wird berühmt und eine große Nummer...

Erst gegen Morgen find ich endlich Schlummer.
Die Fenster alle dicht. Ich bin gewitzt.
Und dennoch fahr ich wieder hoch, erhitzt:
Nein, nein, kein Dieb. Den Kopf umschwirrt ein Brummer.

Kein Wunder, daß ein sonderbarer Vogel
wie ich dann auch am hellen Tage träumt.
Zum Beispiel stehe ich auf einem Kogel,

von dem ein heller Bach zu Tale schäumt.
Die Folge: über all dem Traum-Gemogel
hab ich den schönsten Sonnentag versäumt.
und weiter...

Zypressen
reift
pfeift
fressen

indessen
eingeseift
streift
Hostessen

Greis
Zylinder
heiß

Kinder
weiß
Erfinder

-----------------
was Kluges fällt mir nicht ein
13.02.2007 01:14
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cameleon Offline
Formalist
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Beiträge: 107
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #35
RE: Spielkram: Sonette nach aufgegebenem Endreim
Wieso was Kluges ? - Narretei!

Da lob ich mir die Tage der Zypressen,
an denen auch dem Unsinn manche Birne reift,
weil Rheinwein ihm den Kummer von der Stirne pfeift.
Da wird so mancher Kalauer gefressen.

Was kümmert uns die Narretei, indessen
hab ich dich mit dem letzten Reimball eingeseift,
und während lauter Frohsinn durch das Rheintal pfeift,
träumst du von einem Wagen voll Hostessen.

Solch Narrentreiben weckt den letzten Tattergreis.
Er greift zu Chaplins Stöckchen und Zylinder
und macht den Narrenweibern echt die Hölle heiß.

An Karneval sind alle wie die Kinder -
doch Aschermittwoch aschen sie die Seele weiß.
Sag, ist das denn im Sinne der Erfinder?

© KR 2007
baum
pufft
gruft
kaum

saum
schuft
kluft
zaum

hund
heil
schund

beil
wund
seil

----------------
bin gespannt, ob das geht - so ganz ohne en-endungen...

Des Daseins eigentlichen Anfang macht die Schrift.
13.02.2007 09:28
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Don Quixote Offline
Stift
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Beiträge: 39
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #36
Der arme Schuft
Da baumelt er, der Schuft, am Galgenbaum.
Sein letzter Atemzug ist längst verpufft
und bald verwahrt man ihn in einer Gruft.
Ob irgendwer noch um ihn trauert? Kaum.

Schon spähen Krähen her vom Waldessaum.
Die finden ja Geschmack an einem Schuft.
Und – horch – ein Bellen schallt aus schwarzer Kluft:
Die Bestie – sie hält sich kaum im Zaum!

Mit rotem Schlund lechzt dort der Höllenhund,
was andern Unheil bringt, das bringt ihm Heil,
ihm schmecken Mord und Totschlag, Schmutz und Schund.

Der Henker aber streichelt sanft sein Beil.
Er weiß, es fühlt sich ausgehöhlt und wund:
Den Vorzug gab man diesmal ja dem Seil.
Zur gefälligen Fortsetzung...

starrt
Meise
leise
hart

Gegenwart
weise
Reise
vernarrt

Quarz
Flöte
schwarz

böte
Harz
Nöte
13.02.2007 12:35
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cameleon Offline
Formalist
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Beiträge: 107
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #37
RE: Spielkram: Sonette nach aufgegebenem Endreim
grandios! ich lache gerade Tränen - carnevallissimo!

Des Daseins eigentlichen Anfang macht die Schrift.
13.02.2007 12:38
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Margret Offline
Stift
****

Beiträge: 36
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #38
RE: Spielkram: Sonette nach aufgegebenem Endreim
[/color][/size][/font][font=Tahoma][size=small][color=black]

Der Winter-Wunsch einer Meise
Ringsum ist alles Leben, scheints, erstarrt,
ja, ein Kanari wär nun gerne gar die Meise,
die in den kahlen Zweigen noch ganz leise
piepst. Sie findet diesen Winter wirklich hart.

Sie meint, obwohl in ihrer Gegenwart
es niemand hören will, zu sich ganz weise:
Im nächsten Winter gehe ich auf eine Reise,
ich bin in dieses Wetter nicht vernarrt.

Und für den Weg schnitzt ich aus kaltem Quarz
mir eine feine ausgesprochen edle Flöte.
Den Körper streicht ich bunt, das Mundstück schwarz.

Selbst, wenn man mir dann einen Platz anböte,
ich reiste fort bis hin zum nahen Harz,
und tauscht mit Harzer Rollern meine Nöte.
und hier die neuen "Reizworte"

spielen
Kleider
Neider
schielen

fielen
leider
Beider
zielen

Musen
Fragen
Blusen

schmusen
tragen
Magen

Besuch mich auf meiner website. Ich freu mich.



Margret
14.02.2007 21:49
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alibabacb Offline
Hobby-Autor
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Beiträge: 12
Registriert seit: Feb 2007
Beitrag #39
RE: Spielkram: Sonette nach aufgegebenem Endreim
Hallo

Im Gewand der Lust sie gierig spielen,
hingeworfen sind die teuren Kleider;
Hinter Türen lauschen böse Neider,
tückisch sie durch Schlüssellöcher schielen

Wie sie keuchend aufeinander fielen,
Schweiß an ihren Körpern: aber leider
warn es schon die letzten Stunden Beider,
denn man würde sicher auf ihn zielen;

Immer hatten ihn entzückt die Musen:
neckte, lockte sie, nahm ohne Fragen
in den gold’nen Nächten lock’rer Blusen,

um bis Sonnenaufgang schön zu schmusen;
Heiße Schuld musst er nicht länger tragen,
denn ein Schuss aus Blei traf ihn im Magen.


Hmmm... Und gleich die neuen Versenden:

Schollen
dann
kann
Knollen

stoben
sein
fein
toben

Kinderzungen
Lungen
saugen

Ende
Kinderhände
taugen

Viel Spaß LG Alibaba
17.02.2007 19:26
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Ulrich Reinhardt Offline
Hobby-Autor
**

Beiträge: 19
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #40
RE: Spielkram: Sonette nach aufgegebenem Endreim
Zukunft

Es wächst das Unkraut auf den sonst gepflügten Ackerschollen.
Warum sollt' ich es pflügen lassen,was erlang' ich dann?
Viel Arbeit und der Weizen, den man kaum verkaufen kann,
verkommt, so wie im letzten Jahre die Kartoffelknollen.

Die letzte Hoffnung, dass es weitergeht, ist längst zerstoben.
Ich werde in der langen Kette wohl die Letzte sein.
Die Tochter lebt in Deutschland, sie ist glücklich, dort ist's fein.
Sie will nicht wissen, was in mir für Seelenqualen toben.

Der Hof verfällt, es fehlt der helle Klang der Kinderzungen.
Die Erde gibt nur Brot, wenn man mit keuchend' Lungen
den Pflug lenkt, während Staub und Hitze an den Kräften saugen.

Das Land der Eltern liegt nun brach, es ist zu Ende.
Jahrhunderte ging das Vermächtnis in der Kinder Hände,
doch heute scheint es für die Zukunft nicht zu taugen.
08.07.2007 15:03
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 5.326
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #41
RE: Spielkram: Sonette nach aufgegebenem Endreim
Hallo Uli,

schön daß du wieder da bist. ich hatte arge Probleme mit dieser Reimkombination, aber du hast die Aufgabe thematisch gut gelöst. Nur in Zeile 10 hast du dich etwas vergaloppiert, rythmisch geht die irgendwie gar nicht. Aber das läßt sich wohl ausbügeln, zumal du noch zwei Silben frei hast.

Nun bin ich mal gespannt auf deine Reime.

LG ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
09.07.2007 15:00
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Ulrich Reinhardt Offline
Hobby-Autor
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Beiträge: 19
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #42
RE: Spielkram: Sonette nach aufgegebenem Endreim
Hallo Zaunkönig,
ich habe mich auch schwer getan, ich bin auch nicht ganz zufrieden. Das Thema wollte ich eigentlich schon lange aufgreifen, seit ich mal mit dem Fahrrad ein Stück in Siebenbürgen unterwegs war. Die beiden Mittelzeilen der Terzinen sind nicht gut geworden.Aber es geht ja um Spielkram, deshalb habe ich es erst mal so reingesetzt. Ich hatte mich in der letzten Zeit mehr mit Malen beschäftigt, da hatte ich immer nur kurz hier gelesen. Aber da es solange stockte habe ich mir dann die letzten Reime mal vorgeknöpft.
Aber nun will ich die neuen Reime vorgeben und hoffe das ihr was daraus machen könnt.
fallen
hoben
loben
Vasallen

Scheide
dehnen
sehnen
Geschmeide

darben
Garben
Geiz

Naben
Farben
Reiz

Viel Spaß
Uli
09.07.2007 21:08
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Beiträge: 1.630
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #43
RE: Spielkram: Sonette nach aufgegebenem Endreim
Hört ihrs? Der letzte Fürst ist tief gefallen,
und wie sie ihn aufs Blutgerüst hochhoben
da hörte ich den Plebs die neue Ordnung loben,
um Brot und Spiele sind sie gern Vasallen.

Das Schwert steckt lang schon wieder in der Scheide
doch reicht ein Wort, ein kurzes Händedehnen,
und neu fährt Stahl durch Knochen und durch Sehnen,
zeigt Eingeweide, schillernd wie Geschmeide.

Es mag wohl sein, dass wir bald wieder darben,
wie eh und je frisst Steuerlast die Garben,
nur statt der Faulheit heißt`s  nun, plagt uns Geiz.

Im frühen Schneefall brennen meine Narben
ob alt, ob neu, in königsblauen Farben,
das Morgenrot beißt wie ein Hustenreiz.
tasten
wecken
strecken
lasten
masten
hecken
becken
fasten

beginnen
glühen
rinnen
sprühen
innen
glühen

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
10.07.2007 14:24
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Ulrich Reinhardt Offline
Hobby-Autor
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Beiträge: 19
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #44
RE: Spielkram: Sonette nach aufgegebenem Endreim
Halo sneaky,
Du bist schnell und hast die Reime, gut ausgefüllt. Egal wer Herrscher ist, er fordert Steuern nach der Feier der Machtübernahme. Jetzt warten wir auf deine Reime.

Viele Grüße Uli
Am Anfang

Wenn ungeübte Finger neue Wege tasten,
weil Blicke und ein Lächeln nie geahntes wecken,
entdecken sie den Pfad auf den uralten Strecken,
sie tauchen tief ins Glück und spüren keine Lasten.

Dann fliegt das Schiff empor, der Wind singt in den Masten.
Der Horizont, unendlich weit, kennt keine Hecken.
Das Wasser quirlt und tanzt und überschäumt das Becken.
Die Seele schwebt, das Herz genießt nach langem Fasten.

Nur einmal lässt sich dieser Wunderweg beginnen.
Noch manches mal erfasst ein jedes Herz das Glühen.
Erinnerung an's erste mal wird nicht verrinnen,

so oft auch wieder neu die alten Funken sprühen.
Denn etwas ändert uns und bleibt für immer innen
und leuchtet in uns auf in jedem Blumen Blühen.
Die neuen Reime:
Buch
halt
Gestalt
Fluch

kalt
Versuch
Tuch
alt

Angst
Lied
bangst

Gebiet
sangst
geriet

inspirieren euch hoffentlich

Uli
10.07.2007 22:49
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