Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Wolkenschiffe
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
****

Beiträge: 5.407
Themen: 18
Registriert seit: Jan 2007
#12
RE: Wolkenschiffe
XII.

Tentakel züngeln, suchen, finden Halt
und Sturm reiß unaufhörlich in den Wanten.
Bedrohlich knarren unter Deck die Spanten
wenn Menschenwerk auf Urgewalten prallt.

Für jene Spiel, ein Überlebenskampf
für mich; ich weiß, ich muß mich neu besinnen
„Die wahre Kraft entfaltet sich von innen“
uns schon sticht Sonne durch den Wetterdampf.

Wie wir beherzt einander aufgewiegelt,
das Tier und ich, wie wir uns angestiert,
so lassen wir einander nun der Flut.

Die späte Sonne seh ich wie gespiegelt,
als ob dort fern ein Mohnfeld explodiert.
Ich sinke, tauche ein in pure Glut.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
09.05.2007, 18:12
Homepage Suchen Zitieren
Friedrich Offline
Verse-Schmied
*

Beiträge: 208
Themen: 0
Registriert seit: Jan 2007
#13
RE: Wolkenschiffe
XIII.

Ich sinke, tauche ein in pure Glut,
Kopfüber in ein Flammenmeer, ein Anker
Gekettet an sein Selbst., gleich Ré, einst sank er,
Als Sonne, in und um mir pulst sein Blut.

Das Rasseln schwerer Eisenglieder stirbt
Allmählich, Ringe glühen, werden weicher
Und klaffen auf, gelöst, an Freiraum reicher,
Verfalle ich dem Tiefenrausch – es wirbt

Die Flut, die Wärme mit vertrauter Nähe,
Ich schwebe, federfrei, von ihr umschwallt,
Verfangen ineinander, ich vergehe

Und werde, ich bin jung und endlos alt,
All-Ein In diesem Spiel und ich verstehe,
Verbrenne wesensgleich zur Lichtgestalt.
Wonach immer du im Leben suchst - du findest es in dir.
Melos Merulae - Friedrich
12.05.2007, 11:29
Homepage Suchen Zitieren
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
****

Beiträge: 5.407
Themen: 18
Registriert seit: Jan 2007
#14
RE: Wolkenschiffe
XIV.

Verbrenne wesensgleich zur Lichtgestalt.
Ein Mohn bin ich im Meer von tausend Mohnen
und wie mein Rot, entsinkend tausend Thronen
sich wiedergibt der irdischen Gewalt

beginnen Korn um Korn in mir zu reifen.
Der Funke, der mich in der Tiefe traf
durchglüht ein Keimendes in mir. Wie Schlaf
bemächtigt er sich mir und will ergreifen

den Körper und die Seele, den Verstand,
die Sinne: Haptik, Augenlicht, Geruck
und finde doch nicht, was ich ewig such.

In mir verwachsen ist mein Wunderland.
Zum Himmel rankt ein Rosenholzspalier.
Azur, so lockt die See hoch über mir.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
12.05.2007, 11:46
Homepage Suchen Zitieren
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
****

Beiträge: 5.407
Themen: 18
Registriert seit: Jan 2007
#15
RE: Wolkenschiffe
Und das Meistersonett, das natürlich auch als Gemeinschaftswerk entstand:


XV - Magistrale

Azur, so lockt die See hoch über mir.
Doch wenn mein Sinn schon längst die Rah erklimmt,
Wenn Traum und Plan am Horizont verschwimmt
Erwacht am Meeresboden dieses Tier.

Die Wogen wölben sich, es spritzt die Gischt,
Es dreht sich richtungslos mein schwanker Kahn.
Was nun passiert, sei's Wille oder Wahn;
Es hat die Wasserfarben neu gemischt.

Zu Purpurrot verkocht die Brecherflut,
Fontänen zischen, sprühen feurig kalt,
Es rast der Puls, das Blut, es flieht der Mut,

Tentakel züngeln, suchen, finden Halt,
Ich sinke, tauche ein in pure Glut,
Verbrenne wesensgleich zur Lichtgestalt.

-------------------------------------F. K. / ZkG
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 12.05.2007, 11:52 von ZaunköniG.)
12.05.2007, 11:51
Homepage Suchen Zitieren




Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste