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Percy Bysshe Shelley: 'A widow-bird sate mourning'
#1
GB 
Percy Bysshe Shelley
'A widow-bird sate mourning'


A widow-bird sate mourning for her love
Upon a wintry bough;
The frozen wind crept on above,
the freezing stream below.

There was no leaf upon the forest bare,
No flower upon the ground,
And little motion in the air
Except the mill-wheel's sound.


Percy Bysshe Shelley
'Die Vogel-Witwe'

Ü: Josef Riga

Die Vogel-Witwe saß, beklagte sehr
Ihre tote Lieb'.
Der kalte Wind blies um sie her,
Das Eis im Strome trieb.

Nicht eine Blume sah man dort im Grund,
Im Wald kein einz'ges Blatt.
Und kein Geräusch gab es zur Stund',
Nur Klang vom Mühlenrad.
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#2
Hallo Josef,

ich glaube, hier hat Shelley ein Wortspiel verdichtet. Den widowbird gibt's ja als Vogelart tatsächlich, deswegen halte ich die Übertragung als Vogelwitwe für zu wortwörtlich. Das ist aber mehr mein Gefühl, als mein Wissen.

Gruß

Sneaky
Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
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#3
Im Deutschen gäbe es die Witwenvögel. Die sind zwar nicht identisch mit den englischen Widowbirds, aber wenn es ums Wortspiel geht, eine naheliegende Alternative. Allerdings kommen beide Arten aus Afrika, während Shelley die Szene wohl in heimischen Gefilden verortet.

Gruß
ZaunköniG
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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#4
Hallo Sneaky, hallo Zaunkönig,

das mit dem Sprachspiel Witwen-Vogel, die Witwe eines Vogels ist funktioniert natürlich nur im Englischen, weil widow(-) bird, einmal mit Bindestrich, einmal ohne, beide Bedeutungen in der gleichen sprachlichen Form ausdrückt. Im Deutschen hätten wir dann aber den Witwenvogel und die Vogelwitwe. Geht also schlecht. Der Sinn des Gedichtes und die tödlich-kalte Stimmung aber ist, denke ich mit den üblichen romantisch-sparsamen Mitteln (klapperndes Mühlenrad am eisigen Fluss ...) gut wieder gegeben.
Mir kommt gerade die Idee: man könnte mal ein Buch zusammenstellen, wo in jedem Gedicht mindestens ein Vogel vorkäme: Widow-Bird, Lerche, Nachtigall, Eulen, Krähen und mehrere nicht näher spezifizierte Sänger ( und natürlich der Zaunkönig) fallen mir da sofort ein. Die Themenvielfalt dieser Gedichte wäre erheblich!
Gruß
Josef
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#5
Hallo Josef,

Auch beim Witwenvogel ist doch sofort die richtige Assoziation da. Das sehe ich nicht als Problem. Ich sehe eher im Original das Problem, dass es wohl ein reines Wortspiel ist. Nicht nur, dass Shelley den afrikanischen Vogel in heimische Landschaft gesetzt hat, er scheint ihn tatsächlich nicht gekannt zu haben. Wenn man etwas recherchert findet man bei den Witwenvögeln zumindest einige, eher dunkel gefärbte, während die widow-birds soweit ich sehen kann alle recht farbenfroh sind. Der Deutsche Name "Wida" oder "Widah" enthält entsprechend gar keinen Hinweis mehr auf einen Traueraspekt. Ich denke, dass der Name nur lautmalerisch den Ruf den Vogels nachahmt, wie bei Kiebitz, krähe oder Uhu.

"Beschwingte Verse" könnten auch ein Modul in unserer Lesung sein. Es müssen ja nicht immer die naheliegenden Themen von Liebe, Tod und Glaube sein.

Gruß
ZaunköniG
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
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