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Rudyard Kipling: Natural Theology
Sneaky Offline
Metrik-Matador
*

Beiträge: 1.615
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #1
GB Rudyard Kipling: Natural Theology
Primitive

I ate my fill of a whale that died
And stranded after a month at sea. . . .
There is a pain in my inside.
Why have the Gods afflicted me?
Ow! I am purged till I am a wraith!
Wow! I am sick till I cannot see!
What is the sense of Religion and Faith :
Look how the Gods have afflicted me!


Pagan

How can the skin of rat or mouse hold
Anything more than a harmless flea?. . .
The burning plague has taken my household.
Why have my Gods afflicted me?
All my kith and kin are deceased,
Though they were as good as good could be,
I will out and batter the family priest,
Because my Gods have afflicted me!


Medi/Eval

My privy and well drain into each other
After the custom of Christendie. . . .
Fevers and fluxes are wasting my mother.
Why has the Lord afflicted me?
The Saints are helpless for all I offer--
So are the clergy I used to fee.
Henceforward I keep my cash in my coffer,
Because the Lord has afflicted me.


Material

I run eight hundred hens to the acre
They die by dozens mysteriously. . . .
I am more than doubtful concerning my Maker,
Why has the Lord afflicted me?
What a return for all my endeavour--
Not to mention the L. S. D!
I am an atheist now and for ever,
Because this God has afflicted me!


Progressive

Money spent on an Army or Fleet
Is homicidal lunacy. . . .
My son has been killed in the Mons retreat,
Why is the Lord afflicting me?
Why are murder, pillage and arson
And rape allowed by the Deity?
I will write to the Times, deriding our parson
Because my God has afflicted me.


Chorus

We had a kettle: we let it leak:
Our not repairing it made it worse.
We haven't had any tea for a week. . .
The bottom is out of the Universe!


Conclusion

This was none of the good Lord's pleasure,
For the Spirit He breathed in Man is free;
But what comes after is measure for measure,
And not a God that afflicteth thee.
As was the sowing so the reaping
Is now and evermore shall be.
Thou art delivered to thine own keeping.
Only Thyself hath afflicted thee!


Natürliche Theologie

Urzeitlich
Ich aß von dem Wal der auf See verstarb
- nach eines Monds Dauer lagen -
die Reste am Ufer. Mein Magen verdarb.
Wie können mich Götter so schlagen?
Nun quält mich der Durchfall bis in den Tod,
bin blind schier von Brechen und Klagen,
was nutzt Religion, was der Glaube in Not?
Seht, wie die Götter mich schlagen.

Heidnisch
Die Flöhe vom Rattenfell oder der Maus
die kann man gefahrlos ertragen.
Die Pest wütet grimmig in meinem Haus.
Wie kommts, dass die Götter mich schlagen?
Mir starben die Kinder, die Eltern, das Weib,
brav so wie ich an allen Tagen.
Nun geh ich und prügle des Dorfpriesters Leib,
weil meine Götter mich schlagen.

Mittelalterlich
Mein Scheißhaus steht meinem Brunnen zur Seit,
nach Brauch aus altvorderen Tagen,
die Mutter plagt Fieber und Ausfluss zur Zeit,
wie kann mich der Herrgott so schlagen?
Kein Heiliger half, - und ich betete schwer -
kein Pfaffe erst recht , kann ich sagen.
Ab jetzt sieht die Kirche kein Geld von mir mehr,
denn mich hat der Herrgott geschlagen.

Materiell
Achthundert an Hühnern halt ich im Stall,
muss täglich Tote beklagen.
Mein Zweifel am Herrn wächst von Fall zu Fall.
Warum hat mein Gott mich geschlagen?
Für all mein Bemühen so magerer Lohn,
was wird meine Bank erst sagen?
Ich bin Atheist, nie mehr Kirchensohn,
denn Gott, dieser Gott, kann nur schlagen.

Fortschrittlich
Wer Geld will für Flotten, Soldatenlohn,
muss tödlicher Wahnsinn plagen.
Mein Sohn starb beim Rückzug von der Stadt Mons
warum hat der Herr mich geschlagen?
Wieso gehen Morden und Plünderung an?
kein gütiger Gottes würd das wagen.
Das schreib ich der Times, verhöhn den Kaplan
denn mich hat mein Gott geschlagen.

Kehrreim
An unserem Kessel warn saudummes Leck,
es dann nicht zu dichten, noch dümmer,
seit Wochen gibt’s Frust, ist die Teepause weg,
dem All fehlt der Boden noch immer.

Schlussfolgerung
Und nichts davon war, wies nach Gottes Plan geht,
er gab uns den Willen zu fragen,
was Ursache ist, welche Wirkung entsteht,
kein Gott tats, die Menschheit zu schlagen.
Die Ernte wird sein, wie das Aussäen war,
das gilt noch in fernsten Tagen.
Der eigenen Obhut anheim sei dir klar:
Nur du hast allein dich geschlagen.

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
16.01.2015 11:58
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.912
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #2
RE: Rudyard Kipling: Natural Theology
Hallo Sneaky,

Ein interessanter Text, und da Religion immer offensiver in die öffentliche Debatte drängt auch wieder aktuell.
Bei deiner Übertragung hast du dir einige Freiheiten genommen. Nichts grob sinnverstellendes, aber vielleicht kommt man hier oder da noch näher heran.
Bevor ich in die Details gehe:

Klanglich läuft auch das Original nicht rund. Sind das bewusste Blankverse? Es mag sein, dass es an meinen schwachen Englischkenntnissen liegt, aber metrisch finde ich den Text ziemlich schlampig gearbeitet. Das hätte ich in einer Nachdichtung lieber etwas regelmäßiger.

Den Kehrreim solltest du auf jeden Fall überarbeiten

Zitat:Kehrreim
Am Kessel von uns warn saudummes Leck,
es dann nicht zu dichten, noch dümmer,
seit Wochen gibt’s Frust, ist die Teepause weg
dem All fehlt der Boden, noch schlimmer.

Warum dieser seltsame Dativ in der ersten Zeile?

"In unserem Kessel..."
läuft genauso gut und ist grammatisch besser.

"Dem All" liest sich wie ein verkürztes "Dem Allem..." Dass es hier um das Universum geht, wird ohne das Original nicht wirklich klar.
Auch die 4. Zeile bringe ich grammatisch nicht zusammen.


In den Strophen kann man einiges durchgehen lassen, aber gerade der Chorus als wiederholendes Element muss sitzen, finde ich.

Leider kann ich keinen besseren Vorschlag aus dem Hut zaubern.

Gruß
ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
18.01.2015 19:29
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Beiträge: 1.615
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #3
RE: Rudyard Kipling: Natural Theology
Hallo Zaunkönig,

nö Blankverse sind das nicht, an der einen oder anderen Stelle sinds dreckige Reime und manchmal auch gegen die Betonung gereiimt. Aber ansonsten sind da durchgängig Reime. Die Arrythmien sind für mein Empfnden in S 1 und S 2 danach läuft das Original sauber durch.

Den Vorschlag, den komischen Dativ zu ändern nehme ich gern. Auch die Schlusszeile änder ich : dem All fehlt der Boden noch immer.

Bezüglich der Abkürzung L.S.D hab ich nachgeguckt: Soll stehen für Pfund Shilling Pence aber die Abkürzung selber ist Latein: Librae, Solidi, Denarii. Da muss ich in meiner Übertragung aus Finanzamt wohl Konto machen.

Danke und Gruß

Sneaky

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
18.01.2015 21:08
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.912
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #4
RE: Rudyard Kipling: Natural Theology
Sorry, mit den Blankversen habe ich mich falsch ausgedrückt,
ich meinte die Arhythmik. - die bei Blankversen oft auch auftritt.
Dass die Zeilen gereimt sind, habe ich natürlich erkannt.

Gut, dass du die L S D noch erklärt hast. Die habe ich auf Anhieb nicht gefunden.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
18.01.2015 21:47
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.912
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #5
RE: Rudyard Kipling: Natural Theology
Die -agen-Reime behagen mir gar nicht, aber es scheint kein anderer gangbarer Weg zu sein.
Beim Chorus und einigen anderen Stellen habe ich mich vom Original entfernt, aber...
lest selbst:


Naturgegebene Theologie


Primitiv

Ich aß des Wales Eingeweide,
als Aas mir an den Strand getragen.
Die Geisterwelt schürt nun mein Leiden.
Wofür hat sie mich nur geschlagen?
Die Qual wird mir die Seele rauben;
mir dreht sich um der kranke Magen.
Was nutzen Religion und Glauben?
Seht her, wie mich die Götter schlagen.

- - - - - - - -Es schlug dem Fass den Boden aus.
- - - - - - - -Schlimm ist: wir repariern es nicht.
- - - - - - - -Es gibt kein Bier im ganzen Haus.
- - - - - - - -Das Universum ist nicht dicht.

Heidnisch

Was könnte uns vom Fell der Maus
mehr als die kleinen Flöhe plagen?
Nun wütet Pest in meinem Haus,
mit der mich meine Götter schlagen
um Kind und Kegel hinzuraffen,
die stets sich wussten zu betragen!
Büßen werden's mir die Pfaffen,
daß mich die Götter so geschlagen.

- - - - - - - -Es schlug dem Fass den Boden aus.
- - - - - - - -Schlimm ist: wir repariern es nicht.
- - - - - - - -Es gibt kein Bier im ganzen Haus.
- - - - - - - -Das Universum ist nicht dicht.

Mittelalterlich

Mein Plumpsklo steht beim Quell, wie's Brauch
ist, schon seit unsres Heilands Tagen...
Mama plagt Ausfluss. Fieber auch.
Warum hat uns der Herr geschlagen?
Zu Heiligem und Kreuzzugsheld
hab ich Gebet und Gut getragen.
Ab heut' behalte ich mein Geld,
denn Gott hat mich ja doch geschlagen.

- - - - - - - -Es schlug dem Fass den Boden aus.
- - - - - - - -Schlimm ist: wir repariern es nicht.
- - - - - - - -Es gibt kein Bier im ganzen Haus.
- - - - - - - -Das Universum ist nicht dicht.

Weltlich

Mein Hühnerstall zählt tausend Köpfe,
Doch eine Seuche stellt mir Fragen.
Ich zweifle immer mehr am Schöpfer:
Warum hat mich mein Gott geschlagen?
Es fehlt ertrag für den Invest
und bald ist mein Besitz zerschlagen.
So tut wohl recht, wer Gott verlässt,
denn dieser Gott hat mich geschlagen.

- - - - - - - -Es schlug dem Fass den Boden aus.
- - - - - - - -Schlimm ist: wir repariern es nicht.
- - - - - - - -Es gibt kein Bier im ganzen Haus.
- - - - - - - -Das Universum ist nicht dicht.

Aufgeklärt

Wer um mehr Geld für Truppen warb,
den musste wohl der Irrsinn plagen.
Beim Rückzug auch mein Jüngster starb.
Warum muss mich der Herr so schlagen?
Woher die Nöte und Verbrechen?
was wird uns künftig aufgetragen?
Mein Spott vorm Bischoff soll es rächen.
So oder so wird Gott mich schlagen

- - - - - - - -Es schlug dem Fass den Boden aus.
- - - - - - - -Schlimm ist: wir repariern es nicht.
- - - - - - - -Es gibt kein Bier im ganzen Haus.
- - - - - - - -Das Universum ist nicht dicht.

Conclusio

Doch dies war nichts, was Gott entschied:
er gab die Fähigkeit zu fragen,
was erst war, was deshalb geschieht.
Kein Gott wird seine Schöpfung schlagen.
So wie du säest, so wird es reifen.
So heut' wie auch in fernen Tagen.
Dein ist, die Folgen zu begreifen:
Allein du selbst hast dich geschlagen!

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
19.01.2015 13:59
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Beiträge: 1.615
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #6
RE: Rudyard Kipling: Natural Theology
Hallo Zaunkönig,

sehr stimmungs- und schwungvoll, deine Variante. Aber das Bier im Kehrreim ist ein Stilbruch. Immerhin hat das Kipling und nicht Seehofer geschrieben. DAs sollte schon Tee sein, finde ich.

Gruß

Sneaky

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
19.01.2015 22:27
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 4.912
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #7
RE: Rudyard Kipling: Natural Theology
"Das schlägt dem Fass den Boden aus" fand ich als Redewendung ganz passend und da Tee nicht in Fässern gelagert wird...

Aber es geht natürlich auch:

Dem Kessel schlug's den Boden aus
Schlimm ist: wir repariern ihn nicht.
Es gibt kein Tee im ganzen Haus.
Das Universum ist nicht dicht.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
20.01.2015 10:30
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