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Tropfenfänger & Kreisende Kolben
ZaunköniG Offline
Matre du Sonnet
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Beiträge: 4.484
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #1
Tropfenfänger & Kreisende Kolben
Dirk Schindelbeck & Alexander Rosner

Tropfenfänger & Kreisende Kolben
Deutsche Marken-Sonette 2.0.15


   


Was der Titel nahelegt, ahnt bereits der aufmerksame Forenbesucher.
Konsumartikel und Technik als Beispiele eher unkonventioneller Topiks in der Sonettdichtung bilden einen wichtigen Teil dieser Sammlung. Dabei sind diese Werbe-Sonette nicht allein Kuriositätenkabinett sondern liefern in der Gesammtschau auch so etwas wie einen Übersicht deutscher Befindlichkeiten und Attitüden, mit Schwerpunkt auf der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft, so sind neben legendären und schrägen Werbekampagnen auch Alltags-Skizzen ausgebreitet, wo Alt- und Neuhippies genauso ihr Fett wegbekommen wie Kaffeefahrtsteilnehmer oder Modellbauer. Sehr passend die Umschlaggestaltung, die sich mit ihrem umlaufenden Bilderband weniger an anderen Lyrikpublikationen orientiert als an zeitgeschichtlichen Dokumentationen und Chroniken.

Eigenwillig die Einleitung, die Schindelbeck mit "Betriebsanleitung" betitelt:

".Es [das Sonett] spiegelt moderne Strukturen von Produktion, Distribution und Konsumption, hat festgelegte Qualitätsstandards, entspricht rationeller Modulbauweise, ist stapelbar...."

ernsthaft?

Nicht ganz, aber eben auch nicht so abwegig wie es Traditionalisten auf Anhieb erscheinen mag. Apropos Tradition: Wer im Sonett in erster Linie das Kling-Gedicht sehen will, wird hier und da über metrische Unreinheiten stolpern, doch legt Schindelbeck nachvollziehbar dar, dass diese konventionelle Sicht auf das Sonett ziemlich eindimensional ist. Dabei ist der Autor kein moderner Sprachzertrümmerer; aber das Wesen des Sonettes sucht (und findet) er in der Dramaturgie oder wie er es nennt, in den Ablauffiguren.

Im Verlauf seiner Betriebsanleitung kommt Schindelbeck auf die Beziehungen des Sonetts zu anderen Kunstgattungen und Kulturtechniken zu sprechen und so abwegig sie zunächst scheinen mögen, tritt er mit eigenen Sonetten erfolgreich den Beweis der eigenen Theoreme an.

Bis hierher war nur von Dirk Schindelbecks Beitrag die Rede.
Das ist weniger dem Umstand zu verdanken, dass er Mitschreiber in diesem Forum ist, als vielmehr der Tatsache, dass er einziger Autor des Buches ist, sowohl der Sonette als auch des umfangreichen einleitenden, theoretischen Teils.

Die gleichwertige Nennung Alexander Rossners auf dem Buchdeckel ist dennoch gerechtfertigt. Das Buch ist reich illustriert, dabei grafisch und typografisch ausgewogen, was angesichts unterschiedlicher Bildformate nicht selbstverständlich ist.



Lavori-Verlag Freiburg,
160 S., 90 Abbildungen,
geb., 29,80 Euro,
ISBN 798-3-935737-64-7

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 08.08.2015 13:13 von ZaunköniG.)
08.08.2015 13:11
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