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William Shakespeare: 003
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 5.022
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #1
Gb-England William Shakespeare: 003
William Shakespeare
1564 - 1616 England

3


Look in thy glass, and tell the face thou viewest
Now is the time that face should form another,
Whose fresch repair if now thou not renewest,
Thou dost beguile the world, unbless some mother.

For where is she so fair whose uner’d womb
Disdains the tillage of thy husbandry?
Or who is he so fond, will be the tomb
Of his selb-love to stop posterity?

Thou art thy mother’s glass, and she in thee
Calls back the lovely April of her prime:
So thou through windows of thine age shalt see,
Despite of wrinkles, this thy golden time.

But if thou live remember’d not to be,
Die single, and thine image dies with thee.



3

Sag’, was für ein Gesicht im Spiegel ist.
Zeit wärs fürs Neue, sich darin zu regen.
Was wirst Du, wenn Du nicht erneuert bist,
der Welt sein, wenn Du endest Mutters Segen?

Und welcher Sinn bleibt einem Mutterleib,
den eine Haushaltspflicht niemals gestört,
wenn doch von all dem nichts der Nachwelt bleibt,
und Deine Linie dem Grab gehört.

Du bist der Mutter Spiegel, sie in Dir.
Sie ruft sich ihren schönen Lenz zurück
und Du erkennst vielleicht Dein Alter hier,
auch trotz der Falten ist es Zeit voll Glück.

Doch wenn Du später nichts erkennst, nichts siehst,
stirbst Du allein und was du warst zerfließt.



.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 10.07.2016 11:36 von ZaunköniG.)
11.01.2016 01:16
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Beiträge: 1.615
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Beitrag #2
RE: William Shakespeare: 003
Hallo Zaunkönig,

ist das eine neue oder eine frühe Übertragung von dir? Ich tippe auf schon älter, irgendwie fehlt mir da deine typische Handschrift. Und im zweiten Quartett finde ich kaum was vom Original wieder, das ist mir zu weit weg vom Original.

Sneaky

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
11.01.2016 20:08
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 5.022
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #3
RE: William Shakespeare: 003
Hallo Sneaky,

Das ist ein früher Versuch, wie eigentlich alle Shakespeare-Sonette. Nur in der ersten Strophe habe ich beom abtippen ganz spontan noch etwas geändert. Die war nämlich auch sehr frei.
Wobei ich gar nicht grundsätzliches gegen freie Bearbeitungen habe, aber dies geht bestimmt noch besser.

Zur Zeit schwirren mir noch zu viele andere Texte im Kopf, aber ich gehe hier gewiss nochmal drüber.
Oder gibt es eine ganz neue Version?
Mal schauen, was die Muse meint.

ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
12.01.2016 08:14
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Josef Riga Offline
Jambini
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Beiträge: 343
Registriert seit: Aug 2014
Beitrag #4
RE: William Shakespeare: 003
Hallo ZaunköniG

Auch mir erscheint das 2. Quartett unzureichend übersetzt. Die "husbandry" bezieht sich doch wohl auf "ihn"; das kommt in der Übertragung nicht heraus, sondern wird der Mutter zugeschlagen. Mir ist auch der Sinn des gesamten Texte etwas nebulös. Was will S. uns damit sagen?

Gruß
Josef
P.S. ich finde S. zu übersetzen allerdings auch extrem schwierig. Da habe ich mich überhaupt noch nicht heran gewagt.
12.01.2016 10:49
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Sneaky Offline
Metrik-Matador
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Beiträge: 1.615
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #5
RE: William Shakespeare: 003
@ Josef

Die ersten 17 Sonette richten sich an einen Unbekannten aus dem englischen Adel, der darin bestürmt wird, eine Familie zu gründen und Kinder zu zeugen, damit "die edle Linie nicht ausstirbt". So sah das Sonett in seiner Ausgabe von 1609 aus:

Looke in thy glaſſe and tell the face thou veweſt,
Now is the time that face ſhould forme an other,
Whoſe freſh repaire if now thou not reneweſt,
Thou doo'ſt beguile the world,vnbleſſe ſome mother.
For where is ſhe ſo faire whoſe vn-eard wombe
Diſdaines the tillage of thy huſbandry?
Or who is he ſo fond will be the tombe,
Of his ſelfe loue to ſtop poſterity?
Thou art thy mothers glaſſe and ſhe in thee
Calls backe the louely Aprill of her prime,
So thou through windowes of thine age ſhalt ſee,
Diſpight of wrinkles this thy goulden time.
But if thou liue remembred not to be,
Die ſingle and thine Image dies with thee.

Never sigh for a better world it`s already composed, played and told
12.01.2016 14:49
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 5.022
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #6
RE: William Shakespeare: 003
Meine alten Shakespeareversuche sind von 1997, also 18 Jahre alt.
Bin ich nun ein erwachsener Übersetzer?

Hier beim dritten Sonett habe ich mich nun doch für einen Neubau entschieden.
Im Wortlaut auch recht frei, aber ich hoffe, dass ich den Geist besser eingefangen habe:


3

Schau in den Spiegel, sag dem den du siehst,
nun soll dein Antlitz selbst ein neues prägen.
Wenn du die Renaissance nicht jetzt beschließt,
verweigerst du so Welt wie Weib den Segen.

Was kann der Sinn fruchtbaren Schoßes sein,
will nie der Bauer seine Scholle wenden?
Willst du der Eigenliebe Grabstein sein
und eine edle Linie jäh beenden?

Du bist der Mutter Spiegel: Sie sieht sich
und ruft sich ihren schönen Lenz zurück.
So schau in gleicher Weise auch auf dich,
trotz aller Runzeln, auf dein heutges Glück.

Doch willst du keine Zeugen hinterlassen,
stirbst du allein. - Dein Bild wird ganz verblassen.



Am meisten Kopfzerbrechen machen mir die Zeilen 5/6

For where is ſhe ſo faire whoſe vn-eard wombe
Diſdaines the tillage of thy huſbandry?

"womb" ist eindeutig die Gebärmutter.
Ohne sich mit dem Bild der Leibesfrucht aufzuhalten kommt Shakespeare sofort auf Acherbau zu sprechen. Ich finde das eigentlich ziemlich holprig, wie er die Metapher konstruiert. um das im Deutschen zu glätten bräuchte man allerdings mehr Platz.
Zudem kommen bei diesen Blut-und-Boden-Metaphern womöglich noch ein paar ungewollte Assoziationen.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 15.01.2016 18:30 von ZaunköniG.)
13.01.2016 10:40
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Josef Riga Offline
Jambini
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Beiträge: 343
Registriert seit: Aug 2014
Beitrag #7
RE: William Shakespeare: 003
Hallo Zaunkönig,

diese Übersetzung ist wirklich um Klassen besser als der jugendliche Versuch.
Im Tonfall und Ausdruck angemessen, wurden elegant die typischen Shakespeare-Metaphern übertragen. Gefällt mir sehr gut.
Ich sehe in dem Wechsel von "Gebärmutter" zu "Acker" auch kein unüberwindliches Problem; die Frau wird hier eben bei S. in ihrer natürlichen Funktion als fruchtbar zu machende Erde angesehen - Feministinnen von heute wäre das natürlich ein Greuel. Ein solches Sonett könnte heute an US-Universitäten nur noch, wie es dort mit Büchern von Klassikern wie Ovid oder Kant (sic) geschieht, mit Warnhinweisen versehen vorgelesen werden. So ähnlich wie bei der Abgabe von Zigarettenpackungen: "Vorsicht! Das Buch/Gedicht enthält verstörende Inhalte bezüglich des Geschlechterverhältnisses sowie ungezügelte Gewaltdarstellungen. Es kann bei der Lektüre durch vorgeschädigte Personen zu Schmerzen durch Erinnerungsrückfälle kommen." (Das ist leider kein Witz)
Aber in Zeile 6 soll es doch wohl heißen: Will nie der Bauer seine Scholle wenden?

Gruß
Josef
15.01.2016 11:02
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 5.022
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #8
RE: William Shakespeare: 003
Hallo Josef,

Mit Gewaltdarstellungen gehen die Amis ja etwas lockerer um, als Ausgleich für die zensierten Liebesszenen.
Warum sollte denn vor Kant gewarnt werden?

Die Zeile 6 habe ich geändert.
Immer diese Hektik auch!

Gruß
ZaunköniG

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
15.01.2016 18:36
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