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Blattgold
Alcedo Offline
Verse-Schmied
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Themen: 0
Registriert seit: Apr 2016
#1
Blattgold
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Blattgold


Buchen blättern
Stund um Stund -
Eichelhäher
betten Bunt.

Ocker wirft ein
Dachs heraus -
weidet wild den
Brustkorb aus.

Gold des Sommers
schlingt ein Bär -
Herbstzeitrippen
prangen leer.


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20.07.2016, 22:58
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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#2
RE: Blattgold
Hallo Alcedo,


Die knappe Form gefällt mir gut,
auch die lakonische Aufzählung,

aber während die meisten Bilder gut einfach nebeneinander stehen können,
funktioniert das im Mittelteil nicht so gut.

"Ocker wirft ein Dachs heraus - weidet wild den Brustkorb aus"

Da im zweiten Teil kein Subjekt genannt wird, kann es eigentlich nur der Dachs sein, aber was ist Ocker im Brustkorb?

Ich nehme an, dass du zwei verschiedene Bilder meinst. Einmal dass er sand aus seinem Bau auswirft und als zweites, das Wühlen im Kadaver, aber grammatisch müsste man das voneinader absetzen. und sei es nur durch ein Zeitwort.

... weidet dann den Brustkorb aus.


Naja, auch noch nicht das gelbe vom Ei, aber du weißt was ich meine.



Gruß
ZaunköniG
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
24.07.2016, 10:49
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Alcedo Offline
Verse-Schmied
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Beiträge: 158
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Registriert seit: Apr 2016
#3
RE: Blattgold
hallo ZaunköniG

danke für dein Feedback.

mit Interesse habe ich die zwei verschieden Bilder, die dir bei der Ockerstrophe vorschwebten, gelesen. intendiert sind eigentlich mehrere, richtig. bei der beschriebenen Gleichzeitigkeit müssen sie wohl oder übel miteinander verschmelzen. ein wie auch immer geartetes Zeitwort oder eine zeitliche Einordung/Abfolge habe ich hier bewusst vermieden. ähnlich wie bei einem Haiku. wenn du so willst, darfst du es als eine Art gegliedertes, aufgeblähtes Haiku, oder als Haiku-Reim-Kette betrachten.

du liegst auf jeden Fall richtig mit dem ausgeworfenen Aushub aus dem Dachsbau und mit dem Kadaver. im Auwald meiner Kindheit, Adoleszenz und Jugend war es ockerfarbener Schwemmsandboden gewesen, der schon weit durch das Unterholz leuchtete wenn man sich durch den dunklen Herbst-Wald bewegte und der das welke, braune, ebenerdige Bodenlaub wie eine flache Pyramide von Ferne schon überragte.
einen Rothirschkadaver kann in unseren Breiten nur noch Dachs und Wildschwein effizient aufbrechen. unser Dachs verhält sich dabei wie sein nördlicher Verwandter, der Vielfrass.
er hats aber wohl meist nur - als Feinschmecker und wegen der sonstigen überbordenden Nahrungsfülle bei uns im Herbst - auf die leckeren Innereien abgesehen. bei älteren Kadavern, heben sich die frisch aufgerissenen Stellen, eher Ocker- als Rotfarben vom Hintergrund ab.
aber auch dort wo er sonst nur nach Pilzen oder Schnecken buddelt, reichen schon ein paar Handvoll aufgewühltes Buchenlaub aus, um Ocker hervorzustechen zu lassen.

Gruß
Alcedo
Come build in the empty house of the stare
- Yeats -
24.07.2016, 13:44
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ZaunköniG Offline
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Beiträge: 5.413
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Registriert seit: Jan 2007
#4
RE: Blattgold
Zitat:bei älteren Kadavern, heben sich die frisch aufgerissenen Stellen, eher Ocker- als Rotfarben vom Hintergrund ab.

Okay, so viele Rotwildkadaver habe ich noch nicht gesehen, - dann ziehe ich meinen Einwand zurück.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
24.07.2016, 14:05
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