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Meng Hao-jan: Chūn mián bù jué xiǎo
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beitrag #1
China Meng Hao-jan: Chūn mián bù jué xiǎo
Meng Hao-jan
ca. 689 – 740 China


春眠不覺曉,
處處聞啼鳥。
夜來風雨聲,
花落知多少。



Chūn mián bù jué xiǎo,
Chù chù wén tí niǎo.
Yè lái fēng yǔ shēng,
Huā luò zhī duōshǎo.



english von: A. Z. Foreman

Asleep in spring  unconscious of the dawn
Then all around  I hear the birds in song
Last night came loud with wind and rain
I wonder how many of the flowers are gone



Lenz war‘s und ich verschlief den jungen Tag.
Schon hörte man den frohen Finkenschlag,
Doch Wetter tobten die vergangne Nacht,
dass manche Blüte schon am Boden lag.




.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
02.04.2017 08:35
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Alcedo Offline
Verse-Schmied
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Beitrag #2
RE: Meng Hao-jan: Chūn mián bù jué xiǎo
(02.04.2017 08:35)ZaunköniG schrieb:  Meng Hao-jan
ca. 689 – 740 China


春眠不覺曉,
處處聞啼鳥。
夜來風雨聲,
花落知多少。



Chūn mián bù jué xiǎo,
Chù chù wén tí niǎo.
Yè lái fēng yǔ shēng,
Huā luò zhī duōshǎo.



english von: A. Z. Foreman

Asleep in spring  unconscious of the dawn
Then all around  I hear the birds in song
Last night came loud with wind and rain
I wonder how many of the flowers are gone



Lenz war‘s und ich verschlief den jungen Tag.
Schon hörte man den frohen Finkenschlag,
Doch Wetter tobten die vergangne Nacht,
dass manche Blüte schon am Boden lag.

hallo ZaunköniG

schlanke zwanzig chinesische Schriftzeichen stehen hier geschlagenen siebenundzwanzig breiten fetten deutschen Wörtern gegenüber - was für ein optischer Gegensatz!

klanglich ist es aber bei Dir, vom Endreim her, das gleiche Rubajat. was ich als Vorteil gegenüber der englischen Version sehe:
xiǎo, niǎo, shǎo - shēng versus Tag, schlag, lag - Nacht
ist selbst optisch gar nicht mal so weit voneinander entfernt und klanglich zumindest ebenbürtig würde ich mal sagen!

am wenigsten gefällt mir das uneinheitliche Metrum in deiner Version, mit trotzdem zwein Aussparungen und Verkürzungen (war‘s , vergangne). auch die Doppelung des schons empfand ich als unschön. unwillkürlich machte ich mich deshalb sofort ans glätten, ohne aber zu viel Harmonie aufkommen zu lassen:

Frühling war und ich verschlief den jungen Tag,
schon erklang der frohe Finkenschlag.
Umwetter tobten vergangene Nacht,
dass manche Blüte früh am Boden lag.

XxXxXxXxXxX
XxXxXxXxX
XxxXxxXxxX
xXxXxXxXxX

finde den Daktylus für die Waisenzeile jetzt ganz hübsch.

Gruß
Alcedo

Come build in the empty house of the stare
- Yeats -
02.04.2017 15:33
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ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
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Beiträge: 5.020
Registriert seit: Jan 2007
Beitrag #3
RE: Meng Hao-jan: Chūn mián bù jué xiǎo
(02.04.2017 15:33)Alcedo schrieb:  am wenigsten gefällt mir das uneinheitliche Metrum in deiner Version,


Hallo Alcedo,

Eigentlich muss man nur das "war's stärker betonen, was im Vortrag gut möglich ist.
Es war natürlich naiv zu glauben dass es auch schriftlich funktioniert, zumal in der ersten Zeile; - da muss man auch dem alten Hasen mal einen rechten Haken schlagen Cowboy


Also:

Im Lenz war's: Ich verschlief den jungen Tag,
da hörte ich den frohen Finkenschlag.
Doch Wetter tobten die vergangne Nacht,
dass manche Blüte schon am Boden lag.



Deine Version scheint mir noch unregelmäßiger zu sein als meine, die du darob kritisiert hast.
Über den Rhythmuswechsel in der Waisenzeile bin ich mir noch uneins, aber es hat schon was.
Unschön empfinde ich den Hebungsprall zwischen Reimwort und Zeilenbeginn, umso mehr da du dies Muster in der Schlusszeile brichst, auch ist die erste Zeile bei dir eine Zeile länger als die anderen, so dass du metrisch keine zwei gleichen Zeilen hast, wie du ja auch selbst notiert hast.

Das Metrum ist freilich der englischen Fassung abgeschaut. Ob das Original überhaupt eine metrische Struktur hat, darf getrost angezweifelt werden.


.

Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
02.04.2017 17:55
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Alcedo Offline
Verse-Schmied
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Beiträge: 157
Registriert seit: Apr 2016
Beitrag #4
RE: Meng Hao-jan: Chūn mián bù jué xiǎo
Im Lenz war's: Ich verschlief den jungen Tag,
da hörte ich den frohen Finkenschlag.
Doch Wetter tobten die vergangne Nacht,
dass manche Blüte schon am Boden lag.


xXxXxXxXxX oder xXx xxXxXxX (die starke Zäsur bewirkt auch die Leseweise einer nur schwachen Betonug des Ichs.)
xXxXxXxXxX
xXxXxXxXxX
xXxXxXxXxX

ja, schon viel besser so, aber fast schon zu harmonisch mit den akkuraten Jamben. deshalb würde ich das Metrum in Z3 etwas vergaloppieren lassen (womöglich hast du recht: also nicht so viele daktylische Versfüsse wie in meiner Version verwenden): also immerhin „vergangene“ ausschreiben, als gewollte Synkope?

Im Lenz war's: Ich verschlief den jungen Tag,
da hörte ich den hellen Finkenschlag.
Doch Wetter tobten vergangene Nacht,
dass manche Blüte früh am Boden lag.

xXx(X)xXxXxX
xXxXxXxXxX
xXxXxxXxxX (ergibt eine Hebung weniger! als schöne Korrelation zum zurückgenommen Ich in Z1?)
xXxXxXxXxX

nunja, um die metrische Struktur des Originals herauszufinden, müsstest du es lediglich von einem Chinesen oder einer Chinesin vorlesen lassen.

Gruß
Alcedo

Come build in the empty house of the stare
- Yeats -
02.04.2017 18:35
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