Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
ad lectores
ZaunköniG Offline
Maître du Sonnet
****

Beiträge: 5.410
Themen: 18
Registriert seit: Jan 2007
#1
ad lectores
ad lectores
von Manfred Drewitz

Sonette, das sind Perlen vor die Säue,
da nehme ich, fast, keinen Lektor aus.
Und säße ein Verehrer hier im Haus,
das wär zwar schön, doch die erkaufte Treue

gält den Bilanzen, nicht den alten Träumen,
die Form, Gehalt, Gefühl vereinen. Blass
bleibt meine Hoffnung, zu gefallen. Krass
stürzt mich das Urteil von den Blütenbäumen.

Ich weiß, die Zeit ist hart und unempfänglich.
Gereimtes gilt den Machern der Moderne
als Makel, ja, als Gift. Mein Griffel platzt,

weil ernst gemeint, und gar kein bißchen bänglich,
ins Schweigeeis, und ich hätt doch so gerne
mit ihm ein wenig Ewigkeit erkratzt.


Die Arbeit am guten Gedicht
von ZaunköniG

"Mit Kunst statt Handwerk sollst du sie verrichten;
Kein Krampf mit Metronom und Steputat"
Ach ja, das hochmoderne Lektorat
lehrt Unverständlichkeit und Formverzichten.

Man sei "Hauptsache anders" in Gedichten.
So alt wie falsch ist dieses Postulat.
"Der Vers sei frei, spontan, das klingt nach Tat!"
Vergiß es. - Für den Nachruhm sollst du dichten.

Der Reim ist alt; Nun sei er neu gewagt.
"Der Avantgarde gebührt der große Preis"?
Es läuft doch ewig nach der selben Masche:

Sonette war'n so oft schon tot gesagt. -
Vertrau dir so wie ich es tu, ich weiß
mir schon das Blau vom Himmel in der Tasche.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
05.02.2007, 14:59
Homepage Suchen Zitieren
Margret Offline
Stift
****

Beiträge: 36
Themen: 0
Registriert seit: Jan 2007
#2
RE: ad lectores
Hallo, Zaunkönig,
ich danke dir besonders für diese "Reime". Es liegt ja nicht nur daran, dass viele meinen, nur Ungereimtes sei gut. Es kommt sogar vor, dass Lektoren Sonette nicht mal mehr im Ansatz KENNEN. Ich habe vor einiger Zeit mit einem Rostocker Verlag wegen meiner "Jahreszeiten" Kontakt gehabt. Die waren interessiert und haben mich nach Rostock einbestellt (eingeladen kann man das nicht nennen). Bei der Besprechung fragte mich die Lektorin, weshalbich mich inden einzelnen Sonetten anfangs immer wiederholen würde??!!
Es handelt sich bei den "Jahreszeiten" um einen Sonettenkranz, wie ich - glaub ich - schon mal erzählt habe. Ich musste ihr also erst einmal erklären, was das überhaupt ist - ein Sonett und weiterführend ein Sonettenkranz.
Weil der Verlag kurze Zeit später Insolvenz anmeldete, haben sie die Veröffentlichung dann nicht mehr vorgenommen. Wie gut für mich, denn an Werbung von dem Verlag wäre nicht mehr zu denken gewesen.
Puhh, das war ein langes Statement, aber notwendig meinerseits.
Herzliche Grüße
Margret
Besuch mich auf meiner website. Ich freu mich.



Margret
02.03.2007, 11:19
Homepage Suchen Zitieren




Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste